BLIND PETITION – „LAW & ORDER“ (CD-Review)

Blind-Petition-L&ARechtzeitig zum 40. Bandjubiläum brachte die österreichische Hard’n’Heavy-Institution BLIND PETITION ihr neues Studio-Album „Law & Order“ (Breakin‘ Records) auf den Markt. Die Band, die immer irgendwo zwischen Rock und Metal beheimatet war, bleibt auch auf ihrem 11. Album ihren Wurzeln und dem erdigen Rock treu. Waren sie zu Beginn ihrer Karriere noch wie ein roher Rock-Diamant, so wirkt die Band anno 2014 gereift und hält es wie mit dem sprichwörtlichen Wein: je älter, je besser! Schon der Opener „Like Hell“ stellt sofort klar, dass die Mannen um Mastermind und Austro-Rock-Kultfigur Hannes „Fusel“ Bartsch fest im Sattel sitzen und nix anbrennen lassen. Der Song rockt ab, als gäbe es kein Morgen! Satte Gitarren, schneidende Riffs und mit David Strohmeier ein neuer Sänger, der sehr gut zur Band passt und gleich mal eine ordentliche Probe seines Könnes abgibt. Der nächste Song – „People“ – schleppt sich im satten Midtempo-Groove daher und weiss durch straighte Gitarren und steady Drums zu gefallen. „The Score“ ist dann anfangs sehr modern gehalten, wechselt aber spätestens beim coolen Refrain zu bewährten Hard Rock-Mustern. Die Solo-Section geht wieder Richtung Southern-Rock, scheinbar eine Musikrichtung, die auf Fusel grossen Einfluss hat. Genialer Song, by the way! Der Titeltrack „Law & Order“ beginnt mit Akustikgitarre und rauchiger Stimme, geht aber wenig später in einen stampfenden Groove-Rocker über, baut sich über tolle, mehrstimmige Refrains auf und wartet mit einem sehr lässigen Gitarren-Solo auf. Ein würdiger Titelsong! Danach folgt mit „Highway Devils“ eine Neuaufnahme der zweiten Blind Petition-Single von 1983. Das Remake ist fraglos geglückt, Gitarrist und Bandleader-Bruder Bertl Bartsch glänzt hier auch auf der hinreissend gespielten Harp. Der Retro-Flanger-Effekt über den letzten Refrain stört mich allerdings ein bisschen, ist aber gerade noch auszuhalten, weil ohnehin am Ende des Songs. „God Of Rock & Roll“ stampft wie AC/DC zu deren besten Zeiten. Toller Refrain und geile Gitarren sowieso. Ein fettes Riff eröffnet „Down To The Ground“. Ein etwas schnellerer Song mit einer geilen Heavy-Attitude und geilen Backgroundvocals von Alienne Fromvenus, die übrigens auf allen Refrains hammermässig shoutet! Der Solo-Teil ist erneut ein Tribut an Molly Hatchet & Co. Akustisch beginnt „How Long“, welches anfangs darauf schliessen lässt, dass es sich hier um eine Ballade handeln wird. Doch weit gefehlt! Blind Petition drücken wieder saftig drauf und haben hier eine tolle Rockhymne geschaffen, die später wieder in sich zusammenfällt, mit Akustikgitarren und einem Harpsolo für Gänsehautfeeling sorgt, ehe das Gaspedal wieder voll durchgetreten wird. Dann der göttliche Soloteil, der ebenfalls mystisch-sanft beginnt, ehe das Solo zur Rock-Sau explodiert. Stadion-Rock per excellence! „Feeling High“ ist einmal mehr ein Heavy-Stampfer allererster Güte, immer schwer angetrieben von der äusserst tighten Rhythmsection, bestehend aus Drummer Harald Bartsch und dem solide groovenden Bassisten Thomas Gehrke. Mit „Wont You“ haben sie dann auch noch eine hitverdächtige Rock-Nummer am Start, die trotz Bartsch-er Härte durchaus radiotauglich ist. Dafür sorgen einmal mehr Sänger Strohmeier und eine solide Komposition mit griffigen Hooks und einem Mitsing-Refrain. „Blind Petition“ beschliesst dieses famose Album und ist ein Remake der allerersten Single (1980) der Band. Man merkt dem Song noch diese Ungestümtheit an, die die Band damals hatte. Die Heavy-Einflüsse sind auch noch wesentlich deutlicher rauszuhören als auf allen anderen Songs. Aber Fusel war nicht nur rekordverdächtiger Biervernichter und fausthiebender Rabauke wenns um die Rocker-Ehre ging, er hat auch noch dieses echte Herz eines Rock’n’Rollers und liebt die Musik, die Gitarre und seine Band. Somit hat der Rock-Veteran mit der viel zu wenig bekannten Seite des Rock’n’Roll-Romantikers diese Nummer bewusst zum Schluss gesetzt. Es war seinerzeit die erste Single ever und bildet jetzt den Abschluss der Jubiläums-CD. Der Kreis hat sich nach 40 Jahren geschlossen!

Rating: 9 von 10 Punkten. Das neue Album der Wiener traditionsbehafteten Band ist echt ein Hammer geworden, hier gibts nix zu meckern, tolle Songs, alles astrein eingespielt, man merkt Spielwitz und Spielfreude gleichermassen und drückt immer wieder auf „play“. So stellt man sich ein Jubiläumsalbum vor! Die Band spielt sehr tight zusammen und Fusel hat sich selbst neu erfunden. Keine Frage, ein derart ehrliches und handgeschnitztes Album hatte man sich erwartet, dass es dann aber sooo lässig groovt und sooo geil abrockt, das unterstreicht den Albumtitel „Law & Order“ nachhaltig in rockender Form!

Und wer jetzt ganz genau wissen möchte, wie die Band angefangen hat, welche Höhen und Tiefen sie durchlebte, welche Meilensteine und welche Stolpersteine ihren Weg pflasterten, dem sei noch das Buch „Keine Gnade! Die Blind Petition Story“ von Andi Appel wärmstens ans Rockerherz gelegt.

CD-Review by Tom Proll