CHRISTINE NACHBAUER – „Späte Sünderin“ (CD-Review)

Christine Nachbauer aus Götzis in Vorarlberg kann schon auf eine tolle Karriere zurückblicken, zuerst stand sie mit einer Country-Band erfolgreich auf der Bühne, dann landete sie mit Deja Vu ein paar Chart-Hits und schliesslich machte sie sich als Komponistin und Texterin europaweit einen sehr guten Namen. Ihr Titel „An a Wunder hob i g’laubt“ verhalf den Jungen Klostertalern zum Sieg beim „Grand Prix der Volksmusik“! Aber auch ihre Solo-Karriere kann sich sehen und vor allem hören lassen und dieser Tage flatterte uns ihre neue CD „Späte Sünderin“ in die Redaktion! Wir trafen diese aussergewöhnliche Künstlerin auch gleich zum Interview, welches in den nächsten Tagen online geht und für ihre zahlreichen Fans gibt’s noch ein Überraschung: wir verlosen 5 signierte Alben „Späte Sünderin“ inklusive 5 signierten Autogrammkarten! Wie ihr diese Goodies gewinnen könnt, steht weiter unten! Aber jetzt erstmal zu ihrem aktuellen Album!

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Wie könnte man Christine Nachbauer am besten einordnen? Schlager für Fortgeschrittene? Deutsche Chansons? Blues mit deutschen Texten? Deutsch-Rock? Swing mit Hitpotential? Also, sie selber würde eine Katalogisierung gar nicht mögen und deshalb lassen wir es auch lieber sein, denn zu vielseitig ist ihr musikalischer Anspruch und ihre Texte sind kleine Kunstwerke zwischen zweideutiger Erotik, ehrlichem Innersten aus ihrem Privatleben und kabarettistischem Fun für Leute, die zwischen den Zeilen lesen können und nicht zu faul zum Denken sind! Das Album beginnt mit dem Titeltrack „Späte Sünderin“ und gleich der erste Song fetzt mächtig ab, der Text eindeutig zweideutig, frivol, frech und witzig, – musikalisch geht es in Richtung Big Band Swing. Christine singt sich locker durch Modulationen und ein erstklassiges Arrangement und die Band spielt das absolut amtlich! Mit „Online bestellt“ besingt sie ihre „neueste Errungenschaft“: einen online bestellten Mann! Textlich mit einem Augenzwinkern und einer starken Prise Spass. Musikalisch irgendwas zwischen Rumba und Fox mit lässigen Gitarren und messerscharfen Bläsersätzen. Ein Titel, der bereits als Single ausgekoppelt wurde und im gesamten deutschen Sprachraum bereits auf allen Radiostationen erfolgreich läuft! „Fleischeslust“ ist wieder so ein eindeutig zweideutiger Text und Christine Nachbauer singt mit einer Hingabe, dass es Spass macht, ihr zuzuhören. Die Musik abermals ein Mix aus jazzigem Swing mit Scratches und später einem feinen Gitarrensolo. Natürlich abermals ein Arrangement, welches mutig und traditionell zugleich zu begeistern weiss. „Einzelstück“ ist dann eine beinharte Abrechnung mit dem Schönheitswahn und dem damit einhergehenden „Barbiepuppenideal“. Sie singt auch diesen Titel einmalig, – klar, sie ist ja auch ein Einzelstück! Der im Midtempo satt groovende Song hätte auch Level 42 zur Ehre gereicht. Irgendwie zucken einem da gleich die Tanzbeine…

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Bluesig beginnt dann „Das Schweigen der Männer“, wo sie im Intro lasziv stöht und später den schweigenden Lämmern, äh… Männern, eine Standpauke hält. Einer der Songs, wo sie zur bluesig groovenden Band mit tollen Slide-Gitarren einen Text fabriziert hat, der zwar nie angreifend wirkt, aber doch die (eventuell und ganz selten vorhandenen!) Schattenseiten der Männer schonungslos demaskiert. Jazzig, locker, flockig kommt „Ungeniert“ aus den Boxen und sie singt den meisten Frauen aus der Seele. Ein Klasse-Song mit einem Klasse-Jazz-Gitarrensolo. Und dann ein Song, wo der Text zum Nachdenken anregen soll, denn „Auf dich kommt es an“ und das meint sie, wie sie es singt. Aber sie erhebt nicht den drohenden Zeigefinger, sondern bietet sich als Ratgeberin für eine bessere Welt an. Der Midtempo-Pop-Rock-Song passt gut zum Text und das saugeile Gitarrensolo setzt dem Song noch das Sahnehäubchen auf! Der Acappella-Teil offenbart einmal mehr ihre gesanglichen Qualitäten und das Arrangement zementiert die Klasse der Band und ihres Produzenten. „Leuchtturm“ ist dann eine laid back Rocknummer, die sich a la J.J. Cale den Weg in die Gehörgänge bahnt. Frau Nachbauer hat dazu einen etwas anderen Text über die Liebe geschrieben und singt das ganze relaxt und lässig. Aber das muss ich nicht extra erwähnen, oder? Zarte Töne werden dann angeschlagen, wenn sie ihrem Mann eine balladeske Liebeserklärung singt. „Der Mann, den ich liebe“ ist nicht nur gefühlvoll gesungen, sondern lässt auch tief in ihre Seele blicken. Derart viel Ehrlichkeit ist entwaffnend und macht sie gleich noch sympathischer! Und dann dieses herrliche Akustikgitarrensolo! Und dieser herrliche Text, der trotz des Umstandes, dass sie gerne „Porzellan nach ihm schmeissen“ würde, dennoch eine herzergreifende Liebeserklärung ist. Solche Texte sind typisch für die Künstlerin Nachbauer, die ja auch schon erfolgreich Bücher geschrieben und veröffentlicht hat! Gratuliere!

