STEVE STEVENS & Band, GUS G. – Live im Plaza, Zürich, 14.4.2017 (Live Review)

Die Frage, wer heutzutags eigentlich noch zu einem Konzert eines Gitarrengottes geht, ist nun auch geklärt: Ja, es gibt sie noch die Freaks, die zu Helden wie Steve Stevens (Billy Idol, Michael Jackson, Atomic Playboys…) und Gus G. (Ozzy Osbourne, Firewind…) pilgern! So geschehen auch am 14. April 2017 in der Zürcher Location Plaza, wo schon zwei Stunden vor Einlass eine Riesen-Menschenschlange auf die Öffnung der Türen wartete! Und das Konzert war dann auch mehr als ausverkauft, da waren wohl mehr Leute drinnen, als möglicherweise zugelassen… Dementsprechend gross war das Gedränge und die Luft schon nach einer halben Stunde zum „schneiden“… Das „Plaza“ ist eine tolle Location, ein ehemaliges Bordell mit einer tollen Bühne, Licht und Ton vom Feinsten, alles toll ausgestattet und mit einer Riesen-Bar zwar gesegnet, zu der es jedoch fast kein Durchkommen gab…

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Den Abend eröffnete musikalisch der Ozzy Osbourne– und Firewind-Gitarrist Gus G., der sich mit dem Holy Grail-Sänger James Paul Luna verstärkt hatte. Mit zwei Akustikgitarren heizten die beiden schon mal die Stimmung gewaltig an. Gus G. entlockte dabei auch seiner akustischen Gitarre messerscharfe Licks und atemberaubende Läufe kreuz und quer übers Griffbrett! James Paul Luna ist ein hervorragender Sänger, der wirklich astreine Vocals zum Besten gab! Dann eine kurze Umbau-Pause, ehe Steve Stevens mit seiner Band die Bühne enterten.

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Der Auftritt von Steve Stevens bei seiner ersten Solo-Tour durch Europa war dann eine Offenbarung, eine Demonstration geilen Gitarrensound, spacige Effekten nicht von dieser Welt und von virtuosem Gitarrenspiel vom Allerfeinsten! Er eröffnete sein Set mit „Crackdown“ und Sänger Franky Perez stellte von Anfang an klar, dass er ein echter Meister seines Faches ist. Nächster Song war „Day Of The Eagle“ und dann schon „Dirty Diana“. Dann folgte die Begrüssung und als Steve im Publikum einen Typen mit einem Chickenfoot-T-Shirt sah, stellte er diesen zur Rede, liess ihm von einem Roadie ein „Steve Stevens T-Shirt“ bringen und sagte: „Hey Mann, das musst du doch verstehen, wenn du auf einem Chickenfoot-Konzert bist, passt das Joe Satriani auch nicht, wen du mit einem Steve Stevens-T-Shirt in der ersten Reihe stehst!“

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Es folgte „Hellcats, Highway“, ehe er zur akustischen Gitarre wechselte und „Cinecitta“ zum besten gab. Ein atemberaubendes Gitarrenduell lieferte er sich dann mit seinem zweiten Gitarristen bei „Flamenco A Go Go“, ehe er seine Solo-Kadenz mit der Akustikgitarre brachte, die er auf der vorletzten Billy Idol-Tour bereits auch schon spielte. Danach erklärte er seinem Publikum, dass er froh ist, dass heute so viele Menschen gekommen sind und dass er dankbar ist, dass er auf all diesen Hits Gitarre spielen durfte, ohne die er nie bekannt geworden wäre. Steve Stevens rechnet auch mit hochnäsigen Kollegen ab: „Alle, die da meinen, sie wollen ihre alten Hits nicht mehr spielen, sind undankbare Arschlöcher, denn ohne ihre Hits wären sie nicht da, wo sie sind! Ich bin echt dankbar und spiele diese Songs immer wieder gerne, denn ohne diese Erfolge wären wir heute alle nicht hier, ich nicht und ihr auch nicht!“ Und dann fackelte er eine obergeile Version von „Eyes Without A Face“ ab! Extended guitar solo obligat!

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Und dann der Höhepunkt des Abends: Sein unsterbliches Instrumental „Top Gun Anthem“ in einer ewig geilen Version! Was soll man sagen, wen man sprachlos ist?! Dieser Typ spielt so lässig Gitarre, dass es eine wahre Freude ist! Dann folgten „Dazed And Confused“ sowie „Atomic Playboys“ und eine Erklärung, dass er wohl das einzig verbliebene Mitglied seiner einstigen Band Atomic Playboys ist… Dann das Instrumental „Prime Mover“ mit einem herrlichen Bass-Solo von Uriah Duffy (Ex-Whitesnake) und im Anschluss erzählt Steve Stevens eine kleine Story: „Als ich so vor dem Fernseher saß und auf der Gitarre herumzupfte, kam diese kleine Riff zum Vorschein und als ich es Billy Idol vorspielte, meinte dieser, dass wir daraus einen Song machen und dann entstand das hier…“ Er spielt dieses besagte Riff noch einmal an und heraus kam „Rebel Yell“ in einer fetzigen Version! Damit war dann auch leider das Konzert beendet…

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Zur ersten Zugabe „Voodoo Chile“ gesellte sich auch noch Gus G. zu Steve Stevens und seiner Band, diesmal mit seiner brandneuen Jackson-E-Gitarre und die beiden lieferten sich ein Gitarren-Duell, das sich gewaschen hatte! Stevens machte noch die Bemerkung über seinen Kollegen Gus, dass er sich freue, dass auch die nächste Generation fest in die Saiten greift! Und dann folgte noch die allerletzte Nummer „Whole Lotta Love“, wo dann auch noch James Paul Luna auf die Bühne kam und sich mit dem grandios singenden Franky Perez ebenfalls ein geiles Duell lieferte. Natürlich inklusive Gitarren-Geshreddere ohne Ende und ein tobendes Publikum! Wenn man so ein Konzert erleben darf, dann kann man zufrieden nach Hause gehen und in die Welt hinausschreien „Life is good!“

Live-Review by TOM PROLL

Fotos by SYLVIA TSCHOPP

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