NUBIAN ROSE – „Mental Revolution“ (CD-Review)

Auf dieses Album habe ich mich mindestens so gefreut wie auf die neue Pink Floyd oder das letzte Night Ranger-Album. NUBIAN ROSE kommen aus Schweden und spielen melodiösen Hardrock mit Einflüssen aus Metal und Glam. Fest verwurzelt im Melodic Rock der 80er haben sie dennoch auch Stilelemente der heutigen Zeit sehr fein in ihren Sound eingewoben. Ihr famoses Debut-Album von 2012 hörte auf den Namen „Mountain“ und schlug ein wie eine Bombe. Ob der Umbesetzungen und der Babypause von Sängerin Sofia Lilja fragte man sich schon, was denn die neuformierte Gruppe auf ihrem Nachfolger zustande bringen wird und ob das geniale Debut überhaupt noch zu toppen ist. Nun, die beiden wichtigsten Akteure, das Ehepaar Christer Åkerlund (Guitar) und Sofia Lilja Åkerlund (Vocals), sind ja auch weiterhin die Speerspitzen der Band und haben sich für das neue Album „Mental Revolution“ (Limewire/Cargo Records, Rockngrowl PR) auch als Songwriter-Duo neu erfunden. Und – um es gleichmal vorweg zu nehmen – sie haben das unmöglich Geglaubte geschafft, haben das Debutalbum locker übertroffen und sich zwar ein Stück weit mehr Richtung Metal weiterentwickelt, aber das tut dem Gesamtsound eher gut und bietet der begnadeten Sängerin und dem Ausnahmegitarristen noch mehr Spielraum für ihre abwechslungsreichen Songs mit deren ausgefeilten Arrangements!

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Ein lieblicher Chor – vorgezogene Weihnachten? Yes! – leitet den ersten Song „War“ ein und das ist für ein paar Sekunden die vielzitierte Ruhe vor dem Sturm. Mit dem Einsetzen der gesamten Band geht berits die Post voll ab! Ein fetziger Uptempo-Kracher allererster Güte bringt die Boxen zum Glühen: die Gitarren scheiden sich durch zentimeterdicken Stahl und Frau Åkerlund singt gottgleich, ehe Herr Åkerlund ein geiles Solo vom Stapel lässt. Heureka! – so also klingt die Rückkehr einer der bedeutendsten Melodic Rock/Metal-Bands der Neuzeit. „War“ ist ein gewaltiger Song voller Saft und Kraft, dafür beginnt „Time Again“ etwas ruhiger, Sofia Lilja haucht und fleht zu Beginn des Songs, die Band groovt sich sehr lässig durch Intro und Verse, ehe der Chorus aufgeht wie die Sonne am Nil! Herrlich, – was für ein Song! Der Abwechslungsreichtum, der hier nur in einem Song verbraten wurde, enthält genug Ideen, die andere Bands oft ein ganzes Album lang nicht haben… In der Mitte des Songs folgt ein Instrumentalteil, der zuerst melodiös beginnt, dann wieder in einen Vocalpart mündet, ehe Christer Åkerlund’s Solo den Song zur Explosion bringt. Wenn das Album so weitergeht, gehen mir langsam aber sicher die Superlativen aus! Alles in allem ist „Time Again“ bereits ein erster Höhepunkt. Ein knappes Riff, Sofia Lilja singt diesmal verrucht, erotisch und lasziv, doch schon nach dieser kurzen Einleitung geht auch „Illuminated Within“ ab wie eine Rakete und es ist mir ein Rätsel, woher diese zierliche Frau diese Stimme hernimmt, die sie in fast schon unsingbare Höhen katapultiert. Kann mich eigentlich nur an Darby Mills von den legendären Headpins erinnern, die in ähnlich unglaublichen Höhen genauso locker, unbeschwert und immer am Pitch sang. Der Song überzeugt mit einer eigenen, nicht alltäglichen Atmosphäre und ist ungeheuer interessant arrangiert. Dann gehts wieder ab, mit Vollgas auf der Überholspur: „The Eye“ ist einer jener schnelleren Songs, die einem das Blut in die Adern schiessen. Gitarrenarbeit vom Feinsten, messerscharfes Riffing, dazu eine entfesselt abrockende Band, die kantig die Bühne für ihre Sängerin bereitet, die auch in diesem Song glänzt wie Tut-Anch-Amun’s goldene Krone in der ägyptischen Mittagssonne! Das Solo ist einmal mehr sehr geil, war aber nicht so schwer zu erraten, oder?! Na eben. Nubian Rose haben sich doch tatsächlich gesteigert, war ja ihr Debutalbum „Mountain“ schon nicht von schlechten Eltern, aber das neue Album zeigt eine Band, die weit über sich hinauswächst. Good Time Rock’n’Roll ist dann der nächste Track „Tough Guys Don’t Dance“, punkto Riffing, Feeling und Attitude hätten diesen Song Mötley Crüe wohl auch gerne geschrieben. Haben sie aber nicht, denn Nubian Rose setzen sich mit diesem Song gleich auch noch ein Glam-Metal-Denkmal und Sofia singt diesmal wie die junge, erfolgshungrige Tina Turner. Ist als Kompliment gemeint. Auch das Gitarrensolo ist hammerartig, obwohl, – für meinen Geschmack ein bisschen zu effektüberladen. Dennoch ein Song, der künftig bei Konzerten abgehen wird, dass kein Auge und kein Höschen trocken bleiben wird. Hut ab, cooler Song!

