THE INNER ME – „A New Horizon“ (CD-Review)

Eine neue Band aus Österreich: Bandleader, Gitarrist und Komponist Reinhard „Kotza“ Müller hat sich zwei Musiker der gnadenlos guten Band Firestorm – David Stawa (Vocals) und Daniel Thallamassl (Bass) – geholt und ein neues Projekt aus dem Boden gestampft, welches auf den Namen THE INNER ME hört und soeben das Album „A New Horizon“ veröffentlichte. Aber hören wir uns das gute Ding mal an…

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Double-Bassdrum-Attacken und fette Gitarren fräsen sich beim Titeltrack „A New Horizon“ ins Gehirn. Heilige Scheisse, das geht aber gleich mal fetzig ab!!! Die Band aus Laa an der Thaya (NÖ) überschreitet gleich zu Beginn alle Tempo-Limits und David Stawa singt mit einer Mischung aus Shouts, Growls und Screams, insgesamt aber deutlich aggressiver als bei Firestorm. Dafür lässt es Reinhard Müller beim Gitarrensolo erstmal etwas ruhiger angehen, spielt schöne Melodie-Bögen ehe er spitzbübisch zu Shredding- und Tapping-Attacken ansetzt. Sehr gut! „Eraser“ geht nach kurzem Vorspiel ebenfalls in die Vollen, hervorragende Vocals und ein unglaublicher Chorus! Was soll man sagen, das Album fesselt schon mit den ersten beiden Songs, denn auch hier sind die Bässe obersatt und kompetent gespielt, die Gitarren griffig und hookig, der Sound satt und frech. Wenn das also Metal der neuen Generation ist, dann immer nur her damit! „Eraser“ ist ja auch die erste Single und das coole Video dazu haben wir ja schon veröffentlicht! Genialer Song mit genialem Solo!

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Reinhard „Kotza“ Müller, Guitars, Drum Programming

„Serpent Kiss“ geht nahtlos über, fettes Riff und rhythmisch voll auf Angriff. Astreine Vocals, Stawa zieht alle Register seines fraglos vorhandenen Könnens! Könnte mir gut vorstellen, dass diese Band als support act für Motörhead auf einer Europa-Tournee eine gute Figur machen würde! Auch hier ein virtuoses Solo vom Allerfeinsten, Müller spielt sich mittlerweile bei jedem Song den sprichwörtlichen Arsch äusserst gekonnt ab. Auch hier wieder ein Chorus, der sich einfach von Einheitsbrei-Metal grundsätzlich unterscheidet. Müller, der das Album auch produzierte, ist ein schlauer Fuchs, denn nach 3 Hämmern im oberen metallischen Speedbereich kommt mit „Elephants In The Sky“ dann ein etwas „ruhigerer“ Rocksong: slow Intro, dann melodiöser Rock mit anständigen Riffs und einer leichten Tendenz zu AOR-Rock, speziell was die Vocal-Lines angeht, dann aber wieder lässige Breaks und fettes Riffing… geiler Song, der sich von den vorangegangenen Stücken deutlich abhebt und dennoch ins Konzept passt! Wie gesagt, ein schlauer Fuchs, dieser Routinier namens Müller, der auch für das profunde Drum-Programming und den amtlichen Mix verantwortlich zeichnet. „Elephants In The Sky“ ist echt gelungen und erinnert stellenweise an Judas Priest in deren besten Zeiten. Selbstredend natürlich wieder ein fetziges Gitarrensolo…

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Daniel Tallamassl, Bass

Dann schrauben The Inner Me das Tempo noch ein wenig mehr zurück und haben mit „Breakdown“ einen Midtempo-Kracher allerfeinster Prägung geschaffen. Aber einmal mehr satte Riffs, rotzige Vocals und ein unheimlich melodiöser Refrain. Punkto Songwriting haben die Jungs bislang nix anbrennen lassen und „Kotza“ reisst natürlich wieder ein lässiges Solo an, diesmal mit coolen Licks und Wah Wah-Pedal. Ein Flanger-Riff eröffnet dann „The Chase“, mit dem wir auch wieder beim ursprünglichen Uptempo angelangt wären. Stawa growl’t, grunzt, lacht und gröhlt, der Song an sich ein Headbanger erster Güte, dennoch wieder ein toller Chorus und solide Gitarrenarbeit, Bass und Drums immer straight forward… langsam wird mir diese Band unheimlich! „Copkiller“ beginnt verhaltener, bleibt auch laid back, eine Art „fast Doom“ sozusagen. Natürlich auch ein Song, der einem in seinen Bann zieht, denn auch hier ist Abwechslung angesagt, der Refrain wieder wie aus einem „Lehrbuch für herausragende Songs“, die Gitarren brachial, fett, melodiös und solide. Unglaublich, was ich bis hier her gehört habe, lässt mich hoffen, dass aus Österreich endlich wiedermal eine Band kommt, die im Metal locker in der europäischen Oberliga mitspielen kann!

