BOB DYLAN – Live in Salzburg: Der Zimmermann und die Schülerband (Live-Review)

Bob Dylan spielt in Salzburg. Da der Meister keine Presse braucht und keine Fotografen mag, gibt’s nur eines – Tickets kaufen. 99,99 Euro für einen mit dem Literatur-Nobelpreis und dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Poeten, für einen der bekanntesten und genialsten Komponisten der Neuzeit, für einen der seit über 50 Jahren Hallen ausverkauft, sind doch kein Geld, oder?

Denkste. Das Beste zuerst. Das Bühnenlicht war gut und stimmungsvoll, und der Sound in der Salzburg Arena ausgenommen gut. Das war’s.

Zum Konzert selbst. Ich habe selten so etwas schlechtes, stimmungsloses und unpersönliches gesehen, wie dieses Konzert. Nein, ganz ehrlich. Eigentlich noch nie.

Dylan selbst ist ja als introvertierter Eigenbrötler bekannt. Aber das, was er da bot, war einfach nur unhöflich und den tausenden, ihm wohlgesonnenen Gästen gegenüber, einfach eine Frechheit. Es gab einfach keinen Kontakt mit dem Publikum – gar keinen. Weder grüsste der Meister, noch verabschiedete er sich, er stellte seine Musiker nicht vor, und bedankte sich nicht für den Applaus. Er sagte gar nichts zum Publikum – Kein Wort.

Bei der Band war ich mir zeitweise nicht sicher, ob es die Schülerband einer Musikschule für Untalentierte war, oder ob Bob Dylan einfach irgendwelche Leute auf der Strasse gefragt hat, ob sie mal versuchen wollten ein Instrument zu spielen. Hin und wieder einen Fehler kann man bei Live Gigs verzeihen. Aber eigentlich nur neben der Spur zu sein, wie der Schlagzeuger, der den ganzen Abend irgendwie nach Rhythmus suchte oder die anderen Musiker, die wirklich Fehler am laufenden Band produzierten, das ist nichts. Irgendwie schien es, als hätte die Band noch nie gemeinsam geprobt.

Nach 1 Stunde und 20 Minuten war der Spuk vorbei. Bob Dylan und seine Band verliessen die Bühne, wie sie gekommen waren. Ohne ein Wort des Grusses, oder ein Danke. Dylan hatte keinen einzigen Hit aus seinem grossen Repertoire gespielt, und viele, sehr viele Menschen waren sehr enttäuscht. Das Licht ging an, und ich fuhr wieder heim.

Mein Fazit:
Das schlechteste Konzert, das ich je gesehen habe. Langweilig, mit schlechten Musikern und ohne irgend eine Gefühlsregung seitens Bob Dylan. Ein unschlagbarer Rekord: Ich gebe 1 von 10 Punkten für stimmungsvolles Bühnenlicht und guten Sound.

Live-Review by ULI STOLLWITZER

Uli
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Für X-ACT Music Magazine: Webmaster, Programming, Redaktion, CD-Reviews, Live-Reviews, Interviews. Sonst noch: ehemaliger Festival- und Konzertveranstalter, Lichttechniker und Feuerwerker.