Das war „ROCK THE RING“ 2019, Hinwil, CH: Ein Traum-Staraufgebot in perfekter Umgebung beim Festival des Jahres!!!

Hinwil ist ein ansonsten verschlafenes Örtchen im Zürcher Oberland, das einmal im Jahr auf dem Testgelände des Automobil-Clubs TCS, inmitten eines Autobahnkreisels gelegen, das 3-Tages-Festival „Rock The Ring“ zelebriert. Seit 2014 findet das Festival jährlich statt und hat immer wieder ein sehr feines Line Up zu bieten. Getreu dem Motto „weniger ist mehr“ treten zwar nicht ganz sooo viele Bands auf als auf anderen Festivals, doch dafür können sich die Macher stolz auf die Fahnen heften: no fillers, just killers! Klar, dass auch heuer wieder eine satte Breitseite Rock’n’Roll von erstklassigen Bands abgefeuert wurde! Es gibt seit dem letzten Jahr eine zweite Bühne und war ebendiese im letzten Jahr noch Aftershow-Beiwerk, so gab es heuer erstmals ein hochwertiges Programm speziell mit Newcomern. Eine lobenswerte Einrichtung für Bands, die ansonsten nur schwer auf einem Festival von dieser Bedeutung teilnehmen könnten! Ansonsten gab es wie immer tolle, abwechslungsreiche Verpflegung auf einem immer top-sauberen Gelände auf diesem wiedermal vorbildlichst organisierten Festival! Das ist in jeder Hinsicht das beste Festival des Jahres! Und ich habe alle Festivals Europas gesehen, ich weiss von was ich rede!

FM

Am Donnerstag, 20. Juni 2019, eröffneten auf der Main Stage die Londoner Hard-Rocker Inglorious, von denen wir leider nur aus der Ferne hörten, dass sie ordentlich abrockten. Dafür waren wir dann pünktlich vor der Bühne, als die ebenfalls aus London stammenden FM ihren Melodic Rock der obersten Güteklasse ins Publikum schmetterten. FM, die bereits 2015 bei „Rock The Ring“ gastierten, kamen erwartungsgemäss beim Publikum sehr gut an, obwohl sie ja leider nicht mehr zu den angesagtesten Bands zählen. Mehr oder weniger Geheim-Tipp sind sie mittlerweile geworden, eine Insider-Band, wie man so sagt und sie arbeiten auch brav daran, dass es so bleibt, denn anders kann ich mir beim besten Willen nicht erklären, warum sie ihren grössten Hit „Frozen Heart“ vom Jahrhundertalbum „Indiscreet“ nicht spielten! Klar, sie brachten Knaller wie „That Girl“, „Other Side Of Midnight“ oder „Tough It Out“, aber ein FM-Gig ohne „Frozen Heart“ ist wie ein Himmel ohne Sterne!

Setlist FM: „Black Magic“, „Bad Luck“, „That Girl“, „Life Is A Highway“, „Let Love Be The Leader“, „Other Side Of Midnight“, „I Belong To The Night“, „Tough It Out“, „Killed By Love“

BLACK DIAMONDS

BLACK DIAMONDS

Während auf der Main Stage für Tesla umgebaut wurde, gab es auf der B-Stage einen umjubelten Gig der Schweizer Hard-Rocker Black Diamonds zu hören! Die Jungs aus dem Raum Altstätten/Kriessern, SG, drückten ab, was das Zeug hergibt und gaben damit eine satte Empfehlung für die Hauptbühne im nächsten Jahr ab! So muss Rock’n’Roll mit Spass und Partyfeeling heutzutage klingen! Und damit das klar als Statement zementiert ist, eröffneten sie ihren Gig mit dem Knaller „We Want To Party“. Ja und dann ging es Schlag auf Schlag und die Black Diamonds haben jetzt gut 2.000 Fans mehr! Well done!

