MARKUS LINDER – interviewt von Michael Stecher zum 20. Jubiläum des „New Orleans Festivals“ in Innsbruck und vieles mehr…

Zwanzig Jahre „New Orleans Festival“ in Innsbruck. Anlass genug für uns von X-ACT, uns mit Markus Linder, dem Veranstalter und „Erfinder“ dieses Kultfestivals zusammen zu setzen und ein wenig zu plaudern. Herausgekommen ist ein überaus angenehmes Gespräch mit einem der interessantesten Künstler in der österreichischen Szene.

X-ACT: Das New Orleans Festival gibt es jetzt seit zwanzig Jahren. Wie bist du damals auf die Idee gekommen, so ein Festival in Innsbruck zu starten und zu etablieren?

Markus Linder: „Ganz wichtig ist da für mich meine Frau Sabine als Managerin, Beraterin, Regisseurin und strategische Visionärin. 1992 war ich das erste Mal in New Orleans. Es hatte immer schon eine Faszination für mich. Mit zehn Jahren habe ich im Radio Nummern aus New Orleans gehört, das hat mich sozusagen magisch angezogen und darum hab ich in einem Kabarettprogramm einmal behauptet, ich war in meinem früheren Leben Bluespianist in New Orleans. 1996 bin ich wieder nach New Orleans gefahren und 1998 zum ersten Mal mit meiner damals noch Freundin Sabine. Ich habe ihr immer über New Orleans erzählt. Sabine kam nicht vom Blues, sondern für sie war es eine neue Welt und diese Faszination hat sie voll gepackt. Und uns kam die Idee, nicht nur die Musik, sondern das ganze Lebensgefühl nach Innsbruck zu bringen. So kam eines zum anderen und der damalige Stadtrat Rudi Federspiel, für den Tourismus zuständig, hat die Weichen gestellt, dass 1999 das erste Festival über die Bühne ging.“

X-ACT: Wie hat sich in deinen Augen das Festival über die Jahre hin entwickelt?

Markus Linder: „Großartig für mich, dank der nicht abreißenden Begeisterung unseres Publikums. Am Anfang waren wir mit ganz kleiner Bühne am Marktplatz. Sabine hat gesagt, probieren wir es und wenn es nichts wird, dann lassen wir es. Es ist aber von Beginn an super aufgenommen worden. Wir bemühen uns auch jedes Jahr besser zu werden, von der Bühne, von der Gastronomie. Nach wie vor ist die Begeisterung ungebrochen und das gibt mir die Energie weiter zu machen.“

X-ACT: Welche Veranstaltungen können die Besucher des „New Orleans Festivals“ besuchen?

Markus Linder: „Es gibt die vier Kerntage am Landhausplatz und rundherum ein immer größer werdendes Rahmenprogramm, was es auch schon seit vielen Jahren gibt. Zum Beispiel unter dem Motto „Der Hausberg hat den Blues“ am 15. Juli. Auf fünf Almen am Patscherkofel wird Blues gespielt und die Besucher wandern von Hütte zu Hütte. Es gibt auch einen Spezialabend im Casino. Heuer unter dem Motto „Louis Prima – just a gigolo“ einer der größten Interpreten von New Orleans. Im ORF gibt es einen Vortrag, „Jazz – die Musik der Globalisierung“. Am 12. Juli nehmen fünfzehn Lokale in Innsbruck an einer langen Nacht der Musik teil. Es wird immer mehr und so dauert das Festival jetzt in Summe bereits zweieinhalb Wochen.“

X-ACT: Wie ist das organisatorisch zu bewältigen – das hört sich ja nach einem Ganzjahresjob an…

Markus Linder: (lacht) „So ist es. Meine Frau sagt immer wieder, schreib dir doch einmal die Stunden auf. Nur um einmal einen Anhaltspunkt zu bekommen. Weil ich ein Perfektionist bin und sehr detailverliebt bin, es wird meiner Meinung nach ja auch erst gut, wenn auch die Details passen, fange ich immer früher an zu planen. So früh wie heuer habe ich noch nie begonnen zu planen, deshalb sehe ich der Veranstaltung auch gelassen entgegen. Die vier Tage am Landhausplatz sind sehr intensiv, aber nicht stressig.“

X-ACT: Das ist aber für einen Künstler eher untypisch.

