LUNA RISE – wie sich eine hoffnungsvolle Band langsam selbst demontiert…

Luna Rise aus dem Raum Enns, OÖ, veröffentlichten erst vor kurzem ihr hoffnungsvolles Debut-Album „Dark Days & Bright Nights“ und konnten dafür sogar einige sehr gute Kritiken einfahren. Aber das jahrelange Dilemma der Band, nämlich die permanenten Line Up-Wechsel, setzen der Band wieder einmal zu. Es besteht Grund zur Befürchtung, dass sich diese Band, die mal der Hoffnungsträger Nr. 1 der heimischen Musikszene war, langsam aber sicher selbst demontiert…

Christoph Lindner („Chris Divine“) hat aber auch wirklich Pech in seinem Leben, zuerst gesundheitliche Probleme, wie er im ersten Bandinfo schrieb, dann klappte es mit seiner ersten Band Hellsinki (genialer Name!) trotz CD-Veröffentlichung nicht und als er für seine neue Band Luna Rise Musiker suchte, fand der ursprüngliche Gitarrist keinen Sänger. Also beschloss er, selbst zu singen, was sich als Glücksgriff herausstellte. Aber punkto Musiker fing sich das Besetzungs-Karussell an wie wild zu drehen an, die „Band“ war mehrheitlich gar nicht in der Lage, Live Gigs zu spielen… – aus Ermangelung einer stabilen Besetzung…

LR-1
v.l.n.r.: Robert Traunmüller („Rob Roxx“), Dominik Kneidinger („Loup Garou“), Christoph Lindner („Chris Divine“), Lukas Eisserer („Luke Vegas“) und Alex Dorfmayr („LX“)

Nun gut, mit Lukas Eisserer („Luke Vegas“, Guitar), Dominik Kneidinger („Loup Garou“, Drums), Alex Dorfmayr („LX“, Keyboards) und Bassist Robert Traunmüller („Rob Roxx“) hatte Lindner mittlerweile eine halbwegs stabile Band. Die ersten Erfolge stellten sich ein und das Mini-Album „Smoking Kills, But Love Can Break A Heart“ wurde in einer Mini-Auflage unter die Leute gebracht. Das Problem war dann aber, dass just, als das Mini-Album bekannt wurde, Lukas Eisserer aus beruflichen Gründen ins Ausland ging und die Band ohne Gitarrist dastand…

Luna-Rise-2
v.l.n.r.: Andreas Erd („Andy Earth“), Chris Lindner („Chris Divine“), Dominik Keidinger („Loup Garou“), Robert Traunmüller („Rob Roxx“) und Alex Dorfmayr („LX“)

Nach mindestens einem halben Jahr Stillstand, beschloss man, einen neue Gitarristen zu suchen und wurde mit dem jungen, aufstrebenden Ausnahme-Gitarristen Andreas Erd („Andy Earth“) aus Linz auch fündig. Problem Nummer 1: der arme Andy Erd musste nun ein Mini-Album promoten, auf dem er gar nicht mitspielte und Problem Nummer 2: er kam aus der Linzer Fusion-/Jazz-Rock-Szene und hatte mit Rock eigentlich nicht wirklich was am Hut. Er lebte sich gegen jede Erwartung aber prächtig ein und probte das Programm. Dann spielte die Band ihr sehr gutes Debut-Album ein und noch während der Produktionsarbeit zeichnete sich schon ab, dass Bassist Robert Traunmüller wohl aussteigen werde. Er spielte das Album aber dennoch fertig ein.

Luna Rise 3
v.l.n.r.: „Clu Vasquez“, „Clarence Hell“, Lindner, Kneidinger und Dorfmayr…

Und noch bevor das Album das Licht der Welt erblickte, stieg nicht nur wie vorangekündigt Bassist Robert Traunmüller aus, sondern auch noch Gitarrist Andy Erd. Nun, man musste abermals neue Musiker suchen und wurde mit der Bassistin „Clu Vasquez“ und dem Gitarristen „Clarence Hell“ fündig. Dann kam das Album raus, und obwohl die Band längst eine andere Besetzung hatte, waren im Booklet Bandfotos mit den Leuten, die die CD auch eingespielt hatten, also Lindner, Erd, Traunmüller, Dorfmayr und Kneidinger. Problem Nummer 1: Bassistin „Clu Vasquez“ und Gitarrist „Clarence Hell“ mussten nun ein Album promoten, auf welchem sie gar nicht mitspielten! Und Problem Nummer 2: die Band wurde zusehends unglaubwürdiger, weil auf der Bühne schon wieder Musiker standen, die auf dem aktuellen Album gar nicht spielten…

luna rise 4
v.l.n.r.: Peter Pernusch, Dominik Kneidinger, Lukas Eisserer, Chris Lindner und Alex Dorfmayr

Was nun? Line Up Change! Heilige Scheisse! OK, fassen wir mal zusammen, Gitarrist „Clarence Hell“ ist irgendwie verschwunden, steht aber auf der Luna Rise facebook-page noch als Gitarrist… Tatsache ist aber, dass unlängst bei einem Konzert in Wels der aus Schottland zurückgekehrte Lukas Eisserer wieder die Gitarre bediente und auf obigem Bandfoto ja auch in der Mitte zu sehen ist. Somit steht zumindest wieder der Ur-Gitarrist mit Luna Rise auf der Bühne. Eisserer hat allerdings auf dem aktuellen Album auch keinen Ton gespielt, dafür aber sind einige seiner Kompositionen aufgenommen worden. Very strange situation… Und die Bassistin Claudia alias „Clu Vasquez“? Die macht angeblich aus „privaten Gründen“ mal vorübergehend eine „Pause“. Aha. Statt ihr stand der Linzer Ausnahme-Musiker Peter Pernusch (Bass, Guitar…) mit Luna Rise auf der Bühne und bediente den Bass. Vorübergehend, wie er selbst sagt…

Nun, was soll man daraus schliessen? Der Bassist nur aushilfsweise, – kommt „Vasquez“ nun zurück oder nicht? Wo ist „Hell“ abgeblieben? Eisserer spielt vorerst wieder in der Band. Nachdem er schon zuerst in Hong Kong und dann in Schottland lebte, ist gut vorstellbar, dass er bald wieder einen hochdotierten Job im Ausland bekommt. Und dann? Also wenn mich ein Veranstalter fragen würde, ob er die Band verpflichten soll, würde ich leider sagen: „Finger weg!“, denn mit seiner Politik der instabilen Bandbesetzung weiss man nie, ob Lindner eine auftrittsreife Band auf die Bühne stellen kann oder nicht, zumal er ja nun aus seinem angestammten Kerngebiet (NÖ/OÖ) nach Salzburg übersiedelt ist, was die kontinuierliche Arbeit am Aufbau von Luna Rise wohl auch wiederum sehr erschwert. Schade, – hier wäre eine wirklich gute Band unterwegs gewesen, aber mit derlei Line Up-Wirrwarr demontiert Bandleader Chris Lindner seine Luna Rise langsam aber sicher selber ab. Ewig schad drum!

Bestandsaufnahme von TOM PROLL