BON JOVI – „Burning Bridges“ (CD-Review)

Da ist es nun also, das 13. Studioalbum von BON JOVI, das erste Album seit dem Raus-Mobbing von Gitarrist Richie Sambora. Und eigentlich ist – zumindest für mich – ein Bon Jovi-Album ohne Richie Sambora kein richtiges Bon Jovi-Album mehr… Im Vorfeld wurde ja über dieses Album viel gemunkelt, es seien Outtakes, also Überbleibsel, die es nicht auf die jeweiligen Alben schafften, darum läuft diese Veröffentlichung auch unter dem Begriff eines Projektes „Für die Fans“, was das auch immer heissen soll, jedenfalls soll es wohl nur als Brückenschlag zum nächsten regulären, angeblich bereits 2016 erscheinenden Album fungieren, andererseits hört man auch schon Stimmen, die da meinen, das sei das letzte Bon Jovi-Album, da der Chef in die Politik wechseln will. Wie eine jüngere Ausgabe von Bill Clinton sieht er ja eh schon aus…

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Für die Band an sich ist das Rausekeln von Richie Sambora sicher kein Gewinn, war doch Sambora auch maßgeblich am Songwriting und mehr als maßgeblich am Band-Sound beteiligt und von Anfang an mit dabei, – so etwas ist immer schade, tut weh und ist eigentlich schon irgendwie unverzeihlich! Die Nachfolge von Sambora hat nun Philip Eric Xenidis (kurz: Phil X) angetreten, der ein aussergewöhnlich guter Gitarrist ist, live alles eine Zacke härter als Sambora spielt, aber für dieses Album keinen Ton beisteuern durfte… Die Gründungsmitglieder Tico Torres (Drums) und David Bryan (eigentlich David Rashbaum, Keyboards), Langzeit-Gastmusiker mit Null-Chance auf fixe Mitgliedschaft Hugh McDonald (Bass) und Co-Produzent, Kompositionspartner, Teilzeit-Keyboarder und Gitarrist John Shanks – der ALLE Gitarren einspielte! –  runden das Line Up neben Chef Jon Bon Jovi (Vocals) ab.

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„Zehn-kleine-Negerlein-a-la-Bon-Jovi“: …da waren sie nur mehr drei… 🙁

Dem Vernehmen nach handelt es sich bei den Songs auf vorliegendem Album um ältere Songs, einige sogar aus der „Slippery When Wet“-Ära, die es damals eben nicht auf die Alben geschafft haben, was ja an sich nicht unbedingt als ein Qualitätsbeweis für ein neues Album herhalten kann. Darüberhinaus sollte man vielleicht noch die nicht so gerne publizierten Hintergründe des Albums kennen. „Burning Bridges“, das wie gesagt, fast ausschließlich Outtakes enthält, ist erschienen (bzw. hat „erscheinen müssen“), weil sich Jon und seine Plattenfirma Mercury Records nach 32-jähriger Kooperation voneinander getrennt haben, er aber noch vertragliche Verpflichtungen hatte. Aus diesem Grund gibt es auch kein Booklet mit Songtexten und Bildern, es ist quasi das trotzköpfige Ende einer Ära. Das eigentliche neue Bon Jovi-Album, das laut Jon fantastisch wird oder auch schon grösstenteils ist und auf das er sehr stolz sei, kommt angeblich im Frühjahr 2016 raus. Er sagte in einem Interview, dass er „Burning Bridges“ zwar mag, aber es sind halt Songs, die es damals nicht auf ein Album geschafft haben, eine Art „Restlverwertung aus Vertragsgründen“, „Saturday Night Gave Me Sunday Morning“ – übrigens der einzige Song, an dem Sambora beteiligt ist, nämlich als Mitkomponist – ist zum Beispiel schon 8 bis 10 Jahre alt. Deswegen wird „Burning Bridges“ auch als „Album für die Fans“ verkauft. Wer zudem genauer wissen will, was Jon von seiner ehemaligen Plattenfirma Mercury Records hält, der muss sich nur den Titeltrack anhören, der die Geschichte erzählt. Hier geht der Stinkefinger eindeutig und unmissverständlich Richtung Mercury Records… Dass der Song ein Abschieds-Song für Sambora ist, wie die Plattenfirma behauptet, ist also reine Erfindung, wo der Wunsch der Vater des Gedankens war…

