WARHAWK – „War Of Memories“ (CD-Review)

Es gibt sie noch, die Bands, die einen überraschen und derart aus den Socken hauen, dem derzeitigen Einheitsbrei ein Schnippchen schlagen und ein saugeiles Album rausklopfen, dass die Boxen nur so rauchen! Die Rede ist von Warhawk aus Budweis und deren neuer CD „War Of Memories“.

Laut Eigendefinition spielt die tschechische Band Warhawk Melodic Power-Metal und das trifft auch zu, – doch ich würde ihnen schon attestieren, dass sie auch gehörige Anleihen im Prog- und Speed-Bereich haben, womit man sich schon ein Bild malen kann, wie abwechslungsreich das Album ausgefallen ist. Gleich der erste Track „The Opening“ schlägt in die Prog-Kerbe und würde auch Bands wie Dream Theater oder Yes zur Ehre gereichen. Ein atmosphärisch dichter und unheimlich melodiös/dramatischer Einstieg in das zweite full length Album der Band aus der weltbekannten Braustadt Budweis. Dann schlagen Gitarren und Power-Drums gnadenlos zu, Black Hawk Down“ geht ab wie die Sau! Zu fettem Riffing setzt dann die tolle Stimme der neuen Sängerin Simona Reindlová ein, die sich wohltuend von den ganzen „Möchtegern-Operetten-Metal“-Sängerinnen abhebt! Sie singt mit Ausdruck und Gefühl und setzt somit einen starken, aber harmonierenden Kontrast. Im Instrumentalteil fliegen einem messerscharfe Unisono-Parts nur so um die Ohren, ehe ein mördergeiles Synth-Solo ins Prog-Gefielde gekonnt abhebt. Ein hammermässiger Song, der einfach hängenbleibt. „The Earth geht einerseits ab, dass die Fetzen fliegen, Stepan Hallá trommelt sich die Seele aus dem Leib, – dennoch sind tolle Melodien eingewoben, der Gesang wieder engelsgleich. Das Arrangement ist anspruchsvoll und lässt keine Wünsche offen. Im Mittelteil wieder ein Ausflug Richtung Prog, ehe wieder der eingängige Chorus dominant im Gehör hängenbleibt und zum Finale gibts noch einmal Saga-ähnliche Keyboardpassagen! „The Forest“ beginnt rhythmisch ruhiger, wartet einmal mehr mit Tempowechsel und zackigen Riffs auf, dann gehts im Midtempo zur Sache, ehe der gnadenlos phänomenale Refrain aufgeht wie ein Regenbogen! Grossartiger Song! Ich muss wahrscheinlich hier gar nicht mehr grossartig erwähnen, dass auch dieser Song im Instrumentalteil alle Register zieht, Dream Theater oder Edguy lassen grüssen und das ist als Kompliment gemeint. Und wieder dieser unfassbar schöne Chorus! Ich muss mir den Song immer wieder anhören! Mit „The Battlefield“ ziehen wieder Gewitterwolken auf, Streicher-Synths zu Beginn, dann straightes Riffing und – oh! – relaxter Sound und schön gesungene Strophe, im Chorus ziehen dann die Drums wieder etwas an und so geht es weiter. Insgesamt ein Song, der einmal mehr die kompositorischen Fähigkeiten und die Kompetenz der Band in Sachen Arrangements eindrucksvoll unter Beweis stellt. Dann Twin-Lead-Guitars und einmal mehr ein entfesselter Synthie, ehe der Song wieder anzieht und mit Piano und Vocals dezent und ruhig endet.

Warhawk-Cover

Mit „Between Two Worlds“ schrauben Warhawk das Tempo runter auf Chill-Modus, Piano und Keyboards weben den Klangteppich, auf dem dann die Leadstimme Pink Floyd-ig schwebt und ganz ohne Text auskommt. Cooler Song mit gefühlvoller Attitude. Dann kommt ein satter Midtempo-Stampfer: „Overdose“ groovt sich lässig weg, tolle Vocals und fette Riffs und dann endlich das erste (!) Gitarrensolo auf diesem Album. Ein geiles Riff eröffnet dann „Memory Of Sins“, es geht wieder flott zur Sache, fünfter Gang Vollgas auf der Überholspur! Double-Bass-Attacken und Gitarren, die stetig antreiben, toller Chorus, jede Menge Prog-Rock im Instrumentalteil, ehe die Nummer ruhig und chillig wird, um ein weiteres Gitarrensolo in sphärische Sounds zu hüllen. Ein symphonischer Schluss macht den Song zusätzlich interessant. Straightes Riffing zum Einstieg in „Jericho“, interessantes Arrangement und Abwechslung pur, – zu knackigen Riffs plötzlich funky Gitarren-Licks, ehe wieder die Post abgeht, um im Dreivierteltakt (!) mit Ziehharmonika (!) schaumgebremst zu enden. Grandios! Und dann läuten Keyboards auch schon den letzten Song „Men Of The God“ ein, der vom Speed her wieder kräftigst anzieht und einmal mehr abwechslungsreich arrangiert ist, die Sängerin liefert sich ein tolles Vocal-Duell mit dem Gastsänger George Rain, der auch streckenweise die Leadvocals übernimmt. Was Queen mit „Bohemian Rhapsody“ im Rock verewigten, schaffen Warhawk mit diesem Song in der Sparte Metal! Das geile Gitarrensolo im Halftime-Tempo spielt dann der tschechische Ausnahme-Gitarrist Honza „Kirk“ Behunek, der seine Wah Wah-Gitarre singen lässt wie dereinst Gitarrengott Jimi Hendrix. Der Song geht in die Endrunde und zieht nochmals kräftig an und ein fettes Finale beendet nicht nur diesen grandiosen Song, sondern leider auch schon diese CD! Man würde gerne noch mehr hören, aber egal, Warhawk ist eine Band, von der man mit Sicherheit noch recht viel hören wird und dieses Album ist ein Garant dafür, dass es eigentlich nur mehr steil bergauf gehen kann. Würde mich wundern, wenn Warhawk nicht schon bald auf Festivals wie „Wacken“ oder „Bang Your Head“ auftreten werden. Verdient hätten sie das auf alle Fälle schon jetzt! Klare Kaufempfehlung!

Rating: 9,5 von 10 Punkten!

Review by „Major“ Tom Proll

FACTS:

Line Up Warhawk:

Simona Reindlová (Vocals)

Mira Syrovátka (Guitar)

Franta „Fanny“ Farka (Guitar)

Stepán Halla (Drums)

Denisa „Denny“ Sochorová (Bass)

Pavel „Dvorkys“ Dvorák (Keyboards)

Album: „War Of Memories“ (2015)

Discografie:

„First Flight“ (2007, Demo)

„We Are Back“ (2009, EP)

„Depth Of Your Soul“ (2011, CD)

„War Of Memories“ (2015, CD)

Weblinks: Warhawk on facebook, Warhawk at Bandzone CZ