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David Stawa, Leadvocals

„Sentenced To Death“ ist dann wieder ganz anders, heavy und doomig, dennoch rifflastig und nach vorne drängend. Hierauf singt Stawa bislang am besten, dann ein Refrain, der mit den vorangegangenen mithalten kann, obwohl ganz anders arrangiert. Aber es hätte mich eh gewundert, wenn dem Herrn Müller die Ideen ausgegangen wären! Das Gitarrensolo diesmal groovig, eher zurückhaltend und mit Elementen aus Blues und Rock’n’Roll ausgeführt, feine Sache, denn es muss ja nicht immer abgeshreddert werden! Fette Brachial-Riffs knallen einem bei „Bestseller“ um die Ohren, die Vocals zuerst verfremdet, dann wieder glasklar, die Gitarren tief und kraftvoll, der Chorus einmal mehr catchy, die Leadgitarren provokant und im ending als Twin-Lead-Guitars abgefackelt, – könnte auch ein Song vom neuen Iron Maiden Album sein! Genial! Dann das „Herzstück“ dieses Albums. Der mit 6:46 min längste Song des Albums hört auf den Namen „A Cause Of Consequence“ und beginnt mit cleanen (!) Gitarren, nett und ruhig, – und hinterfotzig, weil ein gnadenloses Riff folgt, David in Höchstform, alles schön unterlegt mit Double-Leadguitars, groovig und ab der Mitte des Songs mit einem Gitarrensolo, welches sich unaufhaltsam von melodiösen Passagen hin zu lässigen Double-Leads steigert. Einmal mehr ein Chorus, der einfach hängenbleibt und dann wieder Twin-Lead-Attacken, ehe „Kotza“ zum Finalsolo abhebt wie eine F14 mit Nachbrennern vom Flugzeugträger!

tim cover

Hat man das Album durch ist man erstmal sprachlos, dann drückt man erneut auf „play“ und entdeckt immer mehr Feinheiten, speziell beim Gesang und den Gitarren und das soll hier keinesfalls die fundamentale Arbeit der Rhythm-Section schmälern! Hier groovt alles wie die Sau und auch das Songwriting lässt keine Wünsche offen. Der Wermutstropfen: das Cover-Artwork ist schlicht und ergreifend in die Hose gegangen… Was soll dieser „Penis-Querschnitt“ mit angedeuteten Augen? Unscharf und abstossend, kindisch und ideenlos… Also die Fotos im Booklet von Chris Kaltenecker sind absolut Klasse, – nur das Artwork von Ingrid Beisser ist schlicht beschissen und kontraproduktiv, weil hier doch die Gefahr besteht, dass die unglaublich lässige Metal-Mucke auf dem Album ungehört in den Regalen verstaubt, weil das Cover die Musik weder repräsentieren noch verkaufen kann. Sehr sehr schade!!! Aber vielleicht ist die Erstpressung bald verkauft und man engagiert jemand, der von Covergestaltung eine Ahnung hat und ändert das noch, denn bevor man die Musik überhaupt zu Gehör kriegt, sieht man im Platten-Laden erstmal das Cover und das ist null und nix! Und schade, weil die Musik auf „A New Horizon“ erste Metal-Sahne ist!

Rating: 9 von 10 Punkten! Die Höchstwertung zum Greifen nahe, – aber das Front-Cover-„Artwork“ hat dies brutal zunichte gemacht!

CD-Review by TOM PROLL

Weblinks: Official Homepage, facebook

Fotos made brilliant by Chris Kaltenecker (official Homepage, facebook)