FELINE MELINDA – „Dance Of Fire And Rain“

Feline Melinda sind eine der dienstältesten Rockbands aus Italien, bereits 1988 machten sie mit ihrem Album „The Felines Await You“ lautstark auf sich aufmerksam, damals noch auf LP, erst 2010 wurde das Album endlich auf CD und memastered wiederveröffentlicht. Dann kam lange nichts, obwohl sich die Band live den sprichwörtlichen Arsch abspielte. Erst 1995 kam die EP „Living In Europe auf den Markt, mit zwar nur vier Songs, aber die hatten es in sich! Der Titeltrack kann heute getrost als einer der besten Rocksongs einer italienischen Band hergenommen werden und mit dem epischen „Don’t Cry“ haben sie zusätzlich noch eine Ballade für die Ewigkeit geschaffen! Dann gabs wieder eine längere Pause und erst 2004 kam das nächste Album auf den Markt: „Feline Melinda“ hatte nicht nur die 4 Songs der saustarken EP von 1995 drauf, sondern auch noch eine Reihe neuer Songs und das überaus gelungene Toto-Cover „Stop Loving You“. Und es dauerte danach 4 Jahre, bis endlich „Morning Dew“ das Licht der Welt erblickte. Dieses Album zementierte den hohen Stellenwert dieser oftmals sträflichst unterschätzten Band endgültig. Und dann mussten ihre Fans wieder ein paar Jahre warten… Aber nun ist es soweit: das neue 2014er Album „Dance Of Fire And Rain“ ist da!

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„Dance Of Fire And Rain“ zeigt am Cover den Rücken einer nackten Lady, die zwischen Feuer und Regen mit erhobenen Hände da steht, als würde man ihr eine Pistole anhalten: „Hände hoch!“. Naja, tanzen zwischen Feuer und Regen stellt das jedenfalls nicht dar. Aber es gefällt und macht schon mal neugierig. Nun, was tönt aus den Boxen? „Everybody Here“ geht schon mal mächtig ab, Double-Bass-Drum-Attacken de Luxe, heavy schrammende Gitarren und ein herrlicher Chor, dann ein affengeiles Gitarrensolo! Yes, Feline Melinda are fuckin‘ back! Auch der zweite Track schlägt in die selbe Kerbe. „Blue Diamond“ sägt auch fett am Brett! Bis hierher präsentieren die Jungs ein Gemisch aus Stratovarius, Dragonforce und Toto. Stratovarius, was die Geschwindigkeit betrifft, Dragonforce was die sehr solide und saubere Leadgitarrenarbeit des Neuzugangs Mattia „Headmatt“ Carli betrifft und Toto, was die Songwriterfähigkeiten und Chöre angeht. Aber, damit wir uns richtig verstehen, Feline Melinda kochen daraus ihr eigenes Süppchen. Und das ist ein leckeres! Das setzt sich auch beim dritten Song „Angel Eyes“ fort, bei dem Drummer Chris Platzer einen lässigen Drum-Mittelteil eingebaut hat. Platzer trommelt sich übrigens sehr solide durch das neue Album und steuert auch amtliche Backing-Vocals bei. Apropos Vocals: Sänger und Gitarrist Robert „Rob Irbiz“ Gallmetzer singt sehr souverän, beweist ebenso seine Fähigkeiten als Gitarrist, hat fast alle Songs im Alleingang komponiert und getextet! Respekt! Wir sind mittlerweile beim Song Nr. 4 angelangt: „Tears Of Sebastienne“ ist ebenfalls ein sehr solider Kracher. Und gerade als ich mir denke, dass die bisherigen Songs alle im selben Tempo gespielt sind und Langeweile aufzukommen droht, folgt ein klug arrangierter Mittelteil im Halftime-Tempo. Aber wo, bitte wo ist die obligatorische Ballade? Das können Feline Melinda ja am Besten…

YES! Da ist sie! Und „Luna (My Love)“ ist diese Jahrhundert-Ballade, die man immer wieder und immer wieder gerne hört! Robert singt herzzerreissend, – ist wohl Autobiographisches dabei? Jedenfalls haut einem der fantastische Chor förmlich aus den Socken und dann noch ein tolles, gefühlvolles Solo… Herz, was willst du mehr? Chöre bis zum Ende des Songs, moduliert und immer sauber am Pitch gesungen. Wenn Ballade, dann so! Dann folgt der Titeltrack „Dance Of Fire And Rain“, der wieder mächtig drauf hat, Headmatt greift wieder in die Saiten, dass es eine wahre Freude ist. Chöre ohne Ende. Man hat sich mittlerweile richtig reingehört und schon der nächste Track „Mountain Girl“ gefällt mit seinem zurückgeschraubten Tempo, den tollen Hooklines und der dennoch vorhandenen Heavy-Attitude. Alone beginnt mit Meeresrauschen und Klavier, – die nächste Ballade? Irgendwie, aber dennoch anders, instrumental, hymnisch, episch, Klavier, Streicher, – und dann ein Gitarren-Solo. Aber wer jetzt glaubt, Headmatt zerfrickelt alles mit zigtausend Tönen, dem sei ins Stammbuch geschrieben, dass sich der Saitenvirtuose hier zugunsten der Melodien zurückhält und sagenhaft melodiös spielt. „Girlfriend“ schraubt dann nach klug arrangiertem Intro das Tempo wieder auf die Überholspur. Langsamer Mittelteil, Solo vom Feinsten und dann wieder im fünften Gang und Vollgas inklusive furiosem Gitarren-Finale. Es folgt „Angel Eyes (Piano Version)“, und wie der Name schon sagt, dominiert hier das Klavier, superb gespielt von Gastmusiker Robbie Weger. Und Robert Gallmetzer singt einmal mehr voll Gefühl und Hingabe. Toll gemacht und sehr sauber gespielt und gesungen und trotz fünfeinhalb Minuten Songlänge niemals auch nur ansatzweise fad. Den Reigen schliesst dann der Bonus-Track „Dance Of Fire And Rain“ in einer „Extended Version“, um gut eine Minute länger als der Titeltrack. Und dann muss man zwangsläufig wieder „play“ drücken, weil man das Album immer wieder hören möchte!

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Rating: 9 von 10 Punkten. Die Italiener, die so fix zur italienischen Metal-Szene gehören wie Sterne auf den Nachthimmel, haben saubere Arbeit abgeliefert, tolle Songs geschrieben, erstklassig arrangiert und auf internationalem Niveau eingespielt! Altmeister Bobby Altvater hat hinterm Mischpult Grossartiges geleistet. Erwähnenswert auch Bassist und Backgroundsänger „Gschnell“, der noch nicht namentlich erwähnt wurde und ebenso seinen Teil zum Gelingen dieses Albums profund beisteuerte. Nicht erwähnen kann ich denjenigen, der die tollen Keyboards eingespielt hat, der wurde in den Credits schlicht verschwiegen, obwohl auch die Keyboardparts toll eingespielt wurden und einen unverzichtbaren Teil zum Gesamtsound beitragen. „Dance Of Fire And Rain“ ist ein sehr solides, abwechslungsreiches Album und stellt der Band ein sehr gutes Zeugnis aus. Besonders der Neuzugang Headmatt veredelte die neue CD mit seinem erstklassigen Spiel. Aber es sind in erster Linie die hervorragenden Songs, die zumeist unsterblichen Melodien, die ausgeklügelten Arrangements und der Abwechslungsreichtum, die Feline Melinda’s Erfolg zementieren! Very well done! Unbedingte Kaufempfehlung!

Review by Tom Proll

Weblinks:

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