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Jazzig zwischen Swing und Big Band Jazz kommt dann „Mondsüchtig“ daher und Christine gibt uns den guten Rat mit auf den Weg, dass wir uns nie in „einer Vollmondnacht verlieben sollen“. Der Song ist cool arrangiert, der Standbass groovt wie die Sau und die Bläserarrangements greifen mächtig an. Keine Frage, hier sind Könner am Werk und Christine Nachbauer tritt souverän den Beweis an, dass sie auch als Jazz-Sängerin eine gute Figur macht! Latin-Pop de Luxe dann bei „Unbeschreiblich weiblich“, einer Hymne an alles unbeschreiblich Weibliche, neckisch und frech gesungen. Ein tanzbarer und grooviger Song. Ein geiler Rock-Song ist dann „Alles anders (es ist nie zu spät)“, wo sie einmal mehr einen Song mit Tiefgang und Aussage klug verpackt hat. Einer jener Songs, den sie wahrscheinlich nach einem ausverkauften Konzert dem jubelnden Publikum als Zugabe um die Ohren schmeisst! Herrlich! „Mein Moment“ klingt wie ein Song für den Song Contest, moderne Grooves und elektronische Basslines und programmierte Drums. Ist jetzt musikalisch nicht so mein Ding, aber wem’s gefällt. Text und Gesang aber sind vom Feinsten. Cooler Song in seiner Gesamtheit allemal. Und dann die Überraschung des Albums: „Ungeniert“ in einer lässigen Live-Version! Sie zählt ein „Oans, zwoa, drü…“ und man hört gleich, sie singt in ihrer Muttersprache Vorarlbergerisch! Und das ist sowas von geil und sympathisch und gibt glatt einen Haufen Extrapunkte. Nachdem alle Songs in gepflegtem Hochdeutsch gesungen sind, ist dieser Song in Mundart wie Balsam für die Seele. Well done!

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Was soll man sagen? Ein steiles Album, alles sauber eingespielt, die Instrumentalisten sind alle Könner ihres Fachs und schade ist nur, dass man nirgends ihre Namen findet… Die Arrangements sind allesamt Zucker! Die Produktion ist der Hammer, Sound und Mix sind erste Sahne! Da muss man das „Vision Music Recording Studio“ in Götzis, Vorarlberg, hervorheben, – und natürlich Gert Nachbauer, der das Ganze genial aufgenommen, gemischt und gemastert hat und der Mann ist, „den sie liebt und dem sie am liebsten Porzellan nachschiessen würde, aber es dann nicht tut, weil sie seinen Humor so mag!“ Oder so ähnlich, – nachzuhören auf vorliegendem Album, Track Nummer 9. Also, wer immer noch glaubt, dass deutsch gesungene Songs gleichbedeutend sind mit dem abwertenden Prädikat „Schlager“, der wird von der charmanten Christine Nachbauer auf ihrem neuesten Album eines besseren belehrt! Und sie steht musikalisch wie auch textlich sowieso über den Dingen! Und darum sollte dieses Album in keiner Sammlung fehlen!

Rating: 9 von 10 Punkten!

CD-Review by TOM PROLL

Weblinks: Offizielle Homepage, facebook, Vision Music Recording Studio

Unser Gewinnspiel zur CD-Veröffentlichung der aktuellen CD „Späte Sünderin“ der Vorarlberger Sängerin CHRISTINE NACHBAUER!!!

5 signierte CDs „Späte Sünderin“ + 5 signierte Autgrammkarten zu gewinnen!!!

Schreibt an office@x-act-musicmagazine.com bis spätestens 31.10.2016 was Christine ihrem Mann am liebsten nachschmeissen würde:

A) Porzellan  –  B) Essbesteck  –  C) Gitarren
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