CHRISTIAN BECKER – Interview by Michael Stecher zur kommenden EP „Der Westen brennt“ (VÖ: Rocktober 2018)

X-ACT: Vor etwa zwei Jahren ist deine CD „Härter ist kein Frauenname“ erschienen. Die Kosten hast du mit Crowdfunding abgedeckt. Wie warst du im Nachhinein damit zufrieden?“

Christian Becker: „Die Kosten wurden zum Teil durch Crowdfunding abgedeckt, der Rest war als Eigeninvestition in die Musik zu sehen. Im Grunde war ich aber zufrieden. Denn jeder Beitrag zählt in einem solchen Fall und macht es mit möglich, weiter musikalisch tätig zu sein.“

X-ACT: Du hast in den letzten zwei Jahren viele Live-Auftritte absolviert. Der Westen Österreichs war dabei ein bisschen außen vor. Hast du Pläne auch in Tirol und Vorarlberg live aufzutreten?

Christian Becker: „Es wäre mir eine Freude und Ehre. Die Clublandschaft ist allerdings in unseren Breiten dünner besiedelt denn je. So kommt es mir zumindest vor. Ich folge aber gerne jeder Einladung und dem Ruf der Veranstalter und bin des Reisens nicht müde!“

X-ACT: Ende Oktober erscheint deine neue Maxi-CD „Der Westen brennt“. Wie viele Lieder sind darauf enthalten? Wie ist der Titel entstanden? Der Titel lässt kritische, unter Umständen sogar politische Lieder vermuten?

Christian Becker: „Die EP beinhaltet vier Lieder. Politisch und kritisch ist der Titelsong in jedem Fall. Sowohl um unser Land als auch global gesehen ist es nicht zum Besten bestellt. Eher im Gegenteil. Empathie ist oftmals ein Fremdwort, Ängste schüren ist das Mittel zum Erfolg. Als Nachrichtenjunkie wird mir da mehrmals täglich übel und unwohl. Der Song ist aus einem inneren Grauen vor Strömungen diverser Populisten entstanden. Der Populismus erobert die sogenannte christlich soziale Mitte und schreitet mit unappetitlichen Methoden munter voran. In Ländern, die eigentlich nicht wahnsinnig viel zu meckern hätten.“

X-ACT: Wie heißen die einzelnen Songs und kannst du diese unseren Lesern näher vorstellen?

Christian Becker: „Die Songs „End vom Regn“ und „Freiheit“ sind persönlicher und unpolitisch. Es geht zum einen um die Hoffnung, nach grauen Tagen die Sonne zu sehen, aus einer deprimierten Stimmung aufgerüttelt zu werden und vorwärts zu blicken. Zum anderen geht es um das Thema, wundervolle Dinge nicht zu erkennen, zu spüren und zunächst davor davonzulaufen. Am Ende des Tages liegt die Freiheit aber im Miteinander. Der Titel „Armstrong“ hingegen geht den politischen Weg weiter. Aber im positiven, hoffnungsvollen Sinne. Denn die Welt ist wunderbar und wenn wir mit dem Herzen denken, kommen wir ans Ziel.“

X-ACT: Wird es im Anschluss daran auch eine komplette CD geben?

Christian Becker: „Momentan plane ich kein komplettes Album. In Zeiten des Downloads und neuen Vertriebswegen halte ich dies auch nicht für dringend nötig. Auch die knapp bemessene Zeit legt mit nahe, Stück für Stück weiteres Material zu veröffentlichen.“

X-ACT: Viele Musiker gehen ja dazu über nur mehr einzelne Lieder ins Netz zu stellen. Wie stehst du dazu?

Christian Becker: „Ich sehe das zum Teil positiv. Der Aufwand, die Kosten und die investierte Zeit und Energie werden einteilbarer. Schade ist jedoch, dass man kaum noch die Möglichkeit hat, sogenannte Konzeptalben aus einem Guss zu erleben bzw. zu erarbeiten.“

X-ACT: In den großen Medien kommt österreichische Musik abseits von Schlager und volkstümlicher Musik kaum mehr vor. Was für Wege siehst du, um deine Musik den Fans näher zu bringen?

Christian Becker: „Es gibt schon einige Acts, die wieder breiteres Gehör finden. Viele sind es aber nicht, das ist richtig. Man muss auf das Netz bauen, live spielen wo immer es auch geht und nicht davor zurückschrecken, auch die großen Medien stetig zu kontaktieren und über das Schaffen am Laufenden zu halten.“

X-ACT: Zur Zeit gibt es ein großes Angebot an Konzerten. Wie schwierig ist es da, die eigenen Shows zu vermarkten?

Christian Becker: „Das Problem ist, dass der Durchschnitt für große Acts leicht einmal hundert Euro oder mehr locker macht. Für unbekanntere Bands einen Zehner an der Tür zu bezahlen oder in einen Hut zu schmeißen scheint hingegen oftmals eine Art Schockstarre auszulösen. Leicht ist es nicht. Das Überangebot und die Interessen der Menschen unter 30 scheinen den kleineren Acts das Leben durchaus nicht zu erleichtern. Darum mein Tipp: Macht 10 Euro flüssig und schaut euch die Vielfalt im Kleinen an!“

X-ACT: Du bist ja auch als Veranstalter tätig. Wie hat sich da das Musikbusiness verändert? Haben die kleinen Konzerte bei der Anzahl großer Stadionshows überhaupt noch eine Chance?

Christian Becker: „Wie oben beschrieben, ist das Bewusstsein seltener werdend. Auch das Interesse, sich Unbekanntes, Neues anzuhören, ist selten. Die Musikbegeisterten müssen hier wieder aufwachen, rausgehen, entdecken und sich freuen. Wie beim Schwammerlsuchen. Nicht immer passt das Wetter, aber man freut sich dann über jeden Fund. Dann haben auch kleine Clubs und Bands eine Chance.“

X-ACT: Ich danke dir für die Beantwortung unserer Fragen, wünsche dir viel Erfolg mit deinen neuen Songs und hoffe, wir erleben dich auch im Westen Österreichs bald einmal live.

Christian Becker: „Vielen Dank für die Einladung!“

Interview by MICHAEL STECHER

Christian Becker live:

19.10.2018 20.00 Fischamend, Stand Up Club Baum, Becker und Band
31.10.2018 20.00 LOCAL – Heiligenstädter Straße 31 1190 Wien Becker & Band
23.11.2018 20.00 Mistelbach, Altes Depot Baum, Becker und Band
30.11.2018 20.00 ABCentrum Ansfelden, OÖ Baum, Becker und Band
Tom
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X-ACT Music Magazine - Gründer, Erfinder, Herausgeber, Medieninhaber, Chefredakteur, Design, Logo-Creator. Sonst noch: Gitarrist, Composer, Arranger, Producer, Bandleader.