Markus Linder: „Ich bin da eher untypisch, weil ich sehr gut strukturiert bin. Das ist mein Vorarlberger Gen, ich bin genau, bin Frühaufsteher. Ich habe auch kein Management, das mache ich alles gemeinsam mit meiner Frau.“

X-ACT: Nach welchen Kriterien suchst du die Künstler für das Festival aus?

Markus Linder: „In Tirol haben wir viele hervorragende Musiker und Künstler, zu neunzig Prozent treten ja heimische Musiker beim Festival auf. Wichtig ist natürlich das stilistische, im Volksmund wird das Festival ja oft fälschlicherweise als Jazzfestival bezeichnet. Es ist ein Rhythm and blues Festival. Rhythm and Blues ist eine Vorform des Rock’n’Roll, die in den Städten entstanden ist, ausgehend von New Orleans. New Orleans ist nicht nur die Geburtsstätte des Jazz, sondern auch des Rhythm and Blues und später des Funk. Heuer haben wir zum Beispiel auch eine Funkband im Programm. Rhythm and Blues heißt für mich Entertainment. Das ist auch die Linie von Sabine und mir für das Festival – gute Musik und Entertainment. Unter diesem Gesichtspunkt haben wir die Musiker in New Orleans ausgesucht. Handverlesen, ohne Agentur, direkt von den Clubs – wir sind durch Clubs getingelt und haben geschaut, was uns berührt. Um auf die Frage zurück zu kommen, stilistisch bewegt sich das bei mir zwischen Blues, Rhythm and Blues, Funk, Soul und Gospel, das ist so mein Rahmen.“

X-ACT: Am Donnerstag Abend sehen wir unter dem Titel „Tyrolean Blues Night“ einige bekannte Gesichter.

Markus Linder: „Ein Grundkonzept, welches von Sabine und mir bereits vor fünfzehn Jahren erfunden wurde. Meine Band ist die Hosting Band, welche am meisten Vorbereitung braucht. Heuer haben wir zum Beispiel einen jungen Tiroler Sänger dabei, Daniel Fink, der gleichberechtigt mit Chucky C. auf der Bühne stehen wird. Oder auch Nadine Beiler und Franz Posch, jeder spielt mit uns zwei Nummern.“

X-ACT: Welches waren die Highlights aus den letzten zwanzig Jahren New Orleans Festival?

Markus Linder: „Es waren schon viele Momente, die Stars aus New Orleans und wenn das Wetter schön war, aber auch die Begegnungen der heimischen Künstler mit den Musikern aus New Orleans. Was für mich besonders in der Erinnerung geblieben ist, was besonders tief in die Seele gegangen ist, war als Chucky C. 2005 beim Wirbelsturm „Katharina“ seine Frau verloren hat. Danach gab es eine breite Welle der Hilfsbereitschaft bei Bands aus Tirol und viele Bands haben Benefizkonzerte gespielt und die Gage für Chucky gespendet. So konnte ihm eine schöne Summe überwiesen werden, die er für die Beerdigung verwenden konnte. Es war ja auch alles überflutet und es waren irrsinnige Schäden zu verzeichnen. Im Jahr darauf kehrte Chucky C. wieder nach Innsbruck zurück. Als er dann auf der Bühne stand, sich bei allen bedankt hat und für seine Frau einen Song gesungen hat, das war Gänsehaut pur.“

X-ACT: Du hast ja CDs im Vorarlberger Dialekt veröffentlicht und wohnst als Vorarlberger in Tirol. In Vorarlberg gibt es im Gegensatz zu Tirol eine sehr lebendige Dialektszene. Worauf führst du das zurück?

Markus Linder: „Einerseits auf eine langjährige Linie vom ORF Vorarlberg, vor allem von Guntram Pfluger. Der auch einen großen Mundart – Pop – Rock Bewerb ins Leben gerufen hat. Und andererseits auf den Einfluss der Schweiz. In der Schweiz gibt es eine blühende Pop/Rock Szene. In allen Sendern wird Schwyzer Musik gepusht und das hörst du auch an den Produktionen.

