DOWN TOWN BLUES VIENNA – „Live im Tunnel“ (CD-Review)

Irgendwann hat PR-Weltmeister Jürgen Rottensteiner seine Downtown Blues Band in Down Town Blues Vienna irgendwarum umbenannt und diese g’standene Bluesband gibt’s nun schon eine gefühlte halbe Ewigkeit mit Pausen, der Ruf einer der besten Live-Bands Österreichs eilt ihnen gnadenlos voraus und sie laufen darob auch bei jedem Gig derart zu Höchstform auf, um den enormen Vorschusslorbeeren gerecht zu werden. Und nun ist das Live-Album „Live  Im Tunnel“ erschienen, welches den guten Ruf der Band ebenfalls eindrucksvoll unter Beweis stellt!

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Gleich der erste Track geht voll ab: „If You’re Goin‘ To The City“ geht in die Vollen und ab, was das Zeug hält! Dem Original von Mose Allison steht diese Version um nichts nach! Jürgen Rottensteiner singt gnadenlos gut, spielt Blues-Harp mit einer Hingabe und der Rest der Band – Michael Berger (Guitar), Werner Karall (Bass) und Daniel Klemmer (Drums) – grooven sich lässig weg, dass es eine wahre Freude ist. Der nächste Track ist Bo Diddley’s „Before You Accuse Me“, welcher speziell in der Version von Eric Clapton Weltbekanntheit erlangte, und sich auch von dieser Formation hören lassen kann. Berger geigt hier ein lässiges Solo und „Rotti“ glänzt einmal mehr als Sänger und Harp-Spieler. Der Klassiker „Suzie Q“ zeigt die Band dann von ihrer rockig bockigen Seite, die Gitarre fetzt sowas von geil und Rottensteiner gibt dem Ganzen mit seinem Querflötensolo noch eine ganz besondere Note! Für mich eine der besten Versionen überhaupt! John Mayall’s „Rome To Move“ ist ja sowas wie die „Parade-Nummer“ für Blues-Harpisten und darf natürlich im Repertoire von Down Town Blues Vienna auch nicht fehlen. Natürlich zeigt Jürgen Rottensteiner hier eindrucksvoll, was er auf der Harp drauf hat und das kann sich wahrlich hören lassen! Das ist schon internationale Klasse, mein lieber Scholli… ähhh lieber Rotti! Mit einer rockigen Version von „Honky Tonk Woman“ geht’s dann wieder auf die Überholspur und die Leadvocals überzeugen auch hier. Unpackbare Harp-Fills und lässige Leadguitar-Fills in der zweiten Halbzeit und dann noch ein amtliches Gitarrensolo! Das ist schon wirklich alles sehr fein interpretiert und kann sich wahrlich hören lassen!

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„Trouble In Mind“ (im Original von Jazz-Pianist Richard M. Jones) führt die Band dann wieder zurück zum bodenständigen Blues und auch hier hauen die Protagonisten ordentlich auf den Putz, Gitarrensolo und Harp sind vom Feinsten und auch die Vocals sind erste Sahne! Dann erklärt uns Rottensteiner „Why I Sing The Blues“ und seine Band macht auch bei dieser B.B. King-Nummer keine schlechte Figur! Und erst das Gitarrensolo! Das fetzt ordentlich und macht Lust auf mehr! Klar, dass auch ein Harpsolo nicht fehlen darf und auch für das gibt’s die Bestnote! Danach drücken sie mal schnell auf’s Gaspedal und hauchen Led Zeppelin’s „Rock & Roll“ neues Leben ein. In der Down Town Blues Vienna-Version kommt der Song ein paar Zacken härter als in der schon sehr guten Originalversion und ans Gitarrensolo hängen sie mal eben ein Harp-Solo dran! So macht Cover-Musik Spass!  Das Live-Album endet mit der Bill Withers-Nummer „Ain’t No Sunshine“, die natürlich auch auf ihre ureigene Version hingebastelt wurde. Auch hier lassen sie nix anbrennen, haben einen Gang zurückgeschaltet, ohne ihrer ureigenen Energie verlustig zu werden und das gelingt nicht vielen Bands! Das Gitarrensolo ist dann ein ausgewachsenes Rock-Solo und als die Band wieder abbremst, kommt ein geiles Harp-Solo! Was für eine gnadenlos andere und gnadenlos gute Version! So hätte das der Herr Withers auch gerne gespielt!

Down Town Blues Vienna: 1993 gegründet, bis 2004 aktiv, dann 12 Jahre Spielpause – quasi „Vorruhestand“ – und das Comeback im Januar 2016 und jetzt das geile Album „Live im Tunnel“! Diese Band sollte man sich wirklich mal geben, wenn sie wo live auftritt, dann allerdings schon mit dem neuen Schlagzeuger Bertl Baumgartner! Und sozusagen als Vorgeschmack sollte man sich diese CD kaufen und non stop anhören! Habe selten so eine frisch musizierende Band gehört, die nicht bloss covert, sondern den Songs eine eigene Note verpasst. Hier spielen gestandene, handgeschnitzte Musiker ehrlichen Blues und erdigen Rock ohne Hintergedanken oder finanziellen Interessen, es geht hier um die Songs, es geht hier um die Musik, Blues & Rock’n’Roll! Yeah!

Rating: 9 von 10 Punkten!

CD-Review by TOM PROLL

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