SPLITTERNACKT – Live-Comeback nach 25 Jahren und das dritte Album „Zap! Boom! Yeah!“ nach 28 Jahren Funkstille! Ein CD-Review

SPLITTERNACKT, die legendäre Ybbstaler Rockband aus den 90ern kehrt zurück auf Österreichs Konzertbühnen und startet nach über 25 Jahren ein Comeback inklusive neuem Album „ZAP! BOOM! YEAH!“. 28 Jahre nach dem letzten Release wird das neue Werk nun erstmals live präsentiert, man darf jedenfalls gespannt sein … denn die Fortsetzung beginnt… jetzt!

Splitternackt, mit dieser Band aus dem Raum Waidhofen/Ybbs, hatten Fans und Medien schon abgeschlossen, zwei tolle Alben, einen Haufen megageiler Konzerte und dann war plötzlich irgendwann Schluss, die Jungs machten Karrieren und gründeten Familien und plötzlich – aus heiterem Himmel – gibt’s nach fast 30 Jahren Funkstille ein Comeback-Album mit dem Namen „Zap! Boom! Yeah!“ und live legten sie auch bereits wieder los! Mit dabei sind wieder Mastermind, Sänger, Gitarrist und Komponist Günther Thummerer, Drummer Andreas Bösch und Bassist Georg Draschan. Den Keyboarder Herbert Spanring konnten sie leider nicht mehr für ein Comeback gewinnen, dafür greift jetzt der umtriebige Amstettner Gitarrist Franz Riegler fest in die Saiten! Na dann wolln wir mal reinhören…

Zuerst fällt einem das wunderbare und geniale Cover-Artwork auf: ein Gatefold mal ganz anders, denn aufgeklappt ergibt das grafische Meisterwerk einen alten Kaugummi-Automaten! Ein Hingucker, und Appetitmacher! Das haben die Jungs einzigartig gut gemacht und so wird man noch neugieriger, was da musikalisch auf die Gehörgänge wohl zukommen mag.

Das Album beginnt mit dem Midtempo-Knaller „Ein Tag wie heute Nacht“, der in die selbe Kerbe schlägt, die die Sportfreunde Stiller reich und berühmt gemacht hat. Ein schöner Song, der gleich klar macht, dass man sich noch immer der deutschen Sprache bedient und immer noch Musik zum zuhören fabriziert. Als wäre die Zeit stehen geblieben! Günther Tummerer singt seine intelligenten Texte mit einer Hingabe wie damals! Herrlich!

Dann eine heftigere Nummer: „Immer wieder wir“, ein Song, der textlich einen Rückblick zulässt und wo sich die Jungs gleichsam in die Karten gucken lassen, was sie so denken. Hier kommt die schelmenhafte Art zu texten wieder gekonnt zum Vorschein! Rotzig freche Lausbuben sind sie also immer noch! Super! „Siegerseite“ ist dann ebenfalls etwas schneller und griffiger und wenn der 2. Titel etwas nach Bryan Adams klang, dann kommt dieser Song wie einer von Pur aus den Speakern. Unheimlich sympathisch und nostalgisch gleichzeitig, wenn man auch merkt, dass die Texte wesentlich reifer und erfahrener klingen als früher.

„Wieder auf See“ ist dann morbid melancholisch, bis zum Refrain, denn der macht Mut und geht auf wie die Sonne. Das ist schon kunstvolles Liedgut, was die Jungs anno 2022 im Mollner ATS Tonstudio unter der Leitung von Reinhard „Bux“ Brunner da zauberten! Mit „Geträumt“ wird es dann rockig, satte Gitarren und ein Text zum Niederknien. Straight forward und trotzdem immer schön melodisch. So ähnlich geht es auch bei „Soll es das gewesen sein“ zu. Hier kommt zum treibenden Groove und lässigen Gitarren-Fills noch ein saugeiler Chorus hinzu.

„Vielleicht“: hier schlagen Splitternackt andere Seiten auf, bringen zu monotonen Gitarren einen traurig/sentimentalen Text über eine gescheiterte Liebesbeziehung und fetzen im Refrain auch schon mal zornig daher. Guter Text auch ob der dramatischen Thematik. Und dann „Wie letztes Jahr“, ein schnellerer Song über Fernweh, Urlaubsfeeling und die Macht der Gewohnheit. Man merkt doch ganz deutlich, dass die Jungs in den letzten 3 Jahrzehnten doch einen Haufen Erfahrungen gemacht haben…

Hoffnung versprühen sie im Song „Mach deine Augen zu“, der im moderaten Midtempo mit schönen Chören glänzt und wieder einen Text zu bieten hat, der fürs Kopfkino eine Menge Spielraum lässt. „Jetzt oder nie“ ist da auch so ein Song, positiver Vibe, aber zweideutiger Text, obwohl die Musik gefällig überschminkt, dass hier doch Existentielles besungen wird. „Viel mehr geht nicht“ kommt dann etwas schaumgebremst daher, was das Tempo betrifft, obwohl ab der Mitte des Songs ein fettes Riff frech und dominant aufmümpft. Der Text ist abermals ein Abhandlung über ein Beziehungsdrama. Nur diesmal mit lässigen Wah Wah-Gitarren!

Wir biegen in die Zielgerade. „Dein Lachen (Die schlechten Tage von Gott)“ ist ein herrlicher Song, der genügend positive Energie versprüht, dass man damit jede Menge Mut daraus basteln kann. Nun ja, Splitternackt haben glücklicherweise ihren Charme nicht verloren, sie klingen immer noch kompakt und erfreuen uns mit super handgemachter Musik, die gekonnt und frech der Neuen Deutschen Welle ein Bein stellt, und der Neuen Deutschen Härte rotzfrech die Zunge zeigt! Hier sind fraglos Könner am Werk, Thummerer schreibt immer noch geniale Songs und seine Band setzt alles gekonnt um. Man hätte sich vom Neuzugang Riegler vielleicht ein paar fetzige Gitarrensolos gewünscht, aber vielleicht darf er ja live in die Saiten greifen, dass die Fetzen fliegen. Rundum ein gelungenes Album mit vielen Textzeilen, die zum Nachdenken anregen und mit wunderschönen Chören glänzen. Alles sauber arrangiert und gekonnt eingespielt. Bux Brunner hat standardmässig einen internationalen Sound gezaubert und das Cover ist sowieso sowas von grenzgenial!

Unbedingte Kaufempfehlung!

CD-Review by TOM PROLL

Kontakt: splitternackt@spielplatzkuk.at

 

Tom
Über Tom 713 Artikel
X-ACT Music Magazine - Gründer, Erfinder, Herausgeber, Medieninhaber, Chefredakteur, Design, Logo-Creator. Sonst noch: Gitarrist, Composer, Arranger, Producer, Bandleader.