Wobei es auch in Tirol die Sendung „Tirol am Beat“ mit Klaus Horst und Timo Abel gibt, die ich ausdrücklich loben und hervorheben möchte.“

X-ACT: Mit welchen Musikern spielst du bei deinen CDs zusammen?

Markus Linder: „Einerseits spiele ich mit der Markus Linder Band – mit Marc Pauli, Simon Cede, Werner Heidegger, Kurt Wackernell und Sani Kunchev. Musiker mit denen ich mich total wohl fühle. Simon Cede ist ein toller Entertainer und Musiker, der ein ganz guter Freund von mir geworden ist. Simon hat eine gewaltige Bühnenpräsenz – er braucht nur auf der Bühne zu stehen und ins Publikum zu schauen und die Leute rasten aus.

Und die Incredible Southern Blues Band feiert nächstes Jahr ihr 30jähriges Bestehen. Da spiele ich mit Gianni Ghirardini, Werner Heidegger und Roland Egger. Diese spezielle Mischung aus Blues und Rock hat in den Jahren sehr viele Fans gewonnen.“

X-ACT: Deine aktuelle CD heißt ja „Da Spätzle-Django“. Erzähl uns doch was darüber.

Markus Linder: „Bei meiner neuen CD habe ich sehr intensiv mit Manu Stix zusammen gearbeitet. Bei vielen Songs hat Manu mitgeschrieben und seinen Input geliefert. Er hat sich die Songs angehört und dann gesagt: So würden die Fans erwarten, dass Du diese Nummer singst, probier es doch einmal anders. Mit Manu verbindet mich musikalisch und auch menschlich sehr viel.“

X-ACT: Wie ist eigentlich dein Projekt mit Hubsi Trenkwalder entstanden?

Markus Linder: „Von der Bürgerstube in Axams wurde ich gefragt, ob ich gemeinsam mit Christina Sprenger bei einem Benefizabend für die Kinderkrebshilfe mitmachen möchte. Damals war die Christina Sprenger mit Hubsi Trenkwalder liiert. Kurz danach entstand die Idee, dass wir einmal gemeinsam auftreten. Anfänglich waren es nur sporadische Auftritte. Vor zwei Jahren haben wir überraschend das „Salzfassl“, einen Kleinkunstpreis verliehen bekommen. Daraufhin haben wir beschlossen, mit unserem Projekt Gas zu geben. Hubsi ist mittlerweile einer meiner besten Freunde geworden. Wir ergänzen uns wirklich super, zwei Tasteninstrumente sind zwar etwas ungewöhnlich, aber es funktioniert. Er ist irrsinnig witzig und hat einen skurrilen, schwarzen Humor. Des taugt mir einfach, die Programme laufen wirklich toll.“

X-ACT: Du spielst auch bei der Kultserie „Vier Frauen und ein Todesfall“ mit? Wie bist du dazu gekommen?

Markus Linder: „Die Drehbuchautoren Uli Bree und Rupert Henning haben mich zum Casting vorgeschlagen. Mit Adele Neuhauser habe ich dann eine Szene gespielt und wurde genommen. Bei sechs Staffeln war ich dabei, die achte und neunte Staffel wurden noch nicht ausgestrahlt. Aus budgetären Gründen wurde die Serie gestoppt und wir warten alle darauf, dass es weiter geht. Es war eine tolle Erfahrung für mich.“

X-ACT: Danke für diese interessante Gespräch und dass du dir so lange Zeit genommen hast. Wir wünschen dir für die nächsten Wochen alles Gute und viel Erfolg mit der zwanzigsten Ausgabe des New Orleans Festivals!

Interview by MICHAEL STECHER

Alle Infos zum „New Orleans Festival“ HIER!

Foto – Credits:

  • Foto Markus Linder: © 2017 Gerhard Staudinger
  • Foto max erfreut: © Raimund Jäger
  • Foto Doppelbuchung 1: © Christine Spielmann
  • Foto Simon – St. Anton 1: © Tourismusverband St. Anton
Tom
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