MAYFAIR – „My Ghosts Inside“ (CD-Review)

Mayfair – eine der dienstältesten Rock-Bands Österreichs und ganz klar eine der Vorzeigebands aus Vorarlberg, sind auch den X-ACT-Lesern der ersten Stunde noch ein Begriff, da die Band immer wieder im X-ACT Music Magazine vorkam und auch auf dem X-ACT Sampler „Impulse ’98“ mit dabei war. Und jetzt präsentiert uns die Band, die zum Progressive Metal zugezählt wird, ihr mittlerweile 8. Album. Und „My Ghosts Inside“ (Pure Prog Records) hat es in sich! Ein Album auf internationalem Standard und voller Überraschungen! Aber alles schön der Reihe nach…

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Bei „My Ghosts Inside“ geht es laut Info um positive wie negative Kräfte, die mehr oder weniger verborgen in jedem von uns schlummern, die in gewissen Momenten ausbrechen und uns aus der Komfortzone stossen. Genau diese Ansprüche hat die Band versucht, sowohl musikalisch als auch lyrisch umzusetzen. Und schon beim ersten Song „Loss“ stellen sie diese hohen Ansprüche unter Beweis. „Loss“ kommt atmosphärisch und düster um die Ecke und ist ein Opener, der schon mal neugierig auf mehr macht. Mit dem zweiten Track, dem Titelsong „My Ghosts Inside“ meint man fast, die alten Queensryche hätten einen Song aus ihrer Blütezeit entdeckt und veröffentlicht, – aber nein! – hier geben Mayfair ihr Bestes, das Main-Riff schneidet sich kräftig durch den Song und die Vocals sind sowas von auf dem Punkt! Cool! Dann steigen Mayfair auf die Bremse und beginnen bei „Desert“ verhalten, Sänger Mario stöhnt und schreit, lebt sich total in den Song und zwischendurch immer wieder heftigere Beats, Growls, vertrackte Parts und wenn man schon glaubt, der Song fadet mit soften Gitarren aus, kommt noch ein kurzes Finale voller Saft und Kraft. Im Midtempo-Bereich kommt dann „Blinded By Your Light“, welches von René’s geilen Gitarren-Hooks lebt, die auch für einen tollen Pink Floyd-Song gereichen würden. Kenner dieses Genres wissen jetzt, dass der vierte Track der neuen Mayfair-CD ganz klar die Prog-Pfade Richtung Psychedelic Rock verlassen hat. Genialer Song allemal! Dafür ziehen sie wieder ein wenig an, wenn es im Track „When Angels And Demons Meetwieder mehr Richtung Prog-Rock geht. Hier darf sich Gitarrist René wieder austoben und auch Sänger Mario liefert eine reife Leistung ab! Mit 6:22 auch der längste Song dieses abwechslungsreichen Albums, wo Mayfair ihr Markenzeichen – das Mischen der englischen und deutschen Sprache in den Lyrics – hervorragend zelebrieren, – musikalisch dafür abwechslungsreich vom nervösem Backing-Track bis hin zur harmonischen Versöhnung. Und alles erstklassig arrangiert! „Our Fire Starts Here“ ist dann wieder schwer psychedelisch angehaucht und sowas wie ein Interlude, denn der kurze Track geht nahtlos in „Ghostrider“ über, der heftiger zur Sache geht und saftig auf die zwölf drischt! Dennoch ist der Song abwechslungsreich und melodisch gleichermassen, René geigt sich wah wah-mässig weg und einem schrägen Unisono-Teil folgt ein lässiger Vocal-Teil und dann das erste (!) und einzige (!) Gitarrensolo in lässig melodischer Form! Bravo!

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Mit „Boom“ kommt Psychedelic Rock aus den Boxen, der Song hat radiokompatible Hitqualitäten, wird aber ob der Ecken und Kanten leider nicht grossartig auf Airplay gehen… Ein toller Song ist er aber vielleicht auch gerade deswegen. Mit „Andermal“ dann noch etwas mehr Psychedelic-Rock, verfremdete Vocals, Double-Bassdrum-Attacken und einmal mehr coole Gitarren! Ein interessanter Song, der etwas an die Jam-Kult-Kiffer-Band Sweet Smoke erinnert und das ist fraglos als Kompliment gemeint! Der rotzig freche Track „Schrei es raus“ ist der einzige, der wirklich in die „Schublade“ „Progressive Metal“ passt. Im Übrigen finde ich es schade, dass eine so hervorragende, nicht einordenbare Band zwangseingeordnet wird. Zu vielschichtig sind die Songideen und zu abwechslungsreich die Arrangements und wenn schon eine Zuordnung, dann bitte wenigstens „Psychedelic-Rock“, denn das trifft es am ehesten! Das unterstreicht übrigens auch der letzte Song „Until We Meet Again“, der auch aus der Feder einer Legende wie Syd Barrett hätte sein können. Eine derart epische Wehmut hat schon lange niemand mehr so eindringlich musikalisch eingefangen, wie die wunderbaren Mayfair!

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Unterm Strich ein sehr feines Album einer schwerstens unterschätzten Band! Hier ist eine absolut kompetente Rhythmsection am fundamentieren, worauf ein stilistisch wandelbarer Sänger und ein vielseitiger Gitarrist ihre bilingualen Melodiebögen bzw. vielschichtigen Akkorde aufbauen. Mit Metal hat das hier überhaupt nix zu tun, was aber auch wurscht ist, denn Mayfair sind derart eigenständig, dass man dieses Schubladendenken erst gar nicht weiter bemühen muss. Hier wird extrafein komponiert, arrangiert und getextet und am Ende hat man ein Konzeptalbum gehört, welches aufwühlt, versöhnt, neugierig macht und den Hörer aber auch ratlos dastehen lässt. Und allein schon das ist eine Meisterleistung! Very well done!!

Rating: 9 von 10 Punkten!

CD-Review by TOM PROLL

Mayfair is:

  • Mario –  Vocals
  • René – Guitars
  • Johannes – Bass
  • JollyDrums

Discography:

  • „Live For The King“ (1989, Demo)
  • „Find My Screams Behind This Gate“ (1991, Demo)
  • „Behind“ (1993)
  • „Die Flucht“ (1995)
  • „Advance Tape 1996“ (1996)
  • „Fastest Trip To Cyber-Town“ (1998)
  • „Schlage mein Herz, schlage…“ (2013)
  • „My Ghosts Inside“ (2016)

Weblinks: Official Homepage, Facebook

Album Credits:

  • All songs written, arranged and produced by Mayfair
  • Escept „Our Fire Starts Here“ arranged by Mayfair and Sirius D. Raze
  • Lyrics by Mario „le fate“
  • Recorded and mixed at Vintage Sound Studios by Sirius D. Raze and Cook
  • Engineered by Cook, Johnny Alton and Sirius D. Raze
  • Mastered by Little Konzett at Little Big Beat Studios
  • Album Design by Melanie Grießer
  • Band Photo by Lars Wieser
  • Make Up by Nika