SPEED LIMIT – „Anywhere We Dare“ (CD-Review): Salzburgs Parade-Rocker und ihr aktuelles Meisterwerk!

Über die Salzburger Metal-Band Speed Limit könnte ich ein Buch schreiben, so vielschichtig und interessant ist ihre Karriere. Hier aber nur mal schnell die Eckdaten, denn hier soll es ja um das neueste Album „Anywhere We Dare“ gehen… Man schrieb das Orwell-Jahr (1984), als die Band um das Szene-Original Joe Eder (Guitar) gegründet wurde. Zwischen 1986 und 1992 veröffentlichten sie 3 Alben mit viel Erfolg und noch mehr Aufsehen, weil sie nämlich dem österreichischen Ignoranten-Sender Ö3 „Sendeverbot“ erteilten! Coole Idee! Dann wurde es ruhig um die Band, einige Mitglieder firmierten zwischendurch in der sensationellen Band Herzblut und anno 2008 kam es schliesslich zur Speed Limit-Reunion! Im Jahre 2010 veröffentlichten sie das saugeile Album „Moneyshot“ und nun schicken sie „Anywhere We Dare“ ins Rennen!

Der erste Track ist auch gleichzeitig der Tieltrack – “Anywhere We Dare“ – und der fegt gleich mal ordentlich ums Eck! Man hört sofort, dass hier echte Könner am Werk sind und ihr metallischer Rock kommt saftig, fett und melodiös daher, dass es eine wahre Freude ist! Super-Sound und geile Gitarren-Arbeit. Das Arrangement ist abwechslungsreich und Manuel Brettl singt sich souverän und stimmgewaltig durch eigentlich alle Tracks! „Sober Truth“ ist dann ein mächtiger Riff-Rocker, der Chorus greift fest an und an dieser Stelle muss erwähnt werden, dass die Rhythm Section Chris Pawlak (Bass) und Hannes Vordermayer (Drums) saubere Arbeit leisten und immer ein zementiertes Fundament liefern, über das sich die beiden Gitarristen Joe Eder und Chris Angerer nach Belieben austoben dürfen und sich des öfteren ein Gitarren-Duell liefern wie z.B. grad auch in diesem Song! „Sweet Morphine“ geht dann stampfend ins Rennen, nimmt halbwegs flotte Fahrt auf und mutiert zum speedigen Metal-Song, der aber einmal mehr mit einem klugen Arrangement und lässigen Chören aufwarten kann! Ein Song wie aus dem Lehrbuch für NWOBHM oder Melodic Metal. Diesen Song würde ich am ehesten mit den Tygers Of Pan Tang vergleichen, wenn das unbedingt sein muss… Mit „No More Ace To Play“ liefern sie dann einen Song ab, der mit Whitesnake-ähnlichem Balladen-Feeling beginnt und dann abfetzt wie Blue Murder zu deren besten Zeiten! Diese Rotzpippm‘ aus der Mozartstadt haben alle Facetten zwischen hartem Riff-Rock und melodiösem Metal scheinbar schon mit der Muttermilch aufgesogen und spielen frech mit allen möglichen Stilen und stellen so Stil-Puristen hinterfotzig ein Bein. Recht so! Nun, – „No More Ace To Play“ ist mit 8 Minuten der absolut längste Track des Albums und man kann sich vorstellen, dass es hier abgeht, dass die Fetzen fliegen. Fette Riffs und rotzig freche Gitarren-Parts und dann ein Twin-Lead-Guitar-Solo… herrlich! „Step Out Of The Line“ haut dir gleich ein gnadenloses Riff um die Ohren, Harmony Vocals bilden den interessanten Gegen-Pol. Keine Frage, einer der brachialeren Songs des Albums, aber dennoch immer mit jeder Menge Feeling und vor allem einem Refrain zum Niederknien! Joe Eder liefert hierauf das knackige Solo und zeigt, dass er zurecht zu den besten Gitarristen hierzulande zu zählen ist! Und dann kommt mit „Sign Of The Times“ eine herzergreifende Hard Rock-Ballade, die vom Sound her an Poison oder Ratt erinnert. Joe Eder liefert hier die wunderschönen Fills und steuerte auch das geniale Solo bei! Was für ein toller Song! Den hätten die Scorpions wohl auch gerne geschrieben, ham se aber nich‘! Gratuliere!

