MOTÖRHEAD – „Bad Magic“ (CD-Review)

Also gut. Die neue MOTÖRHEAD-CD „Bad Magic“ ist da. Neue Wege? Fehlanzeige! Experimente? Fehlanzeige! Warum auch… die Fans wollen Motörhead sowieso, wie sie sind. Und darum ist Motörhead drin, wo Motörhead draufsteht. Und das ist gut so. Und aus basta!

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1972: Lemmy Kilmister gefällt der Gesang nicht, der auf dem Song „Silver Machine“ seiner damaligen Band Hawkwind zu hören ist. Er überredet den Toningenieur, dass er – nachts, wenn alle anderen weg sind – den Song selber zu singen ausprobieren möchte. Lemmy nimmt die Vocals auf, der damalige Sänger bekommt die Krise, alle anderen finden es geil, der Song wird ein Mega-Hit. Der Bassist Kilmister ist also ab sofort auch Sänger! 1975: Lemmy wird auf der Hawkwind-Tour wegen Drogenbesitzes an der kanadischen Grenze festgenommen und wird wegen der daraus entstehenden Verzögerungen, Verdienstentgänge und behördlichen Unannehmlichkeiten aus der Band geworfen. Er gründet daraufhin seine eigene Band und nennt sie nach einem von ihm für Hawkwind geschriebenen Song: Motörhead!

40 Jahre später: Lemmy und seine Band bringen das 22. Studio-Album heraus. Es hört auf den Namen „Bad Magic“ und kracht an allen Ecken und Enden! Lemmy schreit ins Mikro: „Victory or die!“ und dann ab die Post mit dem flotten Opener „Victory Or Die“! Ganz klar, das neue Album geht wieder ein sattes Stück „back to the roots“, es sind wieder mehr schnellere Kracher drauf und auch die lyrischen Ergüsse sind wieder rotzig frech und Rock’n’Roll vom Feinsten: „Get what you want, do what you can, you’ll get more pussy if you’re in a band“ heisst es da bei „Thunder & Lightning“. Das schrammelt zwar kilometerweit am Literaturnobelpreis vorbei, – aber das ist Lemmy! Pur! Und die drei Herren zeigen auf dem neuen Album weder Gnade, noch Erbarmen oder Mitleid, da wird alles in Grund und Boden gerockt, mal härtester Blues Rock, dann wieder rotziger Metal, – das Meiste in gehobenerem Tempo und mit allen Zutaten, die ein echtes, gestandenes Rock’n’Roll-Album ausmachen: rolling Drums, messerscharfe Riffs, griffige Hooklines, erstklassige Solos und der markante Bass, sowie die unverwechselbaren Vocals! Su muss Rock’n’Roll! So muss Motörhead!

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Überhaupt zelebriert diese Band ihre ganz eigene Mucke nunmehr seit 4 Jahrzehnten, da ist saufen, rülpsen, furzen und ficken sowas von salonfähig, das stellt auch niemand in Frage und man wäre sogar enttäuscht, würden sie nur einen Zentimeter von ihrer Linie abweichen… Und so geht das Schlag auf Schlag auf dem neuen Album und erst nach den harten Beats in „The Devil“ wird das Tempo zurückgeschraubt und man kann sich an einer der herzergreifenden Lemmy-Balladen laben: In „Til The End“ gibt sich Lemmy sehr menschlich, nachdenklich und sogar für ihn ungewohnt melancholisch: „In my life the times have changed, I’m still the man I was, I don’t want to hear your fairytales, All I know is who I am“, singt er voller herzergreifender Hingabe und angesichts seines angeschlagenen Gesundheitszustandes fragt man sich, ob man sich jetzt echt Sorgen machen muss… Er selber behauptet ja immer, dass er unsterblich ist, doch das muss sich erst noch herausstellen. Auf jeden Fall ist „Til The End“ eine Hammer-Ballade erster Güte! Und damit erst gar keine weinerliche Rührseligkeit aufkommt, steigt man mit „Tell Me Who To Kill“ wieder mächtig aufs Gaspedal, die Gitarrenarbeit ist vom Feinsten und das Solo fräst dir einen Mittelscheitel, dass es eine wahre Freude ist! Halleluja! Rock’n’Roll will never die, Mr. Simmons!

Cameron Webb hat das neue Werk abermals produziert und gemeinsam  mit dem Trio Infernale sichergestellt, dass alles im roten Rock-Bereich bleibt. Lemmy & Co. haben sich aber auch alle Mühe gegeben, dass das fette „Teach Them How To Bleed“, die beiden Punk-angehauchten Songs „Electricity“ und „Evil Eye“, sowie die hymnenhaften Tracks „Fire Storm Hotel“ und „When The Sky Comes Looking For You“ das Motörhead-Gütesiegel tragen dürfen und in das Gesamtkonzept des Albums, welches überwiegend aus schnelleren und härteren Titeln besteht, hineinpassen. Das metallisch düstere „Choking On Your Screams“ glänz nicht nur mit einem Mörder-Solo, es holzt auch ab, was das Zeug hält!

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Highlights des Albums sind für mich das verrückte, vertrackte und für Motörhead ungewöhnlich progressive und von hochkarätiger Gitarrenarbeit geprägte „Shout Out All Of Your Lights“, wo Mr. Kilmister – wie auf Drogen – über diverses UFO-Zeugs dahinschwanert und den Fans mit Sicherheit ein grosses Fragezeichen über den Köpfen zaubern wird, sowie das geniale wie traumhafte Rolling Stones-Cover „Sympathy For The Devil“, welches nicht nur echt geil gelungen ist, sondern locker mit der „heiligen“ Kult-Version der Stones mithalten kann und die Original-Version punkto Härte sowieso ganz klar in den Schatten stellt!

mh2Rating: 9 von 10 Punkten! „Bad Magic“ blitzt und kracht an allen Ecken und Enden, ist wesentlich schneller, aggressiver und direkter als schon die durchaus amtlichen Vorgänger-Alben. Produktionstechnisch und vom Sound her gibt’s auch nix zu meckern und einen Durchhänger oder Füller sucht man auf diesem Album sowieso vergebens. Ist schon erstaunlich, – allein schon, wenn man bedenkt, dass Lemmy heuer am 24. Dezember exakt 70 Jahre (!) alt wird – welch grandioses Album hier vorgelegt wurde! Motörhead waren schon immer anders und spielen sowieso in einer eigenen Liga und mit ihrem Album Nr. 22 wird ihr Mythos und Stellenwert noch mehr untermauert. Aber vielleicht ist gerade diese Ehrlichkeit und Geradlingkeit der letzten 40 Jahre ihr Geheimrezept, diesen enormen Legenden-zu-Lebzeiten-Status innezuhaben: „Good evening. We are Motörhead. We play Rock’n’Roll…“

CD-Review by TOM PROLL

FACTBOX:

  • Artist: Motörhead
  • Album-Title: Bad Magic
  • Tracklist:
  • 1. Victory Or Die
  • 2. Thunder & Lightning
  • 3. Fire Storm Hotel
  • 4. Shoot Out All Of Your Lights
  • 5. The Devil
  • 6. Electricity
  • 7. Evil Eye
  • 8. Teach Them How To Bleed
  • 9. Till The End
  • 10. Tell Me Who To Kill
  • 11. Choking On Your Screams
  • 12. When The Sky Comes Looking For You
  • 13. Sympathy For The Devil (Rolling Stones Cover)

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