Setlist BLACK DIAMONDS: „We Want To Party“, „I’ll Be OK“, „Pieces Of A Broken Dream“, „Thrillride“, „Hands Of Destiny“

TESLA

TESLA

Die Amerikaner sind noch immer in Bestform und ihre Buchung attestiert den Veranstaltern allerbesten Musikgeschmack! Tesla eröffneten ihr Set, in dem sie in voller Lautstärke „Welcome To The Jungle“ von Gunsn’Roses über die Boxen laufen liessen und stiegen dann selbst mit „Cumin‘ Attcha Live“ ein. Es folgte ein abwechslungsreiches Set, dass mit so Highlights wie „Changes“ oder dem unsterblichen „Love Song“ höhepunktete! Wie gesagt, eine Band in Höchstform, getrieben von unbändiger Spiellaune und einem Repertoire, von dem andere Bands nur träumen können! Wer Tesla noch nie live gehört hat, der sollte das unbedingt mal nachholen, denn was diese Jungs musikalisch draufhaben, das ist schon vom Feinsten!

Setlist TESLA: „Cumin‘ Atcha Live“, „Modern Day Cowboy“, „Heaven’s Trail (No Way Out)„, „Breakin‘ Free“, „Taste Like“, „Miles Away“, „Changes“, „Edison’s Medicine“ (Man Out Of  Time)„, „Love Song“, „Little Suzi“ (Ph. D.-Cover), „Signs“ (Five Man Electrical Band-Cover)

WHITESNAKE

WHITESNAKE

Der Co-Headliner des ersten Tages waren Whitesnake und die boten erwartungsgemäss eine Show der Superlative mit zahlreichen Welthits und zwei der weltweit besten Gitarristen! Die Show startete mit „My Generation“ von den The Who via Tape, Whitesnake stiegen dann mit „Bad Boys“ ein und hatten von Anbeginn an einen satten Sound und strotzten nur so vor Spielfreude und Energie! Schlag auf Schlag ein geiler Song nach dem anderen und nach „Slow An‘ Easy“ dann ein sechsminütiges Gitaren-Duell der Spitzenklasse: Reb Beach und Joel Hoekstra demonstrierten E-Gitarre-Spiel auf höchstem Niveau und liessen die sicher zahlreich anwesenden Gitarristen vor Neid erblassen! Wahnsinn, was die beiden hier abfrickelten! Es  folgte mit „Shut Up & Kiss Me“ die erste Singe vom brandneuen Album „Flesh & Blood“. Und auch der neue Song wurde frenetisch abgefeiert. Speziell das Drum-Solo von Tommy Aldridge wurde mächtig beklatscht. Es ist aber auch ein Hammer, was der 68-jährige Drummer da an Top- & Show-Drumming zeigte! Respekt! Nach der obligaten Band-Vorstellung folgte der Welthit „Is This Love“, dann folgte der groovige Rocker „Give Me All Your Love Tonight“, ehe die Band ihr Set mit dem Ober-Welthit und Rock-Evergreen „Here I Go Again“ standesgemäss beendete. Und die extralange Zugabe „Still Of The Night“ machte den Auftritt perfekt! Und als die Bands sich vor dem Publikum verneigte und im Hintergrund ihr Standard-Abschieds-Song „We Wish You Well“ vom Band lief, liefen so manchem Fan Freudentränen über die Wangen!

David Coverdale – Mr. Whitesnake himself

Was man immer wieder im Publikum oder aber auch in den Medien hörte und hört, ist, dass die Stimme von David Coverdale Aussetzer hatte, dass er manchmal krächzte, Töne nicht traf und lang nicht mehr so gut singt wie in jungen Jahren, no na… Das mag ja alles stimmen und klar ist, dass er oftmals das Publikum mitsingen lässt, bei den Refrains singt die komplette Band und der Keyboarder Michele Luppi verfügt über eine ähnliche Stimme und singt immer alle Songs mit und ist dann zur Stelle, wenn der grosse Meister Aussetzer hat. Ein Voice-Double sozusagen, – aber das machen andere ebenso. Auch lange Instrumentalteile, Gitarren-Solos, Drum-Solo etc. helfen die fraglos angeschlagene Stimme zu schonen… Aber hey! Sanges-Gott David Coverdale hat uns die besten Jahre seines Lebens geopfert und immer gesangliche Glanzleistungen abgeliefert und er hat sich auch in Hinwil und auf der ganzen Tour sehr bemüht, aber mit 67 Jahren am Buckel darf man ruhig schon mal angeschlagen sein! Und man sollte nie vergessen: er könnte sich schon lange auf sein Hausboot oder sein Schloss zurückziehen, mit seinem weissen Jaguar Englands Strassen unsicher machen oder seine Millionen ausgeben! Aber was macht er? Er macht ein neues Album und geht auf Tour und hält die Band am Leben und macht uns Freude! Und das hat hat den grössten Respekt und Dank verdient!