Und dann wird es Beatle-esk, wenn „Good Year For Bad Habits“ startet, doch der Schein trügt, denn der Song nimmt eine Wende hin zu einem speedigen Metal-Song mit gnadenlosem Riffing und treibenden Drums, knurrenden Bässen und bissigen Gitarren. Und wie Yin und Yang ist wiedermal der Sänger der Gegenpol, der hier melodiös und dennoch kräftig singt! Die Solo-Arbeiten teilen sich einmal mehr Chris und Joe, wie auch beim nächsten Song „Retired Hero“. Aber bevor der nächste Song beginnt überrascht „Good Year For The Bad Habits“ noch mit einer bluesigen Double-Leadguitar-Melodie im schaumgebremsten Tempo, ehe sie sich ins Finale fighten! „Retired Hero ist wiederum ein Song, der an Iron Maiden erinnert, was abermals als Kompliment gemeint ist! Diese Salzburger Schlingel sind mit allen Rock-Wassern gewaschen und zaubern hier ein Musterstück melodiösen Metals. Einfach so! Mit „Bridges“ geht’s wieder etwas gemütlicher zur Sache, so a la Thin Lizzy oder Pretty Maids… Dieses laid back Feeling passt Speed Limit aber auch ganz gut, sie sind halt „alte Hasen“ im Rock Biz und wissen, was geil klingt und den Leuten taugt. Respekt, bis hierhin tadelloses Songwriting und saubere Umsetzung! Das beweisen sie auch mit „Dealing With Danger“, wo es Rock’n’Roll-ig zur Sache geht. Uriah Heep lassen grüssen! Und der geniale Refrain könnte auch glatt von Sweet sein! Eine Überraschung nach der anderen! Dieser Titel ist mit Sicherheit der partytauglichste und eignet sich sicher auch hervorragend bei Live-Konzerten für die Momente, wo eine Band das Publikum zum Mitsingen auffordert. Aber das Beste kommt zum Schluss, wie man so schön sagt, und so kommt mit „Affinity Of Souls“ eine Rock-Ballade daher, die mit all den wunderbaren Rockballaden der ach so weltberühmten Acts locker mithalten kann! Ich schliesse meine Augen und sehe ein Meer von Feuerzeugen… äh… heutzutags halten die Leute ja Handys in die Luft… naja, jedenfalls haben sie eine Megafreud‘ und Speed Limit treten damit endgültig den Beweis an, dass sie zu den vielseitigsten Rock-/Metal-Bands Europas zählen. Unbeschwert lässige Pfeifmelodie am Schluss nach dem letzten Akkord der Akustikgitarre und ich bin baff!

Gratuliere! Feines Album, wirklich lässige Songs mit allerhand Stilistika, also Abwechslungsreichtum pur, geiler druckvoller Sound und alles sauber und astrein eingespielt. Eder liefert die erdigen Rock’n’Roll-Solos und Angerer soliert wie immer virtous! Super-Mix, kein glattpolierter komprimierter Allerwelts-Sound, sondern straighter Rocksound, wie es sein muss, mit Ecken und Kanten, Power und Feeling! Dazu ansprechendes Cover-Artwork und tolles Booklet! So macht Rock/Metal Spass und ich bin megastolz, dass die Jungs aus Österreich kommen! Also, worauf wartet ihr? Kaufen, kaufen, kaufen!

Rating: 9 von 10 Punkten!

CD-Review by  TOM PROLL

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Tom
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X-ACT Music Magazine - Gründer, Erfinder, Herausgeber, Medieninhaber, Chefredakteur, Design, Logo-Creator. Sonst noch: Gitarrist, Composer, Arranger, Producer, Bandleader.