H.E.A.T., Degreed & Black Diamonds – Kufstein 3.11.’17 (Live Review)

Lindner Music und Ear Records luden zum Konzert nach Kufstein. „H.E.A.T. – eine schwedische Hardrockband“ versprach das Plakat. Und da der Uli nun einmal neugierig ist, und vor kurzem das Album eben dieser Band rezensiert hat, startete er den Karparten-Mercedes und eilte über die Berge an die Stadt am Inn.

Die Kulturfabrik in Kufstein ist ein kleiner Veranstaltungs-Saal mit einem Fassungsraum von ca. 500 Personen, mit netter Bar und ordentlicher Technik. Verspricht doch ein netter Abend zu werden…
Also dann mal rein ins Getümmel und die Bands des Abends kritisiert:

BLACK DIAMONDS

Gleich zu Beginn gab es Perlen. Perlen in der Form von schwarzen Diamanten.
Die Schweizer Glam Rock-Partie Black Diamonds spielte auf. Nein, die Jungs zelebrierten ein Konzert, um es konkreter auszudrücken.

Das T-Shirt „Dress like shit“ vom Bassisten Andi drückte die Kleiderordnung für die Band klar aus. Glam as Glam can: Leoparden-Mantel, Leggins, Haarspray und Schminke sollen schon dabei sein. Der Lockruf des geilen 80ies Sound drang schnell in die Bar der Kulturfabrik, und der Saal füllte sich in Windeseile.

Und die Schweizer „Glämli Röckerli’s“ spielten, was das Zeug hielt. Spielten mit ihren Instrumenten, mit dem Publikum und mit den Outfits.

Ich kann nur sagen, wer auf abgefahrenen, perfekt gespielten und inszenierten Rock im Stil der 80er steht, wer auf der Bühne „Party hard“ sehen will und grölen und tanzen kann (so wie ich) – der MUSS sich die Black Diamonds live geben. Punkteabzüge kann ich nur für das zu kurze Set geben, das aber dem straffen Programm des Abends zuzuordnen ist.

Fazit: 9,5 auf der zehnteiligen Punkteskala in der Kategorie Glam Rock.

 

DEGREED

Ok, ganz ehrlich. Nach dem Auftritt der Schweizer hatten es Degreed nicht leicht. Und irgendwie hat für meine Ohren der Tontechniker ein wenig zu viel herumgeschraubt. Der Sound bei Degreed war irgendwie… stumpf.
Degreed spielte ein sauberes Programm, war aber im Gegensatz zu den anderen, quirlig, spritzigen Bands des Abends sehr ruhig und statisch.

Ich darf ja Meinung sagen. Degreed waren nicht der Bringer. Deshalb nur 4 Punkte auf meiner Skala.

H.E.A.T.

Mit vielen Erwartungen begrüsste das Publikum nun den Headliner des Abends: H.E.A.T. – Schwedens kommende Rock-Superstars. Vom Veranstalter auf dem Plakat mit grosser Empathie als „Hardrockband aus Schweden“ angekündigt, hat H.E.A.T aber schon einiges an Vorschusslorbeeren angehäuft. Und ob „Hardrock“ das richtige Genre ist, lasse ich mal dahingestellt.

Wer mit Toto, Thin Lizzy oder Alice Cooper auf Tour war, ist schon mehr als irgendeine Hardrockband aus Schweden. Viel mehr. Chartplatzierungen in den Top 5 oder der Gewinn des Titels „Swedish Idol“ (das Pedant zu „Deutschland sucht den Superstar“) in Schweden für den Sänger Erik Grönwall sprechen Bände.

Apropos Erik Grönwall. Der charismatische Frontmann der Band ist eine Granate. Obwohl er zu Anfang des Konzerts noch leicht lethargisch wirkte, und mit Hustensaft hochgeputscht werden musste („I’m a little bit sick…“), steigerte er sich bis zum Ende des Gigs beinahe ins Unermessliche.

Er kletterte auf der kleinen Bühne herum, rannte durchs Publikum, tanzte auf Stehtischen und flirtete mit den zahlreich anwesenden weiblichen Fans. Dieser Mann ist ein Hurricane.

Die Band selbst enttäuschte keinen der anwesenden Fans. Sie spielte ein Programm mit allen Hits, und wirkte sauber, professionell und kompakt. Obwohl immer Bewegung auf der Bühne war, wirkten die Jungs aber wie angenagelt.

Ich darf diese Band als durchaus sehens- und hörenswert empfehlen, würde mich aber freuen, wenn Erik auch die anderen Bandmitglieder mehr in seine Show integriert. Sie machen gute, sehr gute Musik, nicht nur technisch, stehen aber leider ein wenig im Hintergrund. Deshalb von mir 8 von 10 Punkten für diesen Auftritt.

Mein Fazit? Der Abend hat sich gelohnt. 2 x Perlen und eine leichte Enttäuschung. Aber irgendwann muss man ja an der Bar mal ein Bier trinken. Und dem Geburtstagsständchen von H.E.A.T. für Martin Bichler vom Veranstalter Lindner Music schliesst sich das X-ACT Team gerne an. Nachträglich alles Gute Tino!

Live Review by ULI STOLLWITZER