Setlist WHITESNAKE: „Bad Boys“, „Slide It In“, „Love Ain’t No Stranger“, „Hey You (You Make Me Rock)„, „Slow An‘ Easy“, Guitar Duell, „Shut Up & Kiss Me“, Drum Solo, Band Introductions, „Is This Love“, „Give Me All Your Love“, „Here I Go Again“, Zugabe: „Still Of The Night“

DEF LEPPARD

DEF LEPPARD

Def Leppard, der zweite Headliner diese Abends, zündete mit „Rocket“ ein wahres Rock-Feuerwerk, präsentierten eine mitreissende Show mit grafischen Elementen auf der Riesen-Screen und garnierte ihre an sich schon gnadenlos gute Licht-Show mit Laser-Attacken wie dereinst Pink Floyd! Wow, – was für eine Materialschlacht! Aber die bombastischen Songs von Def Leppard schreien fast schon nach einer derartigen Show. Sänger Joe Elliott ist noch immer gut bei Stimme und die beiden Ausnahme-Gitarristen Vivian Campbell (Ex-Whitesnake) und Phil Collen greifen in die Saiten, dass man glaubt, es gibt kein Morgen mehr… Eine sehr kompakt spielende Band, bei der man sich längst daran gewöhnt hat, dass auch Geräusche, Keyboards etc. vom Band kommen. Aber sie machen das gut, und dezent, es fällt fast gar nicht auf. Sie spielen alles, aber wirklich auch alles, straight auf den Punkt und der Sound ist schlicht phänomenal! Nach einer Vielzahl an Hits kommt mit „Two Steps Behnind“ und „Love Bites“ zwei absolute Höhepunkte und das Konzert endet fulminant mit „Pour Some Sugar On Me“. Nach den beiden Zugaben „Rock Of Ages“ und „Photograph“ ist Schluss für den ersten Tag und alle gingen zufrieden nach Hause! Was für ein Eröffnungstag!

Setlist DEF LEPPARD: „Rocket“, „Animal“, „Let It Go“, „When Love And Hate Collide“, „Let’s Get Rocked“, „Armageddon It“, „Rock On“ (David Essex-Cover), „Two Steps Behind“, „Man Enough“, „Love Bites“, „Bringin‘ On The Heartbreak“, „Switch 625“, „Hysteria“, „Pour Some Sugar On Me“, Zugaben: „Rock Of Ages“, „Photograph“

Tag 2 bei „Rock The Ring“ 2019, es ist Freitag der 21. Juni 2019 und heute stehen hauptsächlich Schweizer Bands auf dem Programm! Auch etwas, was sich andere Länder abschauen könnten! Aber wieder alles schön der Reihe nach:

MAXXWELL

MAXXWELL

Die Schweizer Metaller namens Maxxwell waren mir bis dato unbekannt, aber ich kann diese Truppe nur wärmstens empfehlen, denn was die da an abwechslungsreicher Mucke geboten haben, geht weit über das Heavy Metal-Lehrbuch hinaus! Hervorragende Musiker und ein absoluter Spitzensänger zaubern eine eindrucksvolle Show und das alles um einige Härtegrade heftiger als Gotthard oder Krokus! Wenn man auf modernen Metal steht, der jedoch noch genug True Metal-Anteile vorweisen kann, dann liegt man mit diesen Jungs genau richtig. Auf alle Fälle eine Band, die verdient auf der Main Stage gespielt hat!

