SAINTED SINNERS – „Sainted Sinners“, Debut-Album: Die Überraschung des Jahres! (CD-Review)

Es gibt sie doch noch, diese Alben, die dir glattweg einen Mittelscheitel ziehen, die vom ersten bis zum letzten Ton begeistern und die abrocken, was der Kasten hergibt! Und wo man immer wieder und immer wieder erneut auf „play“ drückt! So geschehen mit dem sagenhaften Debut-Album der Supergroup SAINTED SINNERS! Also deren Debut-Album hat mich glatt aus den Socken gehauen, – ein derart ehrlich abrockendes Album, welches keine Wünsche offen lässt, ist seit Anfang der 90er nicht mehr erschienen! Aber alles schön der Reihe nach…

Sainted Sinners sind Top-Gitarrist Frank Pané (D, Bonfire, Axe-Perience, Purpendicular…), Ausnahme-Shouter David Reece (USA, Bonfire, Accept, Bangalore Choir, Malice…), Multiinstrumentalist (Keyboards, Organ, Piano, Guitar, Slide Guitar, Dobro…) Ferdy Doernberg (D, Rough Silk, Axel Rudi Pell…) und die gnadenlos gute Rhythm-Section Malte Frederik Burkert (D, Bass, Biest, Purpendicular…) und Berci Hirleman (H, DrumsEdda Müvek (!), Purpendicular…). Allein diese Auflistung macht schon felsenfest klar, dass hier ausnahmslos Könner am Werk sind! Das anspruchsvolle Artwork und das coole Cover machen dann auch schon rein optisch klar, dass hier etwas Grossartiges in die Musikgeschichte eingehen wird! Very well done! Aber was erwartet uns musikalisch?

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Gleich der erste Song „Knight Of The Long Knives“ drückt fest aufs Gaspedal und wartet mit rotzig frechen Riffs von Meister Pané auf. Die Hammond röhrt geil und David Reece singt hammermässig! Natürlich haben hier einige Kollegen der schreibenden Zunft sofort die Parallelen zu Deep Purple erkannt, was mir aber zuwenig ist, denn Sainted Sinners sind keine blossen Nachlassverwalter, sondern definieren das Genre „Classic Rock“ mit diesem Album vollkommen neu! Selbstredend hat der Song nicht nur Saft und Kraft, sondern auch noch einen griffigen Chorus, ein sehr lässiges Gitarren-Solo und einen obercoolen Unisono-Schlusspart. Wir bleiben weiter auf der Überholspur. „Beauty In The Beast“ fährt ebenso mörderisch ab und Meister Reece hat einen coolen Text geschrieben und singt oberamtlich! Dann das herrliche Gitarren-Solo von Frank Pané, wo er klarstellt, wo der Hammer hängt! Superb auch das „Duell“ zwischen Gitarre und Orgel, das um nichts Blackmore/Lord nachsteht, wenn man schon unbedingt Vergleiche bemühen muss. „Maybe She’s Got Balls“ beginnt mit einem unsterblichen Riff, welches schon bald Nachwuchsgitarristen rund um den Erdball nachspielen werden. Und das will was heissen! Der Song an sich ist feinster Blues-Rock, den Reece mit Whiskey-getränkter Stimme einfach mal so raushaut… Die absolut geile Akkordabfolge rinnt runter wie Öl, das Orgelsolo und das Gitarrensolo sind natürlich wieder vom Feinsten und nicht zu vergessen die lässigen Backing Vocals von Lydia Pané! Die Erinnerungen gehen nun weg von Deep Purple hin zu Whitesnake, was auch für den nächsten Song gilt: „We’re All Sainted Sinners“ kommt im satten Midtempo und hier slidet sich Ferdy Doernberg megacool weg, dass es eine wahre Freude ist! Die Bridge geht unter arschgeil zu Buche und der Solo-Part wartet einmal mehr mit einem Orgel-/Gitarre-Duell vom Feinsten auf. Dann noch ein Chorus mit einem knochentrockenen Riff, eine Modulation und ein durchkomponierter Schluss und kein schwules fade out! Hier sind noch echte Musiker am Werk, allesamt kompetent, ausgefuxt, Gig-erprobt und „road worn“! Aber so war Rock-Musik früher und so sollte es ja auch heute noch sein!

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„Blue Lightning Man“ beginnt mit Dobro und Slidings, fast schon wie aus einem Tarantino-Film, um dann geradezu zu explodieren! Uptempo bis zum Abwinken und eine entfesselt rockende Band. So haben Saxon früher auch mal gerockt. Das Gitarrensolo mit den Stopps ist schon fast episch, Frank Pané spielt anschliessend zuerst orientalisch anmutende Lines, ehe er wieder fetzt, was das Zeug hält. Dieser Song ist live mit Sicherheit ein echter Knaller! „The Love That I Have Found“ beginnt mit Akustikgitarren, ehe ein stampfender Groove eine Heavy-Ballade erster Güte einleitet. Hier werden wiederum starke Erinnerungen an Dio, Rainbow und Black Sabbath wach. Aber Sainted Sinners sind auch hier nicht mal im Ansatz am „abkupfern“, sondern haben einfach Stilmittel der Legenden zu einem eigenen Sound kunstvoll verschmolzen! Und Frank spielt hier ein melodiöses Solo zu einem schleppenden Groove. Wunderbar! Mit Piano und Wanderklampfe beginnt dann „Did You“, wo Herr Reece einmal mehr zeigt, wie wandlungsfähig seine fantastische Stimme ist! Dieser Song geht wieder im Midtempo mit fetten Riffs zu Buche. Auch hier ist mit jedem Ton hörbar, dass die fünf Protagonisten jede Menge Spass an der Sache haben! Und Pané spielt natürlich wieder ein unpackbar geiles Solo! „In Need“ kommt dann wieder einen Gang höher aus den Boxen, David Reece beginnt hier mit coolem Sprechgesang, musikalisch sind wir mittlerweile bei April Wine, ZZ Top und Konsorten angelangt. Und Pané fegt mit einem oberamtlichen Pick-Tapping übers Griffbrett, dass es eine wahre Freude ist! Ein Song, den man eigentlich in einem Cabrio hören müsste, wenn man eine kalifornische Küstenstrasse entlangfährt… Und dann „Evangeline, wo man Van Halen raushören könnte, wenn man unbedingt Vergleiche braucht. Jedenfalls ist Frank Pané harmonietechnisch mindestens so versiert wie unser aller Eddie! Das zeigt er auch in den Solos eindrucksvoll. Auch hier wieder ein saugeiles Orgelsolo… Also was die Jungs da musikalisch raushauen, ist schon wirklich allererste Sahne!

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Man fragt sich natürlich, was da noch kommen kann… „Shine Diamond Girl“ beantwortet diese Frage: accappella Intro, messerscharfes Riffing und Rock’n’Roll-Feeling, dass es nur so kracht! Bei diesem Song kommen sogar Prog-Elemente zutage und das Arrangement zementiert die Qualitäten der neuen All-Star-Band Sainted Sinners! Mit „Truth Is A Lie“ kommen wir zum letzten Song dieses fantastischen Debut-Albums. Balladeske Töne, bluesige Vocals… und dann wirds heavy, ehe der nächste Vers wieder schwebend die Gehörgänge verwöhnt. Dann wieder atemberaubende Gitarrenläufe, Härte und Orgeltöne wie einst bei Uriah Heep… die Gitarrenkünste sind sowieso nicht von dieser Welt und die Vocals glänzen einmal mehr. Ein fantastischer Song am Ende eines grandiosen Albums! Als mir Frank Pané im letzten Jahr die Pläne für diese Band und dieses Album verriet, meinte er: „Songs und Stil werden die musikalischen Essenzen der grossen Bands vereinen und verschmelzen!“ Und genau das kommt hin! Wer also 70er Rock in zeitgemässer Form hören möchte und wissen will, wie es klingt, wenn man von Deep Purple, Uriah Heep, Whitesnake, Van Halen, Rainbow, Led Zeppelin, Black Sabbath, Gary Moore und wasweissichwas das Beste rausnimmt und vermischt, dann ist er mit diesem Album allerbestens bedient! Und wer ein geiles Party-Album sucht oder wiedermal hören möchte, wie echte Könner ohne Firlefanz und Schnickschnack rocken, was der Kasten hergibt, dann muss er dieses Album sowieso haben! Schlicht sensationell und sollte in keiner CD-Sammlung fehlen!

Rating: 10 von 10 Punkten!

CD-Review by TOM PROLL

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