„Burning Bridges“ wird eröffnet mit dem eher ruhigen „A Teardrop To The Sea“, ein eher melancholischer Song, – nicht schlecht zwar, aber auch nicht so, dass es einen aus den Socken haut! „We Don’t Run“ beginnt mit Chorgesang und Drums und entwickelt sich zu einem Uptempo-Song mit wirklich tollem und Bon Jovi-typischem Mitsing-Chorus. Der dritte Song, „Saturday Night Gave Me Sunday Morning“ stammt noch zur Hälfte aus Sambora’s Feder und beginnt gleich mal mit Jon’s nasalem Gesang und einer zurückhaltenden Gitarren-Hookline. Doch schon bald entpuppt sich auch dieser Song als typischer Bon Jovi-Song mit typischem Bon Jovi-Refrain im  typischen Bon-Jovi-Sound. Auch mit diesem Song kann er punkten. „We All Fall Down“ ist ein ruhiger, balladesker Song, der streckenweise auch zu gefallen weiss, aber leider auch aufzeigt, dass Jon seine Königs-Disziplin, nämlich die stadiontaugliche, massenkompatible, radiotaugliche Rockballade, auch schon mal wesentlich besser beherrscht hat. „Blind Love“ schaltet noch einen Gang runter, es wird also noch ruhiger. Leider wird nicht nur das Tempo heruntergeschaltet, sondern auch die Qualität und somit kredenzt Bon Jovi den ersten veritablen Durchfaller… „Who Would You Die For“ eröffnet mit lässigen Keyboards, bevor Jon mit gediegenem, ruhigem Gesang einsetzt. Ein guter, relaxter Refrain weiss zu gefallen, bevor dann mit einem mächtigen Drum-Break das erste coole Gitarren-Solo von John Shanks zu überzeugen weiss. Dieser Song geht auch wieder in die Punkteränge und kann mit seiner doch eher melancholischen Gänsehaut-Atmosphäre überzeugen. Ein Banjo eröffnet „Fingerprints“, abermals ein sehr ruhiger Song, womit wir schön langsam ein Übergewicht der sanfteren (seichteren?) Töne zu verzeichnen haben. Und mit diesem Song hat Bon Jovi einmal mehr zementiert, dass er die besten Hausfrauenballaden a la „Bügeln-mit-Lockenwicklern-Soundtrack“ zaubern kann. Kein unsympathischer Song, – aber auch nix, was einem komplett vom Hocker reisst. Endlich gehts dann wieder eine satte Zacke flotter zur Sache: „Life Is Beautiful“ (was für eine Erkenntnis!), ein typischer Bon Jovi-Midtempo-Song, der eigentlich sehr nett aus den Boxen kommt, amtlich groovt und sich zum Autofahren super eignet, – mehr aber auch nicht. Dann schaltet er noch einen halben Gang höher: „I’m Your Man“ geht noch ein bisserl flotter zur Sache. Der mittelmässige Song beginnt mit Chorgesang, der Refrain wird mit „Ohh ohh ohh“ abgedroschen garniert und letztendes geht der Song als ein ganz netter Song, nicht jedoch als der große Kracher zu Buche. Der Titel-Song „Burning Bridges“ tröpfelt im Country-Sound-Kleid vor sich hin und das kennt man ja schon aus jüngster Vergangenheit von Jon zur Genüge, das ist aber auch Geschmackssache und läuft unter „tausend Mal gehört“… Irgendwie aberwitzig eigentlich, denn „Burning Bridges“ ist ja irgendwie ein Gute-Laune-Schunkelsong zum Mitsingen und hat dennoch diese verbale Abrechnung mit der Ex-Plattenfirma… Hm… Die Standard-Version endet hier und die japanische Version bzw. die nur in den USA erhältliche „Limited Wal Mart Edition“ bieten noch einen Song extra: ebendort folgt noch der Track „Take Back The Night“, einer der mit Abstand besseren Songs, wo man sich fragt, warum der auf der Standard-Version fehlt. Der Midtempoknaller kommt kompakt aus dem Geböxe, gefällt mit seinem coolen „U2-Vibe“, hat ein sehr lässiges Gitarren-Solo, erinnert zwar frappant an „Save The World“ der Swedish House Mafia, ist aber jetzt nicht unbedingt ein plumpes Plagiat, und gefällt einfach. Aus basta. Und weil auch unsere Leser den „raren“ Song zu hören bekommen sollen, haben wir ihn hier für euch reingestellt:

Rating: 6 von 10 Punkten. Im Grunde begann der latent retardende Bon Jovi-Abstieg mit dem Album „Crush“, wo damals noch der Monsterhit „It’s My Life“ diverse Schwachstellen zu überdecken vermochte. „Bounce“ war dann nochmal ein richtig gutes Album, „The Circle“ zumindest in Teilen auch, aber über Veröffentlichungen wie „Have A Nice Day“, „Lost Highway“ samt diverser, dringend überfälliger Stilkorrekturen, und über das fast zur Gänze unsägliche „What About Now“ hüllt man lieber das Mäntelchen des Schweigens. Und dieses vorliegende „neue“ Album macht schlussendlich „das Kraut auch nicht mehr fett“. Leider. Kein glatter Durchhänger aber nie und nimmer so stark wie die allerersten drei Alben! Witzig ist es, Jon Bon Jovi auf deutsch „auf Wiedersehen“ singen zu hören. Vielleicht ein Abschiedssong für Richie Sambora? Für Bon Jovi? Mit einer Spielzeit von 02:44 Min. ist der Titelsong allerdings etwas sehr kurz geraten. Man darf gespannt sein, ob das gerüchteweise angekündigte „echte neue“ Album im Frühjahr 2016 wirklich erscheint und wirklich wieder um sooo viel besser ist. Irgendwie fehlt bei „Burning Bridges“ ein wenig die große Dimension und die Klasse, die die Veröffentlichung eines Bon Jovi-Albums sonst immer bedeutet hatte. Geheimniskrämerei um Tracks und Cover-Artwork inklusive! Vorfreude obligat! – Die Veröffentlichung von „Burning Bridges“ kam kurzfristig, ohne großes Getöse, ja fast schon verstohlen und auf leisen Sohlen daher. Dazu kommt ein nichtssagendes Billig-Cover ohne Foto (da geben sich ja heutzutags die Bootlegger schon weit mehr Mühe punkto Artwork und Layout!), die mickrig  magere Ausbeute von neuneinhalb Songs für ein „neues“, immerhin hochoffizielles Album und die Information, dass es sich wohl oder übel um recyclete alte Songs handelt, bei denen damals ja Sambora mitgespielt haben muss, seine Gitarrenspuren aber gelöscht wurden und von John Shanks neu eingespielt wurden… Dieses nebeltrübe, zartbittere Szenario hat was von Abgesang auf die einstige Mega-Band Bon Jovi, oder aber auch nur ein Schnellschuss, um möglichst schmerzfrei und mit wenig Aufwand aus dem alten Vertrag rauszukommen. Und das hört man leider… Und diese Lieblosigkeit spürt man leider…

CD-Review by TOM PROLL

FACTBOX:

  • Artist: Bon Jovi
  • Album Title: Burning Bridges
  • 1. A Teardrop To The Sea
  • 2. We Don’t Run
  • 3. Saturday Night Gave Me Sunday Morning
  • 4. We All Fall Down
  • 5. Blind Love
  • 6. Who Would You Die For
  • 7. Fingerprints
  • 8. Life Is Beautiful
  • 9. I’m Your Man
  • 10. Burning Bridges
  • 11. Take Back The Night (Bonus Track)
  • Musicians:
  • Vocals: Jon Bon Jovi
  • Guitars: John Shanks (all Guitars), JBJ (Akustikgitarre beim Titelsong)
  • Bass: Hugh McDonald
  • Keyboards: David Bryan, John Shanks
  • Drums & Percussion: Tico Torres
  • Violine, Cello, Viola: Lorenza Ponce
  • Accordion: David Bryan
  • Songwriters: Jon Bon Jovi, John Shanks, Richie Sambora (Saturday…), Billy Falcon (3), Chris De Stefano (1)

Weblinks: Official Homepage, Offizielle deutsche Website, facebook, twitter, Bon Jovi youTube Kanal 

images-1…abschliessend meine kleine, bescheidene Bitte an den Rock-Millionär Jon Bon Jovi, an der sich aber wohl sehr, sehr viele Fans anschliessen werden: BRING RICHIE SAMBORA BACK!!!