ENGEL MAYR – „Sacred Cow“ – Für Gitarrenfreaks (CD-Review)

Eines muss ich gleich am Anfang klarstellen: Ich kann nicht Gitarre spielen. Ich spiele leidlich Schlagzeug, kenne mich mit Licht- und Tontechnik ganz gut aus, und kann unglaublich gut Boxen und Flight Cases schleppen. Vielleicht bin ich nicht der Richtige, um über das Album eines Gitarristen zu schreiben. Aber wahrscheinlich ist’s so wie in der Politik. Da äussern sich auch meist die inkompetentesten Stimmen zu komplexen Themen. Das renommierte deutsche Fachmagazin “Gitarre & Bass” bezeichnete Engel Mayr’s Musik als “Hendrix inspirierten Heavy Funk”, und ich?

Na dann lest mal.

„Sacred Cow“ ist was für Gitarrenfanatiker. Das Grundgerüst jeder Nummer klingt wie aus einem Lehrbuch für Blues & Rock. Und die Gitarrenparts und Soli sind genial. Ich mag Gitarrensoli. Auf der Bühne. Zu sehen und zu hören, wie jemand sein Instrument perfekt beherrscht, macht mich ganz hibbelig. Soviel zum Thema Gitarre und Instrumente. Jetzt zum Gesang. Ich sag mal ganz frech, ich würde einen verrauchten Melodiebau über eineinhalb Oktaven jetzt nicht unbedingt als Gesang bezeichnen. Und nachdem ich auch schon in einem klassischen Chor gesungen habe, weiß ich ungefähr wovon ich spreche.

Und jetzt zum Album selbst. Leute – ich hab mich echt bemüht, und sogar noch im CD-Inlay die Texte gelesen, das Album zweimal von vorne bis hinten durchgehört – aber leider muss ich sagen, es hat mich nicht „abgeholt“. Ich bin einfach der normale Musikkonsument, der sich von einem Album spannende Musik erwartet, – Nummern, die man seinen Freunden vorspielt, oder Texte, die einen fesseln…

Das alles vermisse ich auf „Sacred Cow“. Und weil ich die heilige Kuh nicht schlachten will, gebe ich mal 4 von 10 Amateurpunkten. Für ein technisch feinstens eingespieltes Album, mit spitzenmässigen Musikern, und tollen Gitarrensolis.

Ich weiß, dass ich jetzt wahrscheinlich von der Gitarrenfraktion gesteinigt werde, und die sicher 8, 9 oder gar 10 Punkte vergeben hätten.

Ich sage aber mal „Schuster bleib bei deinen Leisten“ – Engel Mayr ist ein genialer Gitarrist. Wahrscheinlich einer der Besten in der Alpenrepublik. Und als Gitarrist bei Russkaja, Doretta Carter, Hallucination Company oder Percival Duke macht er einen tollen Job. Mit seinem Soloalbum „Sacred Cow“ konnte er mich nicht überzeugen.

CD-Review by ULI STOLLWITZER

Uli
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Für X-ACT Music Magazine: Webmaster, Programming, Redaktion, CD-Reviews, Live-Reviews, Interviews. Sonst noch: ehemaliger Festival- und Konzertveranstalter, Lichttechniker und Feuerwerker.