WHITESNAKE – „The Purple Album“ (CD-Review)

Mein lieber Schwan! Dieses Album hat’s in sich! David Coverdale hat nicht aus Ermangelung an neuen Songs die besten Songs aus seiner Ära bei Deep Purple neu interpretiert, sondern weil es ihm eine Herzensangelegenheit war. Und das Ergebnis kann sich wahrlich hören lassen!

Coverdale’s Zeit bei Deep Purple war nicht nur von Erfolg gekrönt, er erlebte auch die Troubles mit Ritchie Blackmore hautnah mit, die letztenendes zu dessen Ausstieg führten. Dann die Zeit mit dem sensationellen Gitarristen Tommy Bolin und dann dessen viel zu früher und vollkommen sinnloser Drogen-Tod. Nun, David Coverdale hat nach dem Ausstieg von Doug Aldrich mit dem Ex-Night Ranger-Gitarristen Joel Hoekstra einen absoluten Könner ins Line Up geholt. Die andere Gitarre bedient immer noch Saitenhexer Reb Beach. Vom letzten Line Up sind weiters noch Tommy Aldridge (Drums) und Michael Devin (Bass) mit dabei.

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Lebten die Songs in den Originalversionen von den Interaktionen von Gitarre und Orgel bzw. Keyboards, so sind die Arrangements auf dem vorliegenden „The Purple Album“ deutlich gitarrenlastiger ausgefallen! Hoekstra und Beach liefern sich nicht nur wilde Duelle, sie haben die Gitarren-Arrangements auch sehr klug in die Neuzeit transferiert, das Blackmore-Feeling ging dabei zwar ziemlich ganz verloren, aber es sollten ja auch keine blossen Cover-Versionen werden, sondern neue Interpretationen. Und die sind auf der ganzen Linie gelungen! Die Qualität der Songs spricht für sich und auch die Auswahl hätte Coverdale nicht besser treffen können! Wer sich nun nicht vorstellen kann, wie die Songs ohne Jon Lord klingen oder ein Problem damit haben könnte, dass die funkigen Elemente, die Glenn Hughes seinerzeit in die Band mitbrachte, komplett verloren gegangen sind, der sollte diesem Album zumindest eine Chance geben und mal unvoreingenommen reinhören und wird dann deppert schauen, was Coverdale & Co. aus den Songs gemacht haben! So mancher Song, der in der Ur-Version eher bluesig daherkam, kracht nun aus den Boxen und andere wiederum leben von dezenter Zurückhaltung. Die Riffs brettern einem nur so um die Ohren und die Solos sind sowieso allererste Sahne! Die beiden Gitarreros haben die Orgel/Gitarre-Arrangements meisterhaft auf 2 Gitarren umarrangiert und den Songs zumeist vollkommen neues Leben eingehaucht. Lediglich „Mistreated“, das ein unsterbliches Solo vom seligen Ritchie Blackmore hatte, glänzt nicht ganz so sehr wie die Original-Version, aber das ist auch schon egal, denn alle anderen Songs kommen einfach moderner, knackiger, bzw. gefühlvoller und insgesamt besser aus den Boxen! Speziell „Burn“, „Lady Double Dealer“ und „Might Just Take Your Life“ habens mir angetan, leck mich am Arsch – sind diese Songs geil geworden! Hut ab!

Songs: „Burn“, „You Fool No One“, „Love Child“, „Sail Away“, „The Gipsy“, „Lady Double Dealer“, „Mistreated“, „Holy Man“, „Might Just Take Your Life“, „You Keep On Moving“, „Soldier Of Fortune“, „Lay Down Stay Down“ und „Stormbringer“ auf der Standard-Ausgabe. Man sollte sich aber für die Deluxe Edition (CD und DVD) entscheiden, denn da bekommt man auf der Audio-CD die beiden Bonus-Tracks „Lady Luck“ und „Comin‘ Home“ dazu und diese beiden Songs sind megageil! Auf der DVD sind dann die Music Video Clips der Songs „Lady Double Dealer“, „Sail Away“, „Stormbringer“ und „Soldier Of Fortune“ zu sehen. Ein nettes und cooles „Behind The Scenes“ gibt Einblicke in die Entstehungsgeschichte des Albums und ein „The Purple Album EPK“ (Electronic Press Kit) ist auch noch zu bestaunen.

Alles in allem eine rundum geglückte Sache, der ich ursprünglich mit einigen Zweifeln entgegenblickte, um dann umso mehr überrascht worden zu sein! Keine Frage, David Coverdale und seine Top-Truppe Whitesnake haben wiedermal ins Volle getroffen!

CD-Review by TOM PROLL

Rating: 9 von 10 Punkten!