FLOYD ROSE – ein Tremolo-System veränderte die Gitarrenwelt für immer!

Was ihr immer schon über Floyd Rose Tremolos wissen wolltet, aber bisher nie zu fragen wagtet… In unserem Technikteil Soundboard nehmen wir diesmal das wohl berühmteste aller Tremolos etwas genauer unter die Lupe und verraten euch alle Details!

Das Floyd Rose ist ein Vibratosystem für E-Gitarren, umgangssprachlich oft auch Tremolo genannt. Beliebt ist es vorwiegend in der Hard Rock- und Heavy Metal-Szene, da es extreme Bendings und Klangeffekte wie „Dive Bombs“ unterstützt und dabei besonders stabil gegen Verstimmungen bleibt. Die Stimmstabilität und der weite Aktionsbereich unterscheiden dieses Vibratosystem von anderen Varianten wie zum Beispiel dem Bigsby-Vibrato, Wilkinson-Tremolo oder dem Vintage-Tremolo wie z.B. häufig bei der Fender Stratocaster Verwendung findend. Das Floyd-Rose-Vibratosystem wird eher bei moderneren Gitarrenmodellen verwendet wie zum Beispiel von den Herstellern Dean, Jackson, Ibanez, Kramer und ESP Gitarren, die auch in den typischen Musikrichtungen vorwiegend verwendet werden. Seltener kommt es auf traditionelleren Modellen wie zum Beispiel von Fender oder Gibson zum Einsatz. Exzessiven Gebrauch vom Floyd-Rose-Vibrato machen zum Beispiel die Gitarristen Steve Vai, Joe Satriani, Eddie Van Halen, Alexi Laiho, Brad Gillis und Richie Sambora.

floyd2Erfunden wurde das Floyd Rose Tremolosystem gegen Ende der 1970er-Jahre von Floyd D. Rose. Selbst Gitarrist und aktiv in diversen Bands im Raum Seattle, begann Floyd D. Rose Mitte der 70er Jahre sich darüber zu ärgern, dass herkömmliche Tremolos nicht verstimmungsfrei arbeiteten, er erdachte sich das sogenannte „double locking system“ und baute seine ersten Prototypen in Handarbeit. 1976 hatte er sein System zur Perfektion gebracht und liess es sich patentieren. Ihm fehlte allerdings das nötige Kleingeld, um sein System in Serienfertigung gehen zu lassen und somit entschloss er sich, es der Firma Kramer Guitars in Lizenz anzubieten, die das Tremolo-System folglich industriell fertigen liess und als erste Gitarrenfirma überhaupt serienmässig in ihre Modelle einbaute. Floyd D. Rose spielte dann bis Mitte der 80er Jahre in der Melodic-Rock-Band Q5, mit welcher er zwei erfolgreiche Alben veröffentlichte. Sein Tremolosystem ist mittlerweile weltbekannt, wurde vom US-Fachmagazin „Guitar World“ zu den „10 wichtigsten Innovationen für die Gitarre“ gewählt, wurde oft kopiert – wie z.B. das „Shift 2000″ – aber nie erreicht. Lediglich die Firma Kahler konnte annähernd gute Tremolo-Systeme entwickeln und erzeugen. Die Grundlage für die Kahler-Tremolos bildet aber dennoch das „double locking system“ von Floyd D. Rose, welchem seine Erfindung nicht nur Ruhm und Ehre, sondern auch erheblichen Wohlstand und Reichtum einbrachte.

Floyd_rose_pro_partsAufbau des Floyd Rose Tremolosystems: Das ursprüngliche Tremolo von Floyd Rose besteht aus folgenden Teilen: 1. Steg – Auflagepunkt der Saite, 2. Saitenhalter – Kleiner Metallblock, der die Saite im Steg festklemmt. 3. Stegschraube – Mit der Stegschraube wird die Intonation der Saite eingestellt. Wird die Schraube gelockert, kann der Steg einige Millimeter vor und zurück bewegt werden. Zur Justierung wird ein Inbus-Schlüssel benötigt. 4. Feinstimmer – Schraube, um die jeweilige Saite extra fein abzustimmen. 5. Vibratohebel – Mit dem Vibratohebel wird das Vibrato während des Gitarrenspiels erzeugt und die Tonhöhenschwankungen hervorgerufen. 6. Klemmsattel – Der Sattel wird am Kopf der Gitarre vor den Mechaniken eingesetzt, um die Saiten festzusetzen. Je nach Modell benötigt man einen Inbusschlüssel oder einen Schraubendreher, um die Saiten am Sattel festzuklemmen. 7. Saitenniederhalter – Metallstab, der auf der Kopfplatte installiert wird, um die Saiten in einem bestimmten Winkel zum Klemmsattel zu führen. 8. Federn – Die Spiralfedern befinden sich im Korpus der Gitarre und bewirken einen Gegenzug zu den Saiten. Durch diesen Gegenzug wird das Vibrato in der Grundstellung gehalten. Je nach verwendeten Saiten können bis zu fünf Federn (auch „Rückholfedern“ genannt) eingesetzt werden. 9. Federkralle – die Federn sind an der Federkralle aufgehängt. Die Federkralle kann mit Hilfe zweier Schrauben so eingestellt werden, dass das Tremolo bei Nichtgebrauch in der schwebenden Grundstellung verbleibt. 10. Inbusschlüssel – Das Floyd Rose Tremolo benötigt meist drei verschiedene Inbusschlüssel für Saitenwechsel und Einstellung.

