GARBAGE – Live am Nova Rock 2016 (Live Review)

Waren bei den großartigen Editors nur einige wenige hundert Menschen vor der Bühne, so füllt sich die Wiese vor der Blue Stage doch erheblich dichter mit Menschen, während die pinke Leinwand mit dem Garbage-Logo aufgezogen wird. Auf der Bühne sind ein hinter Plexiglas verstecktes Schlagzeug, ein Mikroständer und sonst nichts. Keine Amps weit und breit. Als Shirley Manson und die schwarz gekleideten Musiker von Garbage (auch die Editors waren allesamt dressed in black) mit dem aktuellen Song „Empty“ beginnen, ist das Publikum erst noch ein wenig ratlos. Shirley Manson flitzt über die Bühne, während Duke Eriksson und Kollegen sich vor allem im Posen üben. Der Sound ist noch lange nicht so, wie er sein sollte und die vielen Samples irritieren, weil das Auge nicht sieht, was das Ohr hört. Dass keine Amps auf der Bühne stehen, verstärkt optisch den Verdacht, dass hier ein bisschen gar viel Konservenrock aufgetischt wird. Shirley Manson spielt kokett mit ihrem kurzen Röckchen, was dem Publikum, das durchwegs wesentlich jünger als die Band ist, gut gefällt.

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„Stupid Girl“ passt da als nächster Song bestens drauf und man merkt, dass selbst das junge Publikum die alten Scheiben besser kennt als die neuen Songs. Logisch, schließlich ist das neue Album „Strange Little Birds“ erst am selben Tag auf den Markt gekommen. Ich habe Garbage zuletzt vor 17 Jahren in der damaligen Libro Music Hall gesehen, gemeinsam mit Suede. Ein bisschen was von dieser rotzfrechen Energie hat die Band im Laufe der Jahre wohl irgendwo verloren, aber es kommt noch immer eine ganze Menge Power von der Bühne, wenn Duke Eriksson die verminderten Akkorde in seine Telecaster drischt und Shirley Manson über die Bühne wirbelt. Und die Spielfreude von Garbage wächst mit jedem Song: „I Think I’m Paranoid“, „Push It“, „Only Happy When It Rains“ und andere Hadern aus den besten Garbage-Zeiten bringen jetzt auch das Publikum in Fahrt und Shirley Manson muss nicht mehr alleine hüpfen, denn vor der Bühne springen längst alle mit. Und plötzlich erinnert man sich wieder, dass es eigentlich genau diese Kombination aus Elektronik und harten Gitarrenriffs ist, die die Faszination von Garbage immer ausgemacht haben. Verantwortlich für diesen unverwechselbaren Sound bei den Produktionen von Garbage ist der Mann am Schlagzeug: Butch Vig hat so ganz nebenbei nicht nur die Alben von Garbage sondern auch jene von Bands wie Foo Fighters, Smashing Pumpkins, Green Day, Sonic Youth oder Nirvana (das geniale „Nevermind“) produziert.

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Spielen Garbage zwischendurch einen neuen Song, dann ist Tanzpause angesagt, aber das halten sowohl die Band als auch das Publikum aus. Auffällig oft bedankt sich die in Schottland geborene Sängern, die in wenigen Wochen ihren 50er feiern wird, beim österreichischen Publikum: „Thank you Austria for supporting us all over those years“. Na dann kommt halt nicht nur alle 17 Jahre mal vorbei, dann klappt das sicher noch viel besser mit dem Support! Zugabe gibt’s keine, denn bei einem Megakonzert wie dem Nova Rock gibt’s eben einen strikten Zeitplan. Und die Oldie-Punks von The Offspring warten schon.

Live Review & Live Photos by ANGIE ANGERER