SAXON

SAXON

Die alten, verdienten Metal-Haudegen aus England feiern heuer ihr 40. Bühnenjubiläum und nach zahlreichen Besetzungswirren und Gerichtsprozessen um die Namensrechte haben wir nun 2 Bands namens Saxon und die „Hauptband“ namens Saxon um die Gründungsmitglieder Biff Byford und Paul Quinn gaben sich heuer in Hinwil die Ehre. Mit dabei der langjährige Top-Drummer Nigel Glockler, der ebenfalls langjährige Bassist Tim „Nibbs“ Carter und der Gitarrist Doug Scarratt, der auch schon wieder 22 Jahre für Saxon in die Saiten greift… Saxon war an diesem Freitag die einzige Nicht-Schweizer Band. Dafür legten sie aber ein astreines Konzert hin! Und sie spielten ausnahmslos ein Heavy-Set, immer Vollgas lautete die Devise! Schade, denn ich und wahrscheinlich auch das Publikum hätten gerne ihren einzigen Chart-Erfolg und Biker-Hymne „Ride Like The Wind“ und ihren wohl besten Song „Back On The Streets“ gehört…

Setlist SAXON: „Wheels Of Steel“, „Strong Arm Of The Law“, „Denim And Leather“, „Thunderbolt“, „And The Bands Played On“, „They Played Rock’n’Roll“, „Power And Glory“, „Dogs Of  War“, „Solid Ball Of Rock“, „747 (Strangers In The Night)“, „Crusader“, „Princess Of The Night“

KROKUS

KROKUS

Krokus hatten ja im Vorjahr einen sehr bescheidenen Gig abgeliefert, weshalb ich gespannt war, was sie auf ihrer Abschiedstournee zu bieten hatten. Nun, so entfesselt habe ich Krokus nicht mal Mitte der 80er Jahre erlebt! Eine astreine Hard Rock-Band, die ohne wenn und aber abrockte, dass es eine wahre Freude war! Sänger Marc Storace in der Form seines Lebens und er erwies sich mit seinen Ansagen auch als guter Entertainer. Chris Von Rohr hätte sich seinen blöden Spruch über die Zürcher sparen können, aber so ist der Chris und er wäre ja auch nicht der Herr Von Rohr, würde er nicht ein wenig anecken… Mandy Meyer als rechts aussen liess auch nix anbrennen und spielt immer noch saugeil Gitarre. Alles in allem ein hervorragender Gig, karriereumspannend und abwechslungsreich! Dafür wurden sie aber auch frenetisch gefeiert und das geht so absolut in Ordnung! Eigentlich schade, dass sie aufhören… oder ist die Abschiedstournee nicht sowieso ein kluger Promo-Gag der PR-Maschine Von Rohr? Naja, man wird es ja sehen. Jedenfalls hätte ich dieses Konzert gerne auf DVD!

Setlist KROKUS: „Headhunter“, „Long Stick Goes Boom“, „American Woman“ (Guess Who-Cover), „Rock’n’Roll Tonight“, „Winning Man“, „Hellraiser“, „Hoodoo Woman“, „Fire“ (Guitar Solo by Mandy Meyer), „Rocking In The Free World“ (Neil Young-Cover), „Tokyo Nights“, „Eat The Rich“, „Bedside Radio“, Guitar-Intro by Mandy Meyer, „Easy Rocker“, Zugaben: „Screaming In The Night“, „Heatstrokes“ (inkl. Drum Solo), „Quinn The Eskimo“ (The  Mighty Quinn, Bob Dylan-Cover)

GOTTHARD

GOTTHARD

Spielten beim letzten Aufeinandertreffen in Hinwil Gotthard die honorigen Krokus noch locker an die Wand, so war es diesmal genau umgekehrt. Kein Wunder, spielten Gotthard doch ein Set ihrer schaumgebremsten Konzertreihe namens „Defrosted 2“, also ein saftloses Unplugged-Trallala. Das kam zwar teilweise gut an, – aber eben nur teilweise… Der Original-Schlagzeuger Hena Habegger war erst gar nicht mit von der Partie und wurde vom Helloween-Drummer Daniel Löble ersetzt und niemand fand es für wichtig, das zu erklären. Ratlose Fans… Das Programm war ausgewogen und gut, aber irgendwie lustlos runtergespielt und im Grunde hatten alle Anwesenden Gotthard schon jeweils wesentlich besser gehört. Lediglich die Hommage an Steve Lee bei „Heaven sorgte für Gänsehaut… Naja und die letzten beiden Beatles-Covers gemeinsam mit Krokus erlebten viele Fans überhaupt erst gar nicht mehr, weil schon mehr als die Hälfte das Festival-Gelände verlassen hatte! Schade!

