PETER FRANZ – „A neie Foab“ (CD-Review)

PETER FRANZ ist eine neue Dialekt-Rock-Band aus Österreich. Und wenn sich der Herr Gabalier selbst als „Volks-Rock’n’Roller“ bezeichnet und die Szene darüber nur mitleidig lächeln kann, so haben diese Herren dieses Attribut wahrlich verdient!

PETER FRANZ ist die elektrische Band des Singer/Songwriters Peter Franz Suntinger, einem Kärntner, der sein Tal verlassen hat, um in der Weltstadt Wien eine Band um sich zu scharen. Und er wurde fündig und nach den Solo-Alben „First Scheibn“ (2012), „Second Scheibn“ (2012) und – no na – „Third Scheibn“ (2014) ist nun endlich das erste Album mit der kompletten Band erschienen: „A neie Foab“ (ATS Records) wartet mit erdigem, kantigen Rock’n’Roll, fetten Gitarren und Mundart-Texten auf, die Gabalier & Co vor Neid erblassen lassen und allen Möchtegern-Volks-Rock’n’Rollern zeigt, wo der Bartl den Most holt! Aber alles schön der Reihe nach…

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Mit „Gib deine Tram niemols auf“ fräst einem erst einmal ein sattes Riff einen ordentlichen Mittelscheitel. So muss Rock’n’Roll! Die Gitarren sägen unaufhaltsam durchs Brett, Drums und Bass liefern dazu das vielzitierte Fundament und der Bandleader singt über die Dinge des Lebens, den Rest verrät ja eh schon der Titel. Peter Franz Suntinger ist mit Sicherheit nicht der beste Sänger unter der Sonne, eiert hie und da und nuschelt manchmal rum, aber er bringt seine Songs erdig und ehrlich auf den Punkt, er versucht erst gar nicht künstlerisch zu singen und das verleiht dem ganzen wieder grosse Authentizität! „Hoamat“ ist dann im Midtempo gehalten, Akustikgitarren dominieren und textlich gehts um d‘ Hoamat. Nunja, dieses Thema ist reichlich abgedroschen und ausgereizt und auch der Text schrammelt bei diesem Song schon schwer an der Schnulzgrenze vorbei. Da kommt schon der nächste Song „Nix is mehr wie’s fria wår“ und versöhnt wieder voll und ganz. Ehrlich und gradlinig, textlich auch ansprechend. Ein gefühlvolles Gitarrensolo krönt diesen abwechslungsreichen Song und wenn die Drums im Finale in die Double Time gehen, groovt der Song auch noch wie die Sau! Dann wirds wieder fetzig: „Die Welt is wie a Dorf“ greift mit post-punkigen Riffs an und mutiert zum straighten Rock-Song, der einfach Laune macht und auch der Text ist recht witzig geworden, obwohl Suntinger textlich nie die Klasse z.B. eines Manuel Normal erreichen wird. Doch das ist hier auch nicht so wichtig, das Ganze ist stimmig und fetzt aus den Boxen und man merkt Suntinger an, dass er alles ernst und ehrlich meint, hier wirkt nix aufgesetzt oder gekünstelt. Akustikgitarren eröffnen „Hoamweh“ und spätestens wenn im Refrain die Wanzenpresse (Akkordeon) einsetzt, wird’s kalkuliert kitschig. Dennoch ein schöner Song, eine Rustikal-Ballade mit lässigem Acappella-Mittelteil und ansprechendem Text, wäre da nicht die lästige Quetschn… Folkig geht’s dann mit „Krånk im Hirn“ weiter, ein saugeiler Song, klug arrangiert und irgendwie, als hätten Flogging Molly mit den Pogues im Mölltal am Kirtag ordentlich gesoffen und dann gemeinsam einen Song geschrieben und aufgenommen. Könnte ein Kult-Hit werden! Mit „Diktat der Schönheit“ zeigt Suntinger dann, dass er doch über textliches Mittelmaß hinauskommt und auch die Musik passt megageil zum Song. Hier beweist die Band einmal mehr, dass ich meine Einleitung richtig gewählt habe. Erdiger, saftiger Rock’n’Roll, rotzig freche Gitarren und einfach ein Song, der zum mitgrooven und nachdenken gleichermassen anregt! Cool! Vielleicht sogar der beste Song des Albums! „Wildwossa“ ist dann halt eine Hommage an sein Hobby, das Wildwasserkajaken. Textmässig halt einfach und ja, eh. Musikalisch aber wieder einen satt auf die Zwölf! Rifflastiger Streetrock vom Feinsten, straight forward im Uptempo und hierauf singt Suntinger auch astrein. Es kommt bei ihm immer auf den Song an, – manchmal habe ich das Gefühl, dass er zu sehr „Bruce-Springsteen-eln“ will und seine gesanglichen Fähigkeiten manchmal überschätzt, aber dann gibt es wieder Songs, die er sich so genial auf den Leib schreibt und das gilt für den hier! Und dann passiert etwas, mit dem ich nie und nimmer gerechnet hätte: ausgerechnet bei der momentan herrschenden Hitzewelle in diesem Jahrhundertsommer bringt uns die Band mit „Winter“ eine Liebeserklärung an die kalte Jahreszeit. Musikalisch gesehen ein sehr guter Song, eine Hymne voller Gefühl und Hingabe und der Text ist sehr gut, vor allem wenn jemand den Winter genauso liebt wie der Suntinger… pardon „Wintinger“… Den Abschluss bietet der wohl kontroversiellste Song des Albums: „I bin a Fluss“, Akustikgitarrengeklimper und dazu ein Text, wo also der Fluss erzählt, wie es ihm so ergeht, wenn er so dahinfliessen muss… Pfoah, also wenn das fürs Kinderprogramm geschrieben wurde, dann – ok, vielleicht, aber… hm, – da können auch die eingeflochtenen Themen wie Naturschutz und Umwelt nix mehr rausreissen… Also diesen Song hätte er sich für seine “ Fourth Scheibn“ aufsparen können…

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Rating: 8 von 10 Punkten. Grundsätzlich ein hervorragendes Album, frech und aufrecht, geradlinig und bockig rockig. Wenn Dialekt-Rock, dann bitte so! Peter Franz Suntinger wird noch reifen und besser werden, gar keine Frage. Ein aussenstehender Produzent hätte Unfälle wie „Hoamat“ und Totalausfälle wie „I bin a Fluss“ verhindern können, aber das ist Geschmackssache, denn man könnte das ja auch als Vielseitigkeitsbeweis ansehen. Aber wenn die Band rockt, dann rockt sie gewaltig, da fräsen die Gitarren und tonnenschwere Riffs machen Lust auf ein Konzert dieser lässigen Band! Mit Peter Patek (Gitarre, Gesang), Michael Riglthaler (Bass, Gesang) und Max Schmierl (Drums) hat Peter Franz Suntinger eine Truppe um sich geschart, die er hüten sollte wie einen Goldschatz. Die Produktion klingt astrein, der Sound ist amtlich, – an dieser Stelle ein dickes Lob an David Piribauer, der hier wirklich einen fetten, glasklaren und doch erdigen Sound hingekriegt hat! Trotz zweier Songs, die nicht so mein Ding sind, eine CD, die ich ruhigen Gewissens empfehlen kann und die mit Sicherheit auch einige Hits drauf hat, würