PAT McMANUS – Interview mit der irischen Gitarrenlegende!

Pat McManus ist nicht nur ein begnadeter Gitarrist, Sänger und Songwriter, er ist auch einer der nettesten Zeitgenossen, den ich je getroffen habe! Vor seinem umjubelten Gig in Innsbruck stand er uns Rede und Antwort. Hier das Interview:

X-ACT Music Magazine: Es ist schon sehr lange her, seit du mit Mama’s Boys Europa auf und ab tourtest und in allen Musikmagazinen präsent warst… Was hat sich bei dir in all der Zeit getan?

Pat McManus: Nach dem Tod meines Bruders Tommy entschieden wir, dass wir erstmal stoppen, das Feeling der Mama’s Boys ging mit seinem Tod verloren… Wir mussten auch erstmal mit der Situation zurecht kommen… Später formierten mein Bruder John und ich eine Band namens Celtus. Das war aber ganz eine andere Musikrichtung als noch mit den Mama’s Boys, das war eher Folk-Rock. Wir unterzeichneten einen Deal mit Sony Records und machten drei Alben für sie, wir tourten auch viel herum, spielten auf grossen Festivals usw. und dann kam der Zeitpunkt wo mir das Musik-Business einfach keinen Spass mehr machte, also nicht die Musik selbst, sondern das Business, – und ich beschloss, nach Irland, also nachhause zu gehen, weil wir den größten Teil unserer Karriere immer in London lebten. Also ich ging nachhause, ohne einen Plan, wieder spielen zu wollen. Aber ich schrieb immer Songs, weil ich das immer gemacht habe und weil ich das auch wirklich gerne mache. Nicht weil ich musste, sondern weil ich es gerne mache, es ist mein Hobby… Und als ich genug Songs zusammen hatte, spielte ich sie live und dann kamen Leute und meinten, ich solle doch diese Songs aufnehmen und veröffentlichen. Dann sprach ich mit einem Freund, der in der Nähe von Belfast ein Studio betreibt und für den ich mehrere Recording Sessions machte, und der meinte, ich könne ja aufnehmen, wenn das Studio nicht gebucht ist. Also begannen wir, mein Material aufzunehmen und das war dann der eigentliche Startschuss für die Pat McManus Band! Und bevor ich es überhaupt realisierte, war ich wieder in diesem Prozess aus Songs schreiben, aufnehmen, auf Tour gehen, live spielen, neue Songs schreiben usw. drinnen, aber es war diesmal ganz anders, back to the roots, weniger Stress und viel mehr Spass. Und jetzt ist die Pat McManus Band auch schon wieder 10 Jahre zusammen! Gemeinsam produzieren wir einen sehr bluesigen, aber auch sehr rockigen Sound… back to the roots, as it was in the very very beginning!

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v.l.n.r.: Paul Faloon (Drums), Tom Proll (X-ACT), Pat McManus (Vocals, Guitar, Violin) und Marty McDermott (Bass, Vocals)

X-ACT: Ich habe einmal gelesen, dass, nachdem Gary Moore und Rory Gallagher gestorben sind, du der letzte irische Guitar Hero bist…

Pat McManus: Ja, das habe ich auch schon oft gehört, ich bin also der letzte… …das heisst aber auch, dass ich der nächste bin…  ha ha ha… Es fühlt sich an, als würde ich auf der Spitze des Baumes sitzen, nur – das ist mir mittlerweile egal. Wenn man jung ist, möchte man gerne an die Spitze, aber je älter man wird, desto mehr zählen andere Dinge im Leben! Aber es ist schon schade, dass alle meine Heroes gestorben sind, weil Heroes sterben normalerweise nie… sie leben ewig und dann ist es ein Schock, wenn sie dann doch nicht mehr da sind…

X-ACT: Da gibt es eine Sache: egal mit wem ich spreche, ob Nachwuchsmusiker oder Superstar, – es sind sich alle einig, dein legendäres Riff von „Needle In The Groove“ ist eines der besten Riffs überhaupt und ein amerikanisches Musikmagazin reihte es sogar unter die „100 unsterblichen Riffs ever“ ein!

Pat McManus: Ha ha ha… nun, es gibt eine lustige Geschichte über die Entstehung dieses Songs. Wir waren in einem Studio und hatten gerade eine Session beendet. Ich probierte an dem Riff herum, als der Manager hereinkam und mich spielen hörte. Er fragte mich, welcher Song das sei und ich sagte ihm, dass ich einfach mal so herumprobiere… Er sagte, ich solle sofort nach Hause gehen und daraus einen Song schreiben, denn das Riff sei genial! Schon auf der Heimfahrt hatte ich die Ideen für den Song und die Lyrics und dann machte ich eben den Text und das Konzept für den Song noch in der Nacht fertig. Wir fuhren wieder ins Studio, nahmen den Song auf und der Rest ist Geschichte…

Es ist nicht so schwierig einen vertrackten Song mit vielen Teilen usw. zu schreiben, aber es ist viel, viel schwieriger, einen einfachen Song mit einem unvergleichlichen Riff zu schreiben. Und oftmals führt auch der Zufall Regie…

X-ACT: Ich traf in Köln mal Phil Lynott von Thin Lizzy und fragte ihn, ob es nicht unglaublich Spass macht, mit tollen Leuten auf der Bühne zu stehen und tolle Songs zu spielen… Seine Antwort war: „…da musst du die Mama’s Boys fragen!“

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v.l.n.r.: Marty McDermott, Pat McManus, Sylvia Tschopp-Beccarelli, Tom Proll und Paul Faloon.

Pat McManus: Ha ha ha… wir kannten uns gut und ohne Phil’s Hilfe hätten Mama’s Boys wahrscheinlich so nicht stattgefunden… Wir spielten in Irland auf einem Festival, wo auch Jackson Browne und Phil Lynott mit seiner Solo-Band auftraten. Wir waren der erste Act und Phil kam gerade auf das Festivalgelände und hörte uns spielen, er ging auf eine Seite der Bühne und fragte: „…wer ist das?“ Und unser Manager antwortete ihm: „That’s the Mama’s Boys!“ Tja und dann spielten wir eben auf Phil’s Wunsch als support act auf der Thin Lizzy Farewell Tour und das machte uns doch sehr bekannt! Und jede Nacht gingen wir nach der Show ins Publikum und hörten uns Thin Lizzy an, sie waren ja unsere Heroes… also jede Nacht ein Gratis-Konzert! Wow! Über zwei Monate spielten wir mit ihnen und das war fantastisch! Es war auch ein toller Lernprozess für uns und Phil war richtig nett! Er kam sogar manchmal in unsere Garderobe und sagte uns, was wir richtig gemacht haben und was falsch war… Wir haben richtig viel gelernt… Und ja, wir hatten jede  Menge Spass!

X-ACT: Sämtliche Alben der Mama’s Boys sind auf Vinyl nur mehr als Raritäten zu vollkommen überzogenen Preisen erhältlich. Warum ist das so?

Pat McManus: Ich weiss, da ist nichts mehr erhältlich und das ist schade. Die Rechte sind immer wieder an verschiedene Leute verkauft worden und um ehrlich zu sein, das ist ein richtiger Saustall…, niemand kennt sich mehr aus… Irgendwie war es auch mein Fehler, ich wurde vor einem Gig zu einer Unterschrift genötig… Man sagte mir damals, das sei eine Formsache, das sein eine kleiner Vertrag über irgendwelche Vertriebsrechte, aber es stellte sich heraus, dass ich die kompletten Rechte verkauft hatte… Wir waren jung, wir waren Musiker und wir wollten in erster Linie auf die Bühne… dann kam unser Manager und hielt mir diesen Vertrag unter die Nase und sagte: „Hier… unterschreib hier… wir besprechen das später…“ Und erst viel später realisierte ich, dass ich meine Unterschrift gab und alles in den Händen anderer Leute landete… ich bekomme die Rechte nicht mehr zurück und der Typ, der sie hat, veröffentlicht nichts mehr… es ist eine beschissene Situation… aber da gibt es eine Menge Bands da draussen, denen es ebenso ergangen ist… also die übliche Geschichte, wie eine Band über den Tisch gezogen wurde…

X-ACT: Was sind deine Pläne für  die Zukunft?

Pat McManus: Musik ist für mich in erster Linie eine Live-Angelegenheit, wir spielen für die Leute, das ist unser Leben… herumfahren und spielen! Aber es gibt keine grossen Pläne für neue Alben oder so, wir leben in erster Linie für und von den Gigs! Wir lieben das touren und wir lieben es, in verschiedene Länder zu reisen, tolle Leute zu treffen und vor tollem Publikum zu spielen… ja und man trifft immer wieder gute, alte Freunde und das macht halt Spass! Wir machen das alles nicht mehr, weil wir reich und berühmt werden wollen. Wenn es uns nur darum gehen würde, hätten wir schon lange damit aufgehört. Aber wie du siehst, es macht uns Spass, wir sind noch da und werden hoffentlich noch lange auf den Bühnen dieser Welt stehen und unsere Musik spielen!

Und dann gingen sie auf die Bühne und spielten einen wunderbaren Gig mit allen Nummern, die für Gänsehaut sorgen, oder das Herz höher schlagen lassen. Das Live-Review findet ihr HIER! Und bei den Konzerten haben sie immer jede Menge lässige Merchandising-Artikel dabei, darunter natürlich auch das brandneue Live-Album „Live Along The Highways“, eine CD-Review findet ihr HIER! Und wenn die Band mal in eurer Nähe spielt, dann solltet ihr hingehen und euch das anhören! Die Band ist live sowas von gut! Unglaublich!!!

Interview by TOM PROLL

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