Setlist GOTTHARD: „Silver River“, „Electrified“ (including a snippet of „Smoke On The  Water“), „Hush“ (Joe South-Cover), „Stay With Me“, „Mountain Mama“, „Remember It’s Me“, „Feel What I Feel“, Bass-Solo, „Sister Moon“, „What You Get“, Keyboard-Solo, „Heaven“ (mit Steve Lee-Projektion und seinen recorded Vocals!), Guitar-Solo, „Top Of The World“, „Lift U Up“, „Anytime, Anywhere“, Zugaben: „Why Don’t We Do It In The Road“ / „Come Together“ (Beatles-Covers gemeinsam mit Krokus!)

Eric St. Michaels von KING ZEBRA

KING ZEBRA

Der Sonntag, 22. Juni 2019, begann gleich mal mit einer saftigen Überraschung: KING ZEBRA, die Zürcher Glam-/Sleaze-/Bluesrock-/Haudrauf-Truppe, die sich ja den Ex-China-Frontman, den im Kanton Luzern wohnhaften Amerikaner Eric St. Michaels als Frontman angelten. Die Band kennt mittlerweile fast alle Clubs von innen, aber das war mit Sicherheit ihre bislang grösste Bühne. Und sie haben das Festival auf Teufel komm raus gerockt! Eine wirklich geile Band, die auf solche Bühnen gehört! Geradliniger, schnörkelloser Rock mit Power und Feeling, exzellentem Songmaterial und sehr guten Musikern, die alles amtlich spielen können und zuguterletzt mit einem Sänger aufwarten können, der bereits durch alle Wasser geschwommen ist und sowohl als Entertainer als auch als Frontman professionell agiert. Diese Band wird man sich merken müssen, denn diese Jungs haben das Potential für eine Weltkarriere! Very well done!!!

JARED JAMES NICHOLS

JARED JAMES NICHOLS

Auch seinen Namen wird man sich merken müssen, denn was der sympathische Amerikaner da mit seinem Trio ablieferte war beste Blues-Rock- und Southern Rock-Tradition! Zwar sind einem die Songtitel noch überhaupt nicht geläufig, aber es hat mich gefreut, dass der Schlingel bei einem Gitarren-Solo frech „Jessica“ von den Allman Brothers eingebaut hat, was leider wiederum wohl nur Insider bemerkt haben dürften… Seine aktuelle Single „Baby Can You Feel It?“ hat das Zeug zum Hit und seine Version von „Mississippi Queen“ (Mountain-Cover) ist wohl die beste seit dem legendären April Wine-Live Album! Auch sein Song „Last Chance“ ist ein Hammer, aber  der Bursche muss keine Angst haben, dass er die letzte Chance bekommt… seine Karriere hat gerade erst begonnen und allein schon wegen seiner ureigenen Spielweise mit den Fingern ist er ja schon in aller Munde! Und Gibson / Epiphone haben ihm sogar schon Signature-Gitarren mit nur einem Humbucker gebaut und das will schon mal was heissen!

MIDNIGHT OIL

MIDNIGHT OIL

Die australischen Polit-Rocker spielen nicht recht oft in Europa und darum hat das Publikum auch recht Mühe mit der Band, weil man ja hierzulande kaum Songs kennt… Also „Beds Are Burning“, ihren grössten Hit, kennt man auch in Europa und da singen die Leute auch brav mit. Und vielleicht haben sie „Blue Sky Mine“ schon mal irgendwo gehört. Aber der Rest der Songs ist bei 90% des Publikums unbekannt. Naja und dann sind immer wieder die politischen Ansagen, zwischen den Songs und immer auch in den Texten. Und dann stellt sich doch irgendwie die Frage, wenn über den CO2 Ausstoss gejammert wird und der Sänger das Publikum mit erhobenem Zeigefinger massregelt, ob das rechtens ist, dass die Band für ein paar Songs um den halben Erdball geflogen ist… Hm…

