LYNYRD SKYNYRD im Interview (Sternenzelt Bad Reichenhall 2000)

Manchmal kommt man zu einer Journalistenkarriere wie die Jungfrau zum Kind. So geschehen im Juni 2000 mit Uli. Und jetzt, 15 Jahre später, ist er noch immer dabei.

lynyrd2Uli traf sich mit der Südstaaten-Legende Lynyrd Skynyrd und durfte mit Rickey Medlocke ein Backstage-Interview machen…

18 Uhr – Ich bin unterwegs mit dem Auto nach Bad Reichenhall, eigentlich um mir Boogie Stuff anzusehen, die mir von mehreren Seiten für unser Festival empfohlen wurden. Naja, und wie es der Teufel so will, telefoniert man mal schnell mit einem alten Freund, Tom Proll vom X-ACT, und hat plötzlich eine ganz andere Aufgabe. Ich soll ein Interview mit Lynyrd Skynyrd machen!

Naja, und da ich normalerweise keine professionelle Photoausrüstung und kein Diktiergerät im Auto herumfahre, muss man halt improvisieren. Einige Telefongespräche später habe ich das Equipment. Danke an Herbert, Dine und Stefano, die mir hilfreich unter die Arme gegriffen haben.

Aber vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt – Pressekarten sind da, aber von einem Interview weiß keiner was. Was soll’s – mit einer gewissen Hartnäckigkeit schafft man alles. Und nachdem ich die halbe Sternenzeltcrew auf Trab gehalten habe (auch Euch – Danke für die Hilfe!) sitze ich mit Rickey Medlocke im Backstage-Bereich, und er erzählt über eine der populärsten Südstaaten-Rockbands der USA.

X-ACT: Lynyrd Skynyrd füllen in Amerika große Stadien und spielen in ausverkaufen Hallen, wie kommt Ihr zu einen vergleichsweise kleinen Festival wie dem Sternenzelt?

Rickey: Wir spielen gerne in Europa, und wir machen unsere Gigs der Musik wegen. Die Größe einer Location spielt keine Rolle. Das Sternenzelt wurde uns aber von unserer Plattenfirma empfohlen, und ich muss sagen es ist toll hier. Eine einzigartige Kulisse und tolle Atmosphäre.

X-ACT: Wenn man so lange Zeit auf Tour ist, – ich glaube seit Mitte der Sechziger Jahre, wird man nicht mit der Zeit etwas müde?

Rickey: Wir waren ja nicht durchgehend auf Tour, es gab auch Unterbrechungen. Aber wir mögen alle die Atmosphäre auf der Bühne, und das Publikum gibt uns immer wieder Kraft.

X-ACT: Reichenhall liegt zwar nur 7 Kilometer von Salzburg entfernt, aber unsere Leser wird es sicherlich interessieren, wann Ihr wieder zu uns nach Österreich kommt.

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Rickey: Wir kommen sicherlich wieder nach Österreich, wahrscheinlich noch in diesem Jahr. Wir mögen Österreich und hatten schon einige tolle Konzerte. Ich persönlich liebe Salzburg. Nicht nur für Konzerte. Salzburg gehört für mich zu den fünf schönsten Städten der Welt. Ich mag das Flair dieser Stadt, die Kultur, und die Musik, die man an jeder Straßenecke zu spüren bekommt.

X-ACT: Lynyrd Skynyrd haben 1965 als Schulband begonnen und gehören heute zu den Großen im Music Biz. Viele unserer Leser sind selbst Musiker und würden sich sicherlich über ein paar Tips freuen.

Rickey: Das wichtigste an einer Band ist immer die Musik. Laßt Euch nicht durch Meinungen oder Strömungen beeinflussen, und macht die Musik, die zu Euch passt, und zu der Ihr steht. Auch wir haben klein angefangen, und unsere Musik hat am Anfang keiner gemocht. Aber wenn man sein Ziel mit Konsequenz verfolgt und bei seiner Linie bleibt, kommt der Erfolg über kurz oder lang.

X-ACT: Lynyrd Skynyrd sind seit über 30 Jahren in der Branche. Jetzt kommt die berühmte Frage. Was plant Ihr für die Zukunft?

Rickey: Wir werden weiterhin Musik machen, eine ausgedehnte Tour steht vor der Tür, dann geht es wieder ins Studio für weitere Aufnahmen. Ich für meinen Teil hoffe, dass wir noch lange zusammen bleiben, und das uns das „Shake Hands und Goodbye“ noch lange erspart bleibt. Solange es allen in der Band Spaß macht, werden wir weiterhin einfach gute Musik machen und noch viel Spaß haben.

X-ACT: Das hoffen wir auch, und wünschen Euch alles Gute für die Zukunft.

Nun zum Konzert.

In einem bestens gefüllten Sternenzelt erlebte man vor dem Headliner eine Vorgruppe, die sich gewaschen hat. Die bayrische Formation Boogie Stuff heizte dem Publikum ein, dass es eine Freud war. Coverversionen und Eigenkompositionen der feinsten Art gingen ins Blut und ließen keinen ruhig stehenbleiben. Ich glaube, da wieder einmal ein „Juwel“ aus unseren Breitengraden gesehen zu haben. Also Leute – wenn’s irgendwo ein Konzert mit Boogie Stuff gibt – nichts wie hin – Diese Band kann ich bedenkenlos empfehlen!!!

Und der Auftritt von Lynyrd Skynyrd? Was soll man sagen. Genauso wie eine Rock-Legende auftreten soll. Der Sound wie von der Konserve, ohne Schnörkel, aber von der Art, der vom Ohr direkt in die Beine fährt.

Auch wenn das Publikum in Bayern hin und wieder etwas träge war, Sänger Ronnie van Zandt, selbstverständlich mit der obligatorischen Südstaatenflagge um den Micro Stand, verstand es, die Massen in Bewegung zu halten.

Geiler Gitarrensound, coole Bassgrooves und fetzige Musik – ein Konzert wie aus dem Bilderbuch. Und am Schluss – wie sollte es anders sein „Sweet Home Alabama“, und die Besucher zuckten richtig aus.

FAZIT – Eine Rocklegende, wie sie sein soll. Ohne Schnörkel, ehrlich und gut…

Interview & Live Review by ULI STOLLWITZER

Fotos by HERBERT GRUBER