27. Szene Open Air Lustenau – eine Rückschau (Live-Review)

Das 27. Szene Openair fand 2016 vom 4.8. bis 6.8. statt und war einmal mehr ein tolles Festival! Über 400 ehrenamtliche Mitarbeiter sorgten mit vollem Einsatz dafür, dass die über 20.000 Besucher ein Festival mit einem reibungslosen Ablauf geniessen konnten. Die Besucher dieses stimmungsvollen Festivals am Alten Rhein liessen sich dafür aber auch nicht von Regen und Schlamm vom feiern und abrocken abhalten. Dass der Campingplatz von einem Regensee wieder zu einem bewohnbaren Zeltplatz wurde, das ist der Feuerwehr Lustenau zugute zu halten. Auch der Platz vor der Bühne wurde nach dem starken Regen am Donnerstag mit Stroh wieder schlammfrei begehbar gemacht. Hut ab vor der gesamten Organisation, denn, unsereiner seit Jahrzehnten festivalerprobt, hat das nur selten erlebt, dass ein Shuttle-Bus-Service auch wirklich tadellos funktioniert und seit Jahrzehnten ist das Szene Openair dafür bekannt, dass der Festivalplatz nach Beendigung des Festivals wieder pico bello gesäubert wird. Daran haben aber auch die Besucher grossen Anteil, die einfach auch mit darauf schauen, dass es nicht ausschaut wie in Wacken oder sonstwo… Seit 2009 wird ein eigenes Müllvermeidungskonzept umgesetzt, und seit 2013 soll die Teilnahme an der Kampagne „Love Your Tent“ Camper dazu motivieren, nach Ende des Openair ihr Zelt wieder mitzunehmen. Das Gastro-Angebot am Szene Openair ist gut, ausreichend und überschaubar, die Auftritte sind lässig gestaffelt und das 3-Bühnen-System hat sich bestens bewährt. Und dann das unbeschreibliche Flair dieses Platzes! Das grösste Festival in Westösterreich hat sich mega etabliert und gilt als Fixpunkt am Festival-Himmel in Westösterreich, der Ostschweiz und im benachbarten Süddeutschland. Und das zu recht!

motherscake
Die Tiroler MOTHER’s CAKE live on stage beim 27. Szene OpenAir

Musikalisch bietet das Szene Openair einfach alles, von regionalen Newcomern über arrivierte Acts bis hin zu internationalen Stars. Da haben auch Nischen-Bands eine Chance und aufgrund des 3-Bühnen-Systems ist da aber auch wirklich für jeden was dabei. Speziell für den Punkt der Nachwuchsförderung gehört den Veranstaltern ein Ehrenorden umgehängt! Man ist aber auch als Reporter beim Szene Openair sehr gut aufgehoben, ein lässiger Presse-Bereich mit (funktionierendem!) WLAN und free drinks, integriert in den V.I.P.-Bereich – das kann was! Alle Bands kann man sich aber leider nicht geben, unmöglich alle zu reviewen… deshalb hier nur ein kleiner Auszug dessen, was sich auf den Bühnen so abgespielt hat. MoTrip ist ein deutscher Rapper libanesischer Herkunft und der machte seine Sache echt gut. Der hiterprobte Rapper performte völlig frei von Star-Allüren und lieferte ein wirklich gutes Set ab, – und das sage ich, der mit dieser Musik normalerweise aber sowas von überhaupt nix anfangen kann! Weiters positiv aufgefallen sind die Tiroler Mother’s Cake, die ihren spacigen Prog-/Retro-Sound wirklich gut rüberbrachten. Das Trio hat sich für ihre Live-Auftritte mit einem Keyboarder verstärkt und überzeugte auch den im V.I.P.-Bereich begeistert zuhörenden Steel Panther-Frontman Michael Starr! Was der genau sagte, findet ihr im Rahmen des Steel Panther Live Reviews. Dann SSIO: der deutsche Rapper mit afghanischen Wurzeln brachte seinen Drummer und einen DJ mit, beide thronten auf Podesten, die wahrscheinlich vom Faschingsumzug-Flohmarkt stammten… Kindischer und unprofessioneller gehts ja wohl nimmer, – diese Faschings-/Flohmarkt-/Provinztheaterkulissen-Optik sorgte eher für mitleidige Lacher als für ein gelungenes Stage-Design. Musikalisch auch nicht gerade das Gelbe vom Ei. Dafür waren die Holländer De Wolff eine der grossen Überraschungen: Psychedelic- und Blues-Rock vom Feinsten im Trio-Outfit. Mit viel Herzblut und Feeling brachten sie das Zirkuszelt zum kochen und haben sich damit in meine Erinnerung tief eingegraben! Geiles Konzert! Das konnte an diesem Donnerstag nur mehr eine Band toppen: richtig! – Steel Panther! Und die lieferten trotz starkem Regens eine sensationelle Show ab! Hier findet ihr das Steel Panther Live Review !

rammelhof
Die Überraschung: die Wiener Rock-Extravaganza RAMMELHOF.

Den Freitag musste ich leider auslassen, dafür war ich am Samstag wieder live dabei. Die erste Band an diesem Tag, die eine Erwähnung wert ist, war die Wiener Rockband Rammelhof, die durch qualitativ erstklassigen Rock und eine coole Bühnenshow nachhaltig auf sich aufmerksam machte. Very well done! Tja und etwas später dann die Wiener Schmäh-Pop-Rocker Wanda, die mit arroganten Sprüchen wie „Lustenau! schreit nicht buh, – feiert uns!“ einen sehr bittern Beigeschmack hinterlassen haben. Die Kontroverse zum Hype-Produkt Wanda und die Konzert-Kritik ihres „Auftrittes“ in Lustenau findet ihr im Wanda Live-Bericht ! Und nach diesem „Konzert“ musste ich dieses tolle Gelände und dieses so liebevoll organisierte und professionell durchgezogene Festival verlassen, damit ich mir meinen äusserst positiven Gesamt-Eindruck behalte. Diese Wiener Arroganzbestien in Musikanten-Verkleidung sind absolut nicht mein Fall. Das Szene Openair allerdings ist ein Festival zum entdecken, was Neues hören und sich wohlfühlen. Dort gibt’s keine arroganten und selbstherrlichen Security-Menschen, dort wird Freundlichkeit groß geschrieben und Service allenorts. Dort muss man nicht zig Kilometer vom Parkplatz durch staubige Feldwege zum Konzert marschieren, dort ist alles mit wenig Aufwand schnell erreichbar. Beim Szene Openair gibt’s ein tolles Gastro-Angebot und ich hab dort nicht eine einzige gewalttätige Ausschreitung erlebt! Und WLAN und Shuttle-Bus-Service funktionieren einwandfrei! Ich kann dieses Festival nur weiterempfehlen und werde selber gerne wiederkommen! Wann? 2017 findet das 28. Szene Openair vom 3.8. bis 5.8. statt. Be there and enjoy!

Live-Review by TOM PROLL

Weblinks:

Szene Openair Homepage, Szene Openair facebook

zugehörige Links zu diesem Bericht:

Wanda Live Review, Steel Panther Live Review

Das war das Szene Openair 2016 im Zeitraffer: