MARSHALL „London“ – das Kult-Smartphone für Rock’n’Roller!

Von der englischen Kultfirma Marshall gibt’s ja mittlerweile nicht nur deren kultige Verstärker in allen möglichen Variationen, sondern auch schon Headphones, Kühlschränke, HiFi-Boxen usw. und nun gibt es auch ein Smartphone, welches auf den Namen „London“ hört und seit 29. September 2016 vorerst nur in Europa auf dem Markt ist. USA und andere Länder sollen eventuell 2017 folgen. Wir wollen euch hier das jetzt schon „kultigste Handy ever“ mal etwas näher vorstellen!

Marshall ist den meisten Menschen als DER Hersteller von oberkultigen Gitarrenverstärkern bekannt. Wenn Marshall nun ein Android-Smartphone namens „London“ auf den Markt gebracht hat, darf dabei eigentlich nichts anderes herauskommen als DAS Kult-Handy für Musiker, Musikliebhaber und Rock-Fans. Und tatsächlich sind schon beim Auspacken des Handys alle Rocker-Klischees am Start: Eine tätowierte Hand auf dem Karton, ein Gitarren-Plektrum auf dem Innendeckel und das Headbanger-Mantra „Long live Rock’n’Roll“ auf Papierhülle und sogar auf dem Wechsel-Akku. Das Smartphone, das Marshall auf der „IFA 2015“ offiziell vorstellte, ist äußerlich stark den bekannten Verstärkern nachempfunden. Ein gummierter Rand mit grobem Rauten-Profil macht das „London“ griffig und handlich – und das trotz vergleichsweise wuchtigen Ausmaßen von 149,4 x 74,7 x 9,8 Millimeter bei 145 Gramm Gewicht. Wer schon mal die schweren Marshall-Röhren-Amps getragen hat, kann darüber natürlich nur müde lächeln. Die typisch geriffelte Kunstleder-Rückseite mit dem eingearbeiteten geschwungenen und mittlerweile legendären Marshall-Schriftzug sowie dem weißen Rand ums Display machen den Eindruck perfekt: Das Marshall „London“ sieht aus wie sein Vorbild im Taschenformat mit Touch-Display und Telefonfunktion. Doch auch der Preis erinnert an den großen Bruder: 549,- Euro ruft Marshall für das „London“ auf – dafür bekommt man schon eine echte Röhre.

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Die großen Stärken des „London“-Smartphones – da macht der Hersteller keinen Hehl draus – sind seine Fähigkeiten in Sachen Musik, und zwar in allen Bereichen: Hören, Aufnehmen, Mixen. Die Basis liefert ein Cirrus Logic WM8281 Audio-Prozessor, in dem die Clari-Fi genannte Audio-Technologie von Harman integriert ist. Sie soll die Audioqualität komprimierter digitaler Musikdaten wie MP3 besonders gut analysieren, verbessern und wiedergeben können. Im Praxis-Test beeindruckte die Akustik tatsächlich: Die Probe-MP3s mit maximal 256 kbit/s klangen auf dem Marshall „London“ satt, differenziert und richtig laut. Da das Smartphone auf der Vorderseite mit zwei Lautsprechern bestückt ist, macht das Telefon selbst ohne angeschlossene Kopfhörer mächtig Druck. Zwar kann auch Marshall nicht zaubern – es bleiben nun mal kleine Lautsprecher –, aber mit billigen Bluetooth-Boxen oder vergleichbaren Handy-Speaker-Systemen, wie sie im HTC One M8 stecken, kann es das „London“ spielend aufnehmen. Einen noch besseren Job machen die mitgelieferten In-Ear-Kopfhörer – natürlich von Marshall. Wer nicht nur Musik hört, sondern auch selbst produziert oder mixt, freut sich über installierte DJ-Apps und einen Vierspur-Recorder. Die Audio-Technik in dem Gerät ermöglicht 44-kHz/16-Bit-Aufnahmen, die Latenz-Zeiten sollen nahe null sein. Aufgrund fehlenden Zubehörs zum Anschluss etwa von Gitarren steht der Beweis allerdings noch aus. Marshall verspricht aber, dass entsprechendes Zubehör bald kommt. Das dürfte dann ähnlich funktionieren wie die Apogee-Jam-Schnittstellen für iOS-Geräte (etwa iPhone, iPad).

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Auch die physischen Bedienelemente des Smartphones sind auf Musik ausgerichtet: Neben dem obligatorischen Ein-/Aus-Schalter hat das Marshall „London“ ein goldenes Rädchen zur Einstellung der Lautstärke und auf der Oberseite einen sogenannten Marshall-Button, mit dem das Gerät unverzüglich zum Musik-Player wechselt. So einen Musik-Knopf gab es zwar schon in der Prä-Smartphone-Ära, etwa bei Sony-Ericssons damaliger Walkman-Serie, aber zweckmäßig ist er für Musikfreaks immer noch. Das Volume-Rädchen ist einfach nur praktisch und schick und startet auf Druck – ganz und gar unmusikalisch – die bordeigene Foto-App. Ebenfalls bemerkenswert: Dank zweier Anschlussbuchsen können zwei Nutzer gleichzeitig mit dem Marshall „London“ Musik hören und sogar Sound und Lautstärke getrennt voneinander regeln. Der LCD-Bildschirm hat eine Diagonale von 4,7 Zoll (11,94 Zentimeter) bei einer Auflösung von 1280×720 Pixeln (HD). Das ist ordentlich, aber angesichts des inzwischen immer häufigeren Full-HD-Standards nicht außergewöhnlich, im Alltagsgebrauch aber meist mehr als ausreichend. Die Darstellung ist sehr scharf, die Farben sind satt, der Kontrast ist knackig. Wer nicht auf der Jagd nach Superlativen ist, wird mit der Display-Qualität zufrieden sein.

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Die meiste Rechenarbeit im Marshall „London“-Smartphone erledigt ein mit 1,2 Gigahertz getakteter Quad-Core-Prozessor Snapdragon 410 von Qualcomm. Der Arbeitsspeicher soll bei 2 Gigabyte (GB) liegen, das Analysetool Geekbench 3 bescheinigte aber nur 1,85 GB. Der interne Speicher umfasst 16 Gigabyte und ist per microSD um maximal 128 GB erweiterbar. Speichermäßig ist das noch in Ordnung, aber der Prozessor gehört nach heutigen Maßstäben allenfalls noch in die untere Mittelklasse. Im Vergleich etwa mit dem bereits betagten High-End-Gerät Galaxy S5 erreichte das Marshall „London“ mit Geekbench 3 gearde mal die halbe Punktzahl. Leistungs-Fetischisten rümpfen über das „London“ wohl eher die Nase. Immerhin ist Marshall ehrlich: In der Selbstbeschreibung des Handys notiert der Hersteller „Not for Nerds. But perfect for Players.“ Und klärt im nächsten Satz sofort auf, dass mit Spieler nicht etwa Gamer gemeint sind, sondern Musiker. Erstere werden mit dem Gerät keinen großen Spaß haben: Selbst bei „Angry Birds 2“ musste das Marshall schon ackern, wenn die Schweinchen-Pyramiden in grafische Schutt-, Asche- und Staubwolken zerfielen, um ein gerade noch flüssiges Spielerlebnis zu ermöglichen. Soll heißen: Simple Spiele sind mit dem „London“ möglich, aber das war es dann auch.

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Das London kommt mit Android 5.0.2 „Lollipop“ aus der Verpackung. Es gibt gute Zusatz-Apps für Musiker (Recorder, DJ-App, Equalizer mit Preset-Speicher), aber keine erkennbaren Modifikationen am Betriebssystem. Das bedeutet einen Verzicht auf etwaige pfiffige Optimierungen des Handlings, heißt aber auch, dass das Marshall „London“ bei einem kommenden Android-Update vermutlich ganz vorn dabei ist. Der Wechsel-Akku reiht sich mit 2.500 Milliamperestunden ins solide technische Mittelmaß der anderen Komponenten abseits der Musikverarbeitung ein. Die 8-Megapixel-Kamera auf der Rückseite und die 1,9-Megapixel-Frontkamera liefern gute Fotos und Selfies. Ein Blitz sorgt in der Dunkelheit für Erleuchtung. Einen Eindruck von der Fotoqualität vermitteln die Beispielbilder, die Sie als Links unter diesem Test finden. Die Fotos sind selbst bei etwas schlechteren Lichtverhältnissen vergleichsweise rauscharm und zeigen auch beim Hineinzoomen noch Details. Die Video-Auflösung der rückwärtigen Kamera lässt sich in den Kamera-Einstellungen bis auf SD-Niveau (420p) herunterschrauben. Das London beherrscht die Funk-Standards GSM, UMTS und LTE bis maximal 150 Mbit/s. WLAN ist in den Standards a/b/g/n an Bord. Die Bluetooth-Version 4.1 kommt standesgemäß mit aptX-Unterstützung für Musikstreaming in CD-Qualität.

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In Sachen Musik dürfte es den meisten Smartphones schwerfallen, dem Marshall „London“ den Whiskey zu reichen. Das fängt beim Soundchip an, geht über üppige Anschluss- und komfortable Zugriffsmöglichkeiten und setzt sich bei der Standard-Software-Ausstattung fort: Das Marshall „London“ ist maßgeschneidert für Musiker und Musikliebhaber und lieferte im Praxis-Test eine überzeugende Leistung in Sachen Sound. Auf allen anderen Ebenen – Prozessor, Speicher, Kamera & Co. – ist das Smartphone aber nur besseres Mittelmaß. Preislich will das London aber mit 549,- Euro in der Oberklasse mitspielen. Smartphone-Fans lockt dieses Telefon trotz überragender Sound-Qualitäten daher wohl kaum hinterm Sofa hervor. Es ist aber auch fraglich, ob der geneigte Rocker wirklich seine (meist mickrige) Gage für ein Handy raushaut. Vielleicht telefoniert er einfach mit dem alten Nokia-Knochen weiter und glüht dabei schon mal die Röhre vor. Also die von Marshall Amps…