Floyd-roseFloyd-RoseFunktionsweise: Durch Drücken des Hebels kann die Saitenspannung und damit deren Stimmung gesenkt werden. Bei sogenannten „dive bombs“, der extremen Variante, bei der die Saiten weitgehend erschlaffen, kann die Stimmung über mehrere Oktaven gesenkt werden. Durch Ziehen des Hebels kann, je nach Ausrichtung, die Stimmung um mehrere Ganztöne angehoben werden. Beim Loslassen des Hebels bringen Stahlfedern den Steg wieder in die Ausgangsposition zurück. Stimmstabilität wird zum einen dadurch erreicht, dass die Saiten am Sattel festgeklemmt werden, wodurch einem Schlupf an den Stimm-Mechaniken entgegengewirkt wird. Im Gegensatz zu anderen Systemen vereinigt der Floyd-Rose-Klemmsattel den traditionellen Sattel und die Klemmvorrichtung in einem Bauteil.

Des Weiteren werden die Saiten ohne Kugel (engl. „ball end“) in den Steg geklemmt. Die Kugel ist inzwischen meist ein kleiner Zylinder aus Messing bzw. eine Kugel mit einem Loch, um das ein Ende der Saite geschlungen und mit sich selbst verdrillt wird. Um die Saite zu befestigen wird bei den meisten Gitarrenstegen ebendiese Kugel in eine Öse gehängt. Unter wechselnder Zugbelastung der Saite neigt die Verdrillung dazu zu verrutschen (Schlupf), was eine Verstimmung der Saite zur Folge hat. Das direkte Einklemmen der Saite eliminiert diese weitere Quelle für Verstimmung

Manche Vibratosysteme haben die unangenehme Eigenschaft, Saiten schnell zu verschleißen. Saiten reißen häufig am Intonationspunkt, das heißt an dem Punkt auf dem die Saite am Steg aufliegt. Entscheidend für die Lebensdauer der Saite am Intonationspunkt ist der Abstand zwischen der Befestigungs- beziehungsweise Klemmvorrichtung und dem Intonationspunkt des Saitenreiters am Steg. Je kleiner dieser Abstand ist, desto weniger weit wird die Saite über den Intonationspunkt bewegt, wenn sich die Saitenspannung und Länge bei Benutzung des Vibratosystems ändern. Diese Bewegung ist mit Reibung verbunden, die die Saite regelrecht durchscheuert und schließlich reißen lässt. Beim Floyd Rose beträgt dieser Abstand nicht einmal einen Zentimeter.

Ein weiterer Vorteil des Einklemmens der Saiten am Steg ist die Möglichkeit, eine gerissene Saite notfalls weiterverwenden zu können, wenn gerade keine neue Saite zur Hand ist und das Reststück noch genügend Länge hat. Eine Möglichkeit, dem Reißen der Saite vorzubeugen ist, die empfindlichen h- und e-Saiten regelmäßig etwas zu kürzen und neu einzuklemmen, bevor diese sich durchscheuern.

Horizoniifrbkaq9Besonderheiten: Etwas schwieriger ist bei diesem System das Stimmen der Gitarre, da das Stimmen einer Saite auch Auswirkungen auf die Stimmung der übrigen Saiten hat. Stimmt man eine Saite höher, senkt sich die Stimmung der anderen Saiten ab. Stimmt man diese Saiten dann nach oben, senkt sich die Stimmung der ersten Saite. Man sollte die höher zu stimmende Saite daher gleich etwas zu hoch stimmen. Dieses Prinzip führt außerdem dazu, dass „unisono bends“, dynamische Zweiklänge bei denen eine Saite gezogen wird bis sie exakt die gleiche Tonhöhe hat wie die zweite Saite, nicht mehr sauber ausgeführt werden können, da sich die Frequenz des eigentlich statischen Zieltones beim Bending absenkt. Da das Bending die Kraft des Saitenzugs erhöht, bewegt sich der Vibratosteg wie bei einem Druck auf den Hebel aus dem Korpus heraus, was eine Absenkung der Saitenspannungen und damit der Tonhöhen aller Saiten bewirkt. Theoretisch ist nach diesem Prinzip auch ein „Fingerbending“ bei gleichbleibender Tonhöhe möglich. Ein Einstellen der Oktavenreinheit ist bei diesem System daher auch eine besonders anspruchsvolle Aufgabe. Auch das Ablegen der Anschlagshand auf dem Steg kann zu Verstimmungen führen und kann ungeübten Spielern Probleme bereiten. Die Sensibilität des Systems hängt auch davon ab, ob das System „schwebend“ (engl. „free floating“) eingestellt ist, das heißt ob Bendings in beide Richtungen möglich sind, weiterhin von der Saitenstärke und der Anzahl der verwendeten Zugfedern. Bei relativ dünnen Saiten (009er-Sätze) und wenigen Zugfedern reagiert das System sehr sensibel, expressiv und geschmeidig, verlangt aber auch Fingerspitzengefühl, um das Reißen der Saiten zu vermeiden.

Des Weiteren besteht der Kontakt zwischen Steg und Korpus der Gitarre nur noch an den Messerkanten, wodurch Sustain und Tonentwicklung Einbussen erleiden. Dies ist ein weiterer Grund dafür, weshalb dieses System vorwiegend zusammen mit leistungsstarken Tonabnehmern und massiver Verzerrung beziehungsweise Effekten im Allgemeinen verwendet wird.

Aber wie dem auch sei, Floyd Rose hat damit Geschichte geschrieben und gleichsam einen Meilenstein in der Entwicklung der E-Gitarre gesetzt. Heute wird bei 8 von 10 Gitarrensolos ein Floyd Rose Tremolo hörbar eingesetzt. Und das soll ihm erst mal jemand nachmachen!

Technik-Ratgeber by Tom Proll