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Halbzeit. 5:0 für Nubian Rose. Song Nr. 6 läutet die zweite Albumhälfte riffig und melodiös ein: „Break Out“ ist abermals ein Song allererster Klasse, ist aber gemessen an den bisherigen Tracks nicht ganz sooo top, aber immer noch Spitzenklasse. Das Riff zieht dir einen Mittelscheitel und überhaupt ist die Gitarrenarbeit bisher am ganzen Album megageil. Sofia Lilja singt sich natürlich auch elegant und sicher durch den Song, geht in der Bridge vom Gas und ihr Ehemann würgt dafür im anschliessenden Solo erneut die Gitarre meisterhaft. „Higher“ beginnt mit einem tollen Midtempoteil und Sofia Lilja singt mit einer Leidenschaft, die für die berühmte Gänsehaut sorgt. Den Gegenpol bildet Christer’s sägende Gitarre, die mit kantigen Riffs verhindert, dass es vielleicht gar zu lieblich werden könnte, – doch im Refrain kommt die nächste Überraschung mittels schwerstem Hitverdacht, smashiger Chor inklusive! Einmal mehr ein Song, der deutlich unterstreicht, dass Nubian Rose zu Recht in die Oberliga aufgestiegen sind! Scheiss mich an ist der Song geil, denn nach dem Solo kommt ein genialer Twin-Leadguitar-Part, wie ihn auch Night Ranger nicht schöner hätten schreiben können und das will was heissen! Muss ich noch erwähnen, dass gerade über diese tollen Double-Leads Sofia Lilja noch steile Vocals drübersingt? Für mich bisher der Song, der am meisten hängen bleibt und immer wieder drücke ich auf „replay“. Pfuh, was kommt da noch? Was hatten wir noch nicht? Eine Ballade. OK, kommt sofort: „You Will Never Wak Alone erinnert an eine Lee Aaron zu deren besten Zeiten und ist eine Rockballade, die eindrucksvoll die Songwriting-Qualitäten vom Kreativ-Duo Christer & Sofia Lilja Åkerlund unterstreicht und den Stellenwert dieser Band fest zementiert! Hut ab, Sofia Lilja zieht alle Register ihres fraglos vorhandenen Könnens! Ein wunderschönes Solo, melodiös, virtuos, eh klar… danke für diesen Song, denn eine derartig leidenschaftliche Rockhymne hab ich lang schon nicht mehr gehört! In den 80ern hätte allein schon dieser Song gereicht, um die Band in den USA auf Headliner-Tour zu schicken. Aber die Zeiten haben sich leider geändert… Das wird dem nachhaltigen Erfolg dieser Band aber keinen Abbruch tun, denn Nubian Rose sind einfach zu gut und Qualität kann man ja bekanntlich nicht verhindern, auch wenn das die verblödenden, Einheitsbrei sendenden Formatradios seit mehr als 15 Jahren vehement versuchen. Nubian Rose bringen danach mit „(Talking This) Further“ einen satten Hardrocker mit endgeilem Solo und einer entfesselten Sängerin… alles andere hätte mich von dieser Band ja fast schon enttäuscht. Das waren jetzt schon mal neun Tracks und immer noch kein Gegentor! Nubian Rose setzen beim letzten Track „All Of Your Love“ again auf Good-Time-Rock’n’Roll/Street-Rock und fackeln jetzt auch noch ein Feuerwerk aus radiotauglichem Refrain und partykompatiblem Rhythmus ab, – naja – wir kommen in die Zielgerade, ein lässiges Interlude, geiles Solo und wieder lässige Hooks und Melodien, die man einfach lieben muss. Dann noch dieser „Uh Uh-Chor“, ein kurzes Riff, Applaus und aus. Kann mir gut vorstellen, dass Nubian Rose den Song am Schluss ihrer Konzerte spielen werden, denn nach einer derartigen Nummer ist es ein Ding der Unmöglichkeit, dass die Leute keine Zugabe wollen. Im Gegenteil!… sie werden sie lautstark einfordern! Dem Besitzer dieser CD bleibt als „Zugabe“ nur der „Play“-Button, aber man kann sich ja ohnehin nicht satthören!

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Rating: 10 von 10 Punkten! Hier passt einfach alles, das Cover allein ist schon ein optisches Meisterwerk für sich und die Musik ist schlicht und ergreifend der Oberhammer. Die Kompositionen lassen kaum Wünsche offen und die Arrangements sind immer klug, interessant und ideenreich ausgefallen. Die Gitarrensolos sind stets songdienlich gespielt, keine Ego-Trips, sondern immer im Dienste der wunderbaren Songs. Ein Album wie aus einem Guss, kein unnötiger Schnickschnack, sondern immer straight und solid! Wem das Debut „Mountain“ schon gefallen hat, der wird mit „Mental Revolution“ seine helle Freude haben. Die beiden Songwriter haben nix anbrennen lassen und feine Songs geschrieben, die Melodien sind teilweise unsterblich und die Leistungen der neuen Rhythm Section – bestehend aus Simeon Liljegren (Bass) und Thomas Weijnesjö (Drums) – sind sowas von erdig und groovig, dass die beiden Sahnehäubchen Christer und Sofia Lilja auf ein sehr solides Fundament bauen können. Bandleader Christer Åkerlund zaubert feine Riffs und steile Leads aus seinen Sechssaitern und seine Frau Sofia Lilja Åkerlund verfügt über eine unglaublich starke, facettenreiche, wandlungsfähige Stimme mit hohem Wiedererkennungswert! Uneingeschränkte Kaufempfehlung, ja eigentlich ein Muss!

Review by Tom Proll