LYNYRD SKYNYRD

LYNYRD SKYNYRD

Und dann der Höhepunkt des Festivals, also für mich jedenfalls. Und für zigtausende andere auch! Und ich muss da jetzt ein wenig ausholen: ich habe miterlebt, wie „Sweet Home Alabama“ herauskam und zum Welthit wurde, ich habe es miterlebt, wie der Flugzeugabsturz die Überlebenden in Schockstarre versetzte und die Band jahrelang das Trauma verarbeitete, ich hab ihre glorreiche Rückkehr miterlebt, ich habe diese Band zig Mal live erlebt, ich habe die Jungs kennengelernt und mehrmals interviewt und zuhause hängt eine Südstaatenfahne mit alle Autogrammen der Band (Besetzung 2001). Und jetzt bin ich dabei, wie sie auf ihrer Abschiedstour eines ihrer letzten Konzerte geben. Lynyrd Skynyrd lösen sich also auf und ich kann es noch immer nicht glauben… Und sie erfüllen alle Erwartungen, spielen eine Traum-Setlist und strotzen noch einmal nur so vor Spielfreude! Sogar Gary Rossington ist auf der Bühne wieder nüchtern und spielt wieder mehr Gitarren-Solos denn je. Und allein schon das freut mich unendlich! Die Band  spielt souverän und Sänger Johnny Van Zant ist nicht nur ein brillianter Sänger und ein Southern-Gentleman, sondern auch ein Entertainer, der alle Tricks kennt! Und so kommt es, dass das Publikum von „Rock The Ring“ 2019 ein Konzert vor den Latz geknallt bekommt, dass sie so schnell nicht vergessen werden! Lynyrd Skynyrd spulen nicht einfach ein „Best Of“-Programm runter, weil’s ja eh schon wurscht ist… nein, sie spielen viel mehr, als ginge es um’s nackte Überleben. Und das macht diese hervorragende Band noch zusätzlich sympathisch! Man sieht auf der Screen alte Fotos, alte Filme, Plattencovers und Bilder bereits verstorbener Mitglieder… Das ist keine Show im üblichen Sinn mehr, das ist echt ein Abschied einer Band, die für viele Menschen im Publikum „ihre“ Band des Lebens war. Oder auch weiterhin sein wird… Und nachdem die letzten Tränen getrocknet sind, fahren wir nach Hause und nehmen die fantastische Stimmung mit, die das Konzert getragen hat, freuen uns, dass wir dabei sein durften und weil das eben gekaufte T-Shirt der Abschiedstournee noch so neu duftet, kommt es einem so unreal vor, dass diese Band nie mehr nach Europa kommen wird und nie mehr Konzerte geben wird…

Setlist LYNYRD SKYNYRD: „Workin‘ For MCA“, „Skynyrd Nation“, „What’s Your Name“, „That Smell“, „I Know A Little“, „Gime Back My Bullets“, „The Needle And The Spoon“, „Saturday Night Special“, „The Ballad Of Curtis Loew“, „Gimme Three Steps“, „Don’t Ask Me No Questions“, „Simple Man“, „Tuesday’s Gone“, „Call Me The Breeze“ (J.J. Cale-Cover), „Sweet Home Alabama“, Zugabe: „Freebird“

Hinwil 2019 war ein Wahnsinn. Die Veranstalter haben sich echt wieder einen Orden verdient und ich freue mich schon auf nächstes Jahr! „Rock The Ring“ ist mittlerweile kein No Name-Festl mehr, es ist gewachsen und immer wieder für Überraschungen gut. Und ich bleibe dabei: für mich (uns) ist es das Festival des Jahres! See you 18. bis 20. Juni 2020 in Hinwil!

Review by TOM PROLL

Pics by SYLVIA TSCHOPP-BECCARELLI

Tom
Über Tom 635 Artikel
X-ACT Music Magazine - Gründer, Erfinder, Herausgeber, Medieninhaber, Chefredakteur, Design, Logo-Creator. Sonst noch: Gitarrist, Composer, Arranger, Producer, Bandleader.