CATWALK – „…Out Of Nowhere“ (CD-Review)

Hier geht’s nicht um die finnische Band Catwalk, die mit „Catwalk“ (1985) und „Love Is On The Line“ (1986) zwei hervorragende Rock-Alben veröffentlichten, sondern um die namensgleiche Kultband aus Graz rund um das Szene-Original Johnny Schwarzinger. Die Grazer Catwalk veröfffentlichten 6 Alben und galten als eine der besten österreichischen Rockbands. Vor etwa 10 Jahren legte Johnny Schwarzinger seine Band auf Eis und tingelte sehr erfolgreich als „Da Hans und seine Saitenreisser“ durch die Lande. Hierfür wechselte er allerdings ins kabarettistische Lager. Aber irgendwie hat ihn scheinbar der Rock nicht losgelassen und so verkündete er im Herbst 2015 das Comeback von Catwalk. Allerdings blieb nur mehr er selber von der Urbesetzung übrig. Die neue Besetzung ist daher: Johnny Schwarzinger (Leadvocals, Bass), Mario Pohn (Guitar), Flo Schnabl (Drums) und Norbert Steinkellner (Keyboards). Das Comeback-Album ist jetzt erschienen und hört auf den Namen „…Out Of Nowhere“. OK, das hörn wir uns mal an!

Das Album beginnt mit „Fire In Your Heart“ schon mal geil und Schwarzinger verfügt noch immer über dieses unglaubliche Tremolo in der Stimme. Und seine neuen Bandkollegen spielen so was von gut, dass es eine wahre Freude ist. „Fire In Your Heart“ kann klar als fast schon progressive Hardrockperle im Midtempo punkten. Da kommt Freude auf! Catwalk anno 2016 sind besser denn je! Mit „Tonight“ präsentiert uns die Band eine Neuaufnahme eines Songs, der auch schon auf „To The Backbone“ (1993) zu finden war. Nur ist die Neuaufnahame um einiges zackiger ausgefallen und das Gitarrensolo ist fraglos erste Sahne! „The Mountain“ gibt dann Vollgas, es geht im Uptempo ab, was der Kasten hergibt! Das kommt gut und macht Laune, auch dann noch, wenn der Song in die Halftime abbremst und Schwarzinger singt, dass es eine wahre Freude ist. Der Chorus geht wieder voll ab. Insgesamt ist das ein Song, der deutlich macht, dass Catwalk nicht nur wieder da sind, sondern offensichtlich noch lange dableiben wollen! Die kasperlhafte Attitüde von „Mia kawan afoch ois“ ist wieder einem absolut ernsthaftem Anspruch gewichen, getreu dem Catwalk-Motto vergangener Tage: „Nix Tschäss, Nix Fank, Nur Rak’en’Roul!“ So macht das echt Spass und den hatten die Jungs hörbar mindestens ebenso!

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Dann kommt mit „It’s Not Easy“ ein weiterer Song von „To The Backbone“ und der ist in der Neu-Version ebenfalls geiler ausgefallen als im Original. Besonders der Chorus weiss auch heute noch zu gefallen und die Band hat daraus ein echtes Highlight gemacht, das Gitarrensolo ist abermals ein Hammer. Dann der Mittelteil, wo wieder die Gitarre sehr fein soliert. Absolut geiler Song! „Head On The Desert“ kommt geil a la Deep Purple aus den Boxen. Das Mainriff besticht durch unisono parts und durch den treibenden Beat. „It Came On To Rain“ schaltet wieder ein paar Gänge zurück und ist eine herrliche Rockballade, die von Johnny’s erstklassigem Gesang und der geilen Leadgitarre von Mario Pohn lebt! Im Soloteil duellieren sich Pohn (Gitarre) und Steinkellner (Hammond B3) wie dereinst Blackmore und Lord bei Deep Purple. Saugut gespielt und herrlich gemacht! Ein wirklich guter Song, der auch sofort hängen bleibt! „I Want You To Know“ ist auch im Original auf „To The Backbone“ und ist in der Neuaufnahme wesentlich fetziger, als im seinerzeitigen Original. Der Song ist auch kompositorisch und punkto Arrangement eine Klasse für sich. Der nächste Song „So Here I Am“ ist einmal mehr eine qualitativ hochwertige Rockballade, wo sich Schwarzinger die Seele aus dem Leib singt, gekrönt von einem endgeilen Gitarrensolo!

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„Hole In The Sky“ fand man schon 1989 auf dem allerersten Catwalk-Album und das 2016er Remake ist natürlich nicht nur um Jahre älter, sondern auch um Klassen besser! Um diesen Song wäre es echt schade gewesen! Vollkommen richtige Entscheidung, den Song in ein moderenes Soundkleid zu stecken und neu aufzunehmen! Hier haben Catwalk eine feine Hymne geschaffen, die irgendwo zwischen Pink Floyd und Uriah Heep pendelt und ein sehr gutes Beispiel dafür ist, dass man auch heutzutags noch mit „alten Stilmitteln des Rocks“ anständig Musik machen kann, die nicht einmal altbacken klingen! Selbstredend ist auch das Gitarrensolo wiedermal ein Bringer! Es folgt mit „Verge Of Ruin“ der mit 9:14 Minuten längste Song des Albums, der irgendwie an Yes erinnert und mit einem wunderschönen cleanen Gitarrenriff verzaubert. Im Chorus legen die Jungs einen Zahn zu, ehe der Song wieder zahmer weitergeht. Und so reiht sich ein Songteil an den anderen, bis wieder die Gitarre in den Mittelpunkt rückt und ein herrlich gefühlvolles Solo zaubert. Und hier unterscheidet sich der Song von den vorhin erwähnten Yes, denn deren Gitarrist Steve Howe ist niemals zu so feinen Hooklines fähig! Die B3 übernimmt dann, ehe wieder der Chorus einsetzt. Auf alle Fälle nicht nur der längste Song, sondern auch der interessanteste!

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Mit „Coming Out Of Nowhere“ folgt der Titeltrack, der ganz schön heavy durch die Äcker pflügt. Ein klasse Song der etwas härteren Gangart und auch das passt gut zu den neuen Catwalk! „Dr. Jekyll And Mr. Hyde“ hat man ebenfalls auf „To The Backbone“ das erste Mal gehört und auch diese Remake ist wesentlich besser als das auch schon sehr gute Original. Ein abwechslungsreicher Rocksong mit einem Monster-Riff, ganz typisch nach den Catwalk der 90er klingend, die damals eine absolut herzeigbare Live-Band waren und mit „Toilet Nightmare“ einen recht passablen Hit hatten! Wir kommen zum Schluss dieses Albums. „Shadow Of A Shade“ ist eine Ballade mit fretless bass lines, Klavier und laid back vocals des Herrn Schwarzinger! Ein überraschender, sophisticated jazzig anmutender aber geiler Schluss eines echt lässigen Albums!

OON

Nun, die meisten Reviewer haben sie mit Deep Purple verglichen, nun -, das stimmt auch, aber eben nur teilweise, denn die neue Crew um ihren alten Kapitän fischt in allerlei Gewässern und haben somit ihren eigenen Musikkosmos erschaffen, der den alten Catwalk zur Ehre gereicht und den neuen Catwalk ein saugutes Zeugnis ausstellt!

Rating: 8 von 10 Punkten!

CD-Review by TOM PROLL

Weblinks: Catwalk Homepage, Catwalk auf facebook

Catwalk Discographie:

  • „Catwalk“, 1989
  • „Hard + Roll“, 1991
  • „To The Backbone“, 1993
  • „Catwalk- Fast Live!“, 2000
  • „Miakaw wanafo chois“, 2002
  • „Hewi medl leit“, 2003