KRAUTHOBEL – Live Review, „AnplAKT Tour“, Rankweil, 10.12. 2015

Krauthobel – live am 10. Dezember 2015 im „Altes Kino“ in Rankweil

Nachdem ich Ende September die Gelegenheit hatte, mit Christoph Bitschnau über das neue Projekt „Krauthobel AnplAKT zu sprechen, war für mich klar, dass ich mir eines der Konzerte  anschauen würde.

Aufgrund des mangelnden Schnees war die Anreise ins Ländle bei weitem nicht so beschwerlich wie sonst um diese Jahreszeit üblich und so erreichten wir recht früh den Veranstaltungsort in Rankweil. Das „Alte Kino“ war bereits recht gut gefüllt. Ähnlich wie die Bühne. Vollgeräumt mit Instrumenten war kaum noch Platz. Ein Musiker mehr und der hätte im Zuschauerraum Platz nehmen müssen.

Kurz nach acht betraten dann Krauthobel, das sind Jürgen Ganahl – Gesang und Gitarre, Christoph Bitschnau – Bass und Chor, Bernd Tagwerker – Keyboards und Gesang, Bernd Schnetzer – Schlagzeug sowie Andrea Tschugmell – Tambourin und Chor, verstärkt von Sylvia Fischer – Viola, Walter Tiefenthaler – Viola, Thomas Dünser – Cello und dem jüngeren Bruder von Jürgen – Johannes Ganahl – Gitarre, die Bühne. Gleich mit dem ersten Lied „I wünsch dr Ziet“ vom Album „Generator III“ gaben sie das Motto des Abends vor. So heißt es in diesem Lied treffend: „I wünsch dr Ziet för di Tua und Denka, net nur för di, sondern o zom verschenka, i wünsch dr Ziet zom Freua und Lacha…“ – in diesem Sinne wollten Krauthobel sich die Zeit nehmen, ihren Fans ihre Songs in neuem „Akkustik-Gewand“ näher zu bringen. Lieder zum Nachdenken, aber auch Lieder zum freua und lacha.

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Mit dem ruhigen Song „Kas net los löh“ gehen Krauthobel weit in ihre eigene Bandgeschichte zurück, ist das Lied doch auf ihrem zweiten Album „Negl möt Köpf“ im Jahr 1997 erschienen. Mit „Erinnerung“ folgt ein Lied, das nur zwei Jahre weniger auf dem Buckel hat. Bei dieser Nummer kommen erstmals die Streicher zum Einsatz, die sich sehr gut in die Stimmung dieses Liedes einfügen. Auch das Publikum zeigt sich begeistert von der „anplAKTen“ Version. Im Rahmen dieses „AnplAKT“-Projektes hatten Krauthobel ja auch angekündigt, diese Konzertversion zu nutzen, um auch Lieder aus ihrem Repertoire zu spielen, die bisher nur selten live zu hören waren. Mit „Lena“ kamen sie dieser Ankündigung nach. Eine relaxte Nummer, die sofort Urlaubsfeeling aufkommen lässt.

Nach „Dr Weg“ steht mit „D’Schöfer vom Garneratal“ ein Lied auf der Setlist, welches bereits in den bisherigen Shows ein Fixpunkt war. Es wird daher auch vom Publikum lautstark mitgesungen. Nicht nur mit dem Schöfer, sondern auch mit dem nächsten Lied „Stehbock“ (Steinbock) besingen Krauthobel ihre unmittelbare Heimat, das Montafon. „Wo bisch du?“ und „Der weinende Clown“, ebenfalls vom aktuellen Album „Fifoldera“ beschließen den ersten Teil des Konzerts.

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Nach einer zwanzigminütigen Pause legen Krauthobel wieder los. Auch im zweiten Teil wechseln sie wieder gekonnt Hits mit selten gehörten Liedern, wobei sie mit zweiterem, nämlich „Leina los“, welches auf keiner CD enthalten ist,  den Anfang machen. „Ohne di“, ein romantisches Liebeslied enthalten auf der „Generator III“, „Los üs Kinder si“ von „Im Tobel 2“ sind weiter selten gehörte Lieder. Mit dem nächsten Lied überraschen sie wahrscheinlich nicht nur mich. „Geischterhus“, welches bei den Livekonzerten immer von viel Show und Lichteffekten begleitet wird, hätte ich nicht auf der Setlist eines unplugged Konzertes erwartet. Es fügt sich aber sehr gut in das Programm ein und wird von den Zuschauern mit viel Applaus bedacht. Nach die „Jahr vergohn“ bringen Krauthobel mit Winter und „Warom“ zwei ihrer größten Hits, welche von den Fans begeistert mitgesungen werden. Die sympathischen Vorarlberger geben weiter Gas und heizen die Stimmung mit „Sex, Drugs & Rock’n’Roll“ sowie „Sayonara“ weiter an. So ist es kein Wunder, dass sie vom Publikum lautstark zu Zugaben aufgefordert werden. Sie lassen sich nicht lange bitten und spielen mit „Jugadjohr“ einen weiteren Hit, der im Ländle auch oft im Radio zum Einsatz kommt.

Den Abschluss eines tollen Konzertes bildet aus aktuellem Anlass das nachdenkliche Lied „Freda“ (Friede).

Allen Fans ehrlicher, handgemachter Musik im Dialekt ist ein Besuch eines der Konzerte im Rahmen der „AnplAKT Tour“ unbedingt zu empfehlen. Für das Frühjahr 2016 stehen noch einige Termine im Ländle auf dem Programm (www.krauthobel.com). Vielleicht finden sich aber auch Veranstalter, die Krauthobel live auch in andere Bundesländer bringen. Zur Zeit scheint ja Dialektmusik in Österreich wieder voll im Trend zu liegen.

Live Review by MICHAEL STECHER

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