LEINÖL – „Land in Sicht“ – CD-Review

Die wohl schrägste und interessanteste, weggesprengteste und visionärste Familien-Band Österreichs heisst Leinöl und erfreut uns dieser Tage mit einer neuen CD, die auf den Namen „Lånd in Sicht“ hört und mit 5 neuen Tracks aufwartet. Und wie schon auf ihren vorangegangenen Werken scheissen sie sich auch diesmal einen Dreck um Konventionen, Musikpurismus und stilistische Gewohnheiten, abermals mischen sie gekonnt Landler und Zwiegsang, Volksmusik und Heavy Metal, Blues und Wasweissichwas zu einem Konglomerat extraordinaire und wissen erneut zu gefallen! Heureka! Was für eine Band!

Einziger Unterschied zu früher: obwohl wieder zwischen allen Stilistika wandernd, haben sie nun endgültig ihren Leinöl-Stil gefunden, ihr Sound ist dichter denn je und die Qualität der Aufnahmen lässt auch keine Wünsche offen! Saugeile CD allemal!

Das wunderbare Werk beginnt mit dem hervorragenden Titel „Ois vadraht“, der in bester AOR-Tradition abfegt, sich frech mit Landler paart, mit mehrstimmigen De Luxe-Parts begeistert und, – es wären nicht Leinöl, würde nicht nach dem Blockflöten-Solo ein fetziges Gitarrensolo abbrettern! Grandioser Song mit einem lässigen Text, halftime Mittelteil und wunderschönem Schluss. „So muass sei“ ist relaxter und kommt mit leichten Reggae-Anleihen und rappigen Vocals. Ein Kirchenglocken-Break (!), dann ein fettes verzerrtes Riff, nächste Strophe und dann ein Heavy-Gitarrensolo a la Annihilator und anschliessend ein Mundharmonika-Solo… Grandios, wie die Schlawiner hier wieder gnadenlos zuschlagen und wahre Ohrenschmäuse kredenzen!

„Wiederseng“ ist dann eine unpackbar wunderschöne Ballade, so wie sie Hubert Von Goisern auch gerne geschrieben hätte… Der Mittelteil verzückt dann mit irischem Feeling und Quetschn-Solo vom Feinsten! Mit sehr viel Gefühl präsentiert, manchmal zwar millimeterscharf am Kitsch vorbeigeschrammt, aber immer wieder voller Herz und Wehmut! Ebenfalls ein grandioser Song, einer wirklich in sich gereiften Band! „S‘ Zölibat“ ist dann funky, bluesig, groovy und sogar jazzy! Ein cooler Song mit kritischem Text, super lässig gesungen und immer tight und melodisch harmonisch! Auch so eine Perle aus dem Hause Leinöl! „Der rauhe Winter“ ist der letzte Song. Leicht morbides Feeling, Blockflöte und Ziehharmonika, schräge Akkorde und die Telecaster fetzt doomige Riffs und alles zusammen schwingt irgendwie filigran bluesig!

Tja, was soll ich sagen? Leinöl haben mich wieder auf der ganzen Linie überzeugt! Ihre Kompositionen haben mittlerweile ein Niveau erreicht, das schwer zu toppen sein wird. Auch der Sound ist diesmal um Längen besser und insgesamt sind die Songs griffiger und ausgereifter! Eine herrliche Band, die eigentlich längst europaweit bekannt sein sollte! Empfehlenswert für alle, die genug haben vom Ö3-Einheitsbrei und offen sind für wirklich andere Musik von einer grandiosen Familien-Band! Pflicht-Kauf eigentlich!

CD-Review by TOM PROLL

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Die nächsten Termine:
20.03.19, Schloss Steyregg
23.05.19, Eggerstadl Altmünster

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Tom
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X-ACT Music Magazine - Gründer, Erfinder, Herausgeber, Medieninhaber, Chefredakteur, Design, Logo-Creator. Sonst noch: Gitarrist, Composer, Arranger, Producer, Bandleader.