ELIANA BURKI – Die Weltenbummlerin und Alphorn-Revoluzzerin im Interview!

Sie ist eine der schillerndsten Künstlerinnen der Musikszene und hat die Schweizer Alphorn-Musiklandschaft auf den Kopf gestellt wie nie jemand vor ihr! Die Rede ist von der Solothurnerin Eliana Burki, die das Alphorn nicht nur auf allen Bühnen dieser Welt salonfähig machte, sondern mit ihrer musikalischen Neuausrichtung Alphorn-Puristen fast in den Herzinfarkt trieb und so nebenbei mit dem „Burki-Horn“ gleich auch noch ein neues Musikinstrument erfand. Unlängst ist ihre neue CD „Arcadia“ erschienen. Aber schon lange davorhaben wir uns doch glatt mit der Schweizerin in ihrer Heimatstadt Solothurn zum Interview getroffen!

X-ACT Music Magazine: Du bist mittlerweile für dein jazzig-funkig-bluesiges Alphornspiel weltweit bekannt. Wie kamst du überhaupt zum Alphorn?

Eliana Burki: Ich war etwa sechs Jahre alt, als ich mit diesem Instrument Bekanntschaft machte und war von Anbeginn an fasziniert von diesem Instrument. Speziell der Klang hatte es mir angetan und mich tief berührt. Glücklicherweise hatte ich dann auch noch einen aufgeschlossenen Lehrer, der mich wissen ließ, dass man mit dem Alphorn nicht nur traditionelle Musik spielen kann, sondern auch Jazz und Blues. Meinen ersten Blues habe ich dann zusammen mit meinem Lehrer geschrieben und gespielt!

X-ACT: Die Schweiz gilt in Hinsicht auf die Traditionen ja als eher stockkonservativ. Gab es da keine Widerstände, als du dich anschicktest, dem Alphorn ein neues Image samt neuem Sound zu verpassen?

Eliana Burki: Ja klar! Das gab damals schon einen Aufschrei, wie ich mit Minirock und High Heels das Alphorn spielte und dazu von einer Rockband begleitet wurde und wir zusammen Funk und Jazz spielten. Da wussten Traditionisten und Puristen gar nichts damit anzufangen. Es war mir aber egal und heute sind die meisten Schweizer ja stolz, dass ich dieses aussergewöhnliche Instrument in der ganzen Welt bekannt machte.

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X-ACT: Die ganze Welt ist ein gutes Stichwort. Du lebst ja mal da mal dort… wo fühlst du dich am wohlsten?

Eliana Burki: Also ich stamme ja aus dem Tessin und meine derzeitige Heimat ist Solothurn, hier fühle ich mich auch wohl. Ich brauche aber auch die Abwechslung und das Neue und genau genommen bin ich Weltbürgerin. In L.A. bin ich immer wieder für längere Zeit. Diese Stadt fasziniert mich wegen ihrer Offenheit für Künstler und weil hier so viele Kulturen verschmelzen. Aber ich bin eine Nomadin, muss immer weiterziehen und Neues entdecken. Mir wird sehr schnell langweilig – egal wo – und ich brauche diese geografischen Veränderungen, – schätze es andererseits aber auch immer wieder, in die Schweiz zurückzukommen, denn hier sind meine Wurzeln, hier ist meine Heimat. Aber wenn ich wieder zu lange zuhause bin, geht das alles wieder von vorne los und ich muss raus…

X-ACT: Findest du auf deinen Reisen auch Inspirationen für neue Songs?

Eliana Burki: Klar, – überall hört man ja Musik oder lernt Musiker kennen und die spielen oft auf exotischen Instrumenten und diese klanglichen Erfahrungen inspirieren mich wiederum zu neuen Kompositionen oder zu ganz anderen Arrangements. In Ägypten, Indien oder im Orient haben wir mit einheimischen Musikern gejammt und so auch gleich neue Inspirationen mit nach Hause genommen. Daher möchte ich diese Einflüsse nicht missen! Reisen ist auch eine Art Lebenseinstellung. Ich habe meine Wurzeln gefunden und bin daher auch bodenständig. Ich kann deswegen auch sehr leicht in andere Orte und Welten eintauchen, weil ich eben weiß, wo meine Wurzeln liegen und wo meine Heimat ist.

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X-ACT: Dein neues Album „Arcadia“ erscheint demnächst, was kann man da erwarten?

Eliana Burki: Wir haben versucht Alphorn-Melodien mit elektronischen Beats und orientalischen Einflüssen zu vermischen. Diesmal sind sehr klare Melodiebögen im Vordergrund, weniger das rhythmische Element. Man muss immer für alles offen sein und so wird dieses Album wieder ganz anders. Ich habe ja schon einiges ausprobiert wie Jazz, Funk, Blues, Rock und klassische Musik und darum wird man zwar immer wieder diese Elemente vorfinden, aber auch ganz neue Soundexperimente, die durch mein Projekt mit meinen Musikern aus dem Mittleren Osten entstanden sind und die mich sehr inspirierten. Aber da ich ich auch immer mit meiner Band iAlpinisti unterwegs bin, fügt sich alles wunderbar zu einem grossen Klangkosmos zusammen!

X-ACT: Du hast im Laufe der Jahre immer mehr auch deine Stimme eingesetzt. Was macht dir mehr Spass, das Alphorn oder singen?

Eliana Burki: Es hat beides seinen Reiz. Klar, mit dem Alphorn bin ich bekannt geworden, aber singen macht mir auch viel Spass und es macht ja meine Songs vielfältiger!

X-ACT: Das Musikbusiness hat sich ja speziell in den letzten Jahren sehr verändert. Ist es für dich jetzt leichter oder schwieriger als früher, ein Album zu produzieren?

Eliana Burki: Ehrlich gesagt ist es für mich jetzt leichter, als am Anfang meiner Karriere. Je älter ich werde, desto entspannter und professioneller kann ich ans Werk gehen. Früher war ich immer am Suchen, aber jetzt habe ich die Menschen und Musiker gefunden, mit denen ich gut arbeiten kann und denen ich vertrauen kann. Das beste für meine persönliche Weiterentwicklung ist mit Sicherheit, dass man immer mehr Menschen und Musiker kennenlernt und sich dieser Kreis ständig erweitert. Und man fühlt sich in diesem Kreativ-Pool dann sehr wohl und weiss genau, wer für was optimal ist…

X-ACT: Scheint ja ein sehr ausgefülltes Leben zu sein! Was ist dein Ausgleich zur Musik?

Eliana Burki: Meine Hunde sind für mich ganz wichtig, aber auch meine Familie, meine Schwestern und Yoga. Ich lese gerne Yoga-Bücher und befasse mich mit der buddhistischen Lehre, hat mich geerdet hat.

X-ACT: Was waren deine grössten musikalischen Vorbilder?

Eliana Burki: Das waren hauptsächlich Miles Davis und Chet Baker, – erstens musikalisch und zweitens weil sie immer ihr Ding durchgezogen haben und auf eine Art und Weise auch Revoluzzer waren!

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X-ACT: Ich habe in einem Interview gelesen, dass dich der Rassismus in der Schweiz stört…

Eliana Burki: Rassismus stört mich immer und überall! Aber die Schweiz ist ein Land, welches für seine Bürger Sicherheit und Wohlstand geschaffen hat und dann hört man immer wieder von rassistischen Ausschreitungen und mit dieser feindseligen Einstellung so mancher Eidgenossen habe ich ein Problem! Alle Menschen sollten überall willkommen sein!

X-ACT: So nebenbei übst du eine Tätigkeit als Klangtherapeutin für Kinder aus. Wie kamst du dazu?

Eliana Burki: Ich war damals erst 19 Jahre alt, als mich mein Vater, der Arzt ist, gefragt hatte, ob ich nicht Lust hätte, in einer Klinik in Davos einen Workshop abzuhalten. Und da dieser erste Schritt sehr positiv war, hat sich diese Arbeit step by step entwickelt, wie auch ich mit dieser Arbeit gewachsen bin. Diese Kinder leiden an zystischer Fibrose und haben im allgemeinen bis zum 30. Lebensjahr eine gute Lebensqualität, bevor es rapide bergab geht. Mit dem musste auch ich erst einmal klar kommen und lernen, damit umgehen zu können, aber das hat wiederum auch meine Persönlichkeit gestärkt.

X-ACT: Wie läuft so eine Therapie ab?

Eliana Burki: Ich bin immer für eine Woche in Davos und gebe den Kindern ein Intensivworkshop. Ich habe verschiedene Alphörner, die verschiedene Töne machen. Durch gewisse Töne und spezielle Atemtechniken lösen sich bei den Kindern Sekrete, die sie dann auf natürliche Weise ausspucken. Darüberhinaus hat der Alphorn-Klang auch eine medidative Wirkung. Wenn man eine Stunde lang im Schneidersitz nur die tiefen Töne spielt, ist das sehr beruhigend für den Körper. Und da so unheimlich viel von den Kindern zurückkommt, ist es eine Arbeit, die ich immer machen möchte.

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X-ACT: Du hast auch ein eigenes Mundstück und ein eigenes Musikinstrument erfunden, das „Burki-Horn“. Wie kam es dazu und wie kann man sich das Instrument vorstellen?

Eliana Burki: Um auf meinem Alphorn nicht nur die Naturtöne spielen zu können, habe ich eigens ein Mundstück konstruiert, mit dem ich auch Halbtöne spielen kann. Das „Burki-Horn“ hingegen ist besonders leicht und reisetauglich gebaut. Es hat optisch irgendwie Ähnlichkeiten mit einem Saxophon, hat aber Ventile wie z.B. ein Tenorhorn und ist klanglich zwischen Waldhorn und Alphorn angesiedelt. Aber es ist ein ganz eigenständiges Instrument. Das „Burki-Horn“ eben…

Ein interessanter Mensch mit einer ganz eigenen Lebensphilosophie und sie wird als Diejenige in die Geschichtsbücher eingehen, die das Alphorn massgeblich revolutionierte, sowohl das Instrument selbst, als auch die Spielweise und vor allem die musikalische Umsetzung!

Interview by TOM PROLL

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