MOTHER’S FINEST – „Goody 2 Shoes & The Filthy Beasts“ (CD-Review)

Als die seinerzeitige Printausgabe des X-ACT Music Magazine’s im August 1995 das Licht der Medienwelt erblickte, zierte Joyce Kennedy, die Sängerin von Mother’s Finest das allererste Cover. Natürlich gab’s dazu auch eine geile Cover-Story. 20 Jahre später, im August 2015, startet X-ACT mit etwas Verspätung in die Online-Generation. Und wieder sind Mother’s Finest mit dabei! Diesmal mit dem brandneuen Album „Goody 2 Shoes & The Filthy Beasts“.

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Das neue Album ist zwar bei SPV auf den Markt gekommen, aber die Produktion haben sich Mother’s Finest über Crowdfunding finanziert, heutzutags ein durchaus üblicher Weg. Das Cover-Artwork ist schon mal eine „Sparversion“ und wird dieser grossartigen Band sicher nicht gerecht, zumal es schon mal ein Cover gab, welches das MF-Logo zierte, nur damals kunstvoller gemacht. Musikalisch geht’s dafür mit „Angels“ gleich mal in die Vollen: Funk-Rock in Reinkultur, geile Hookline und Joyce Kennedy singt immer noch gottgleich! Fetziger Song zu Beginn, der Laune macht und ob des „billigen“ Covers gleich wieder versöhnt! Fetter Groove und lässige Gitarren-Hooks tragen dann „Shut Up“, das mit einem feinen Gitarrensolo gekrönt wird. Vokal ist hier natürlich auch wieder alles in trockenen Tüchern! Coole Gitarren eröffnen „She Ready“, welches wieder einen Zahn zulegt und mit einem Heavy-Riff satt aus den Boxen brettert, dass sogar Metal-Fans ihre Freude damit haben werden! Der Refrain greift auch mächtig an, Bass und Drums legen ein Fundament, dass es eine wahre Freude ist! Also es sind gerade mal 3 Songs gelaufen und man kann jetzt schon sagen, dass Mother’s Finest wieder da sind. Und wie! Typisch funky groovy a la MF geht’s dann bei „Cling To The Cross“ zur Sache und hier übernimmt erstmals Glenn „Doc“ Murdock die Leadvocals. Es raucht aus den Boxen und ein fetzig dreckiges Gitarrensolo passt wie die Faust auf’s Auge! Herrlich! Joyce is back on track beim Song Nr. 5, „Another Day“, ein relaxt groovender Track mit einem wunderschönen Refrain, der durchaus Hitcharakter hat. Nur, MF schielen nicht mehr in Richtung Charts, hatten auch hörbar keinen „Aufpasser“ einer Record Company im Studio und machten somit genau das, was sie wollten, darum wird dieser Song im Mittelteil auch durch crazy verzerrte Vocals „unterbrochen“, ehe Joyce wieder den göttlichen Chorus anstimmt. Rotzig freche Gitarren wachen auch darüber, dass der Song nur ja nicht zu sülzig wird. Einfach nur geil! Ein Piano leitet die erste Ballade ein: „Tears Of Stone“ –  gefühlvoll gesungen von Joyce Kennedy, selbstredend mit einem saugeilen Refrain und wieder diese verschmitzen Lausbuben-Gitarren, die sicherstellen, dass es eine Rockballade ist und bleibt! Alles in allem ein mitreissender Song, der mit einem Rap vom „Doc“ einen hippen Stempel aufgedrückt bekommt. „All Of My Life“ könnte man dann schon als Funk-Rock-Hymne a la Stadion-Rock bezeichnen, auf alle Fälle der mit Abstand leidenschaftlichste Track bisher! „Doc“ leitet den nächsten Song „I Don’t Mind“ ein und singt auch die Leadvocals dieses coolen Midtempo-Groovers. „Take Control“ wird auch vom „Doc“ gesungen, elektronische Synthie-Spielereien und heavy Gitarren, – interessante Mischung! Cooler Song, der mit der Zeit zwar etwas gleichförmig wird und mit viereinhalb Minuten dann letztendes ein wenig langatmig geworden ist. „My Badd“ ist auch schon der letzte Song und der fetzt wieder ab, dass im Kühlschrank die Milch sauer wird! Joyce übernimmt wieder die Leadvocals, die Gitarren sägen freaky und fett am Brett, ein lässiger Chorus und durch den ganzen Song über eine entfesselnd singende Leadsängerin! So muss Funk-Rock! So muss Mother’s Finest! Yeah!

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„Goody 2 Shoes & The Filthy Beasts“ ist ein ehrliches und erdiges Album in der Tradition von Mother’s Finest geworden, das fette Groove-Fundament, welches immer im Funk verankert ist, aber auch dem Rock Tribut zollt, liefern kongenial und kompetent der „Funk-Meister“ Jerry „Wyzard“ Seay am Bass und Dion Derek an den Drums. Die beiden Gitarristen, der kultige Gary „Moses Mo“ Moore und der immer bekifft dreinschauende John „Red Devil“ Hayes liefern auf diesem Album eher die fetten Rhythmusgitarren und die Rock Attitude, mit funky Licks ist’s diesmal nicht recht weit her und auch an Gitarrensolos wurde gespart. Aber wenn, dann greifen die Herren ordentlich aufs Brett und machen Nägel mit Köpfen! Mother’s Finest-Fans werden sich darüber freuen, dass die Band wieder mehr „back to the roots“ ist und wer das Album „Iron Age“ mochte, der wird sich freuen, dass die Gitarren wieder fetter abrocken! Insgesamt ein Album, welches in keiner Sammlung, die was auf sich hält, fehlen darf!

Rating: 8 von 10 Punkten!

CD-Review by TOM PROLL

Discografie:

  • Mother’s Finest (1973, RCA)
  • Mother’s Finest (1976, CBS)
  • Another Mother Further (1977, Epic)
  • Mother Factor (1978, Epic)
  • Live (1979, Epic)
  • Iron Age (1981, Atlantic)
  • One Mother To Another (1983, Epic)
  • Looks Could Kill (1989, Capitol)
  • Subluxation (1990, live, RCA)
  • Black Radio Won’t Play This Record (1992, RCA)
  • Not A Bootleg (1998, Independent Release)
  • Burning Love – Mother’s Finest Best (1999, Zounds)
  • Meta-Funk’n-Physical (2003, UTR Music)
  • Mother’s Finest at Rockpalast 1978–2003 (2004, DVD-Video)
  • Live at Villa Berg – Right Here, Right Now (2006, Major MTM)
  • Not Yer Mother’s Funk – The Very Best Of … (2006, Megaphon Importservice)
  • Goody 2 Shoes & The Filthy Beasts (2015, SPV)
  • Weblinks: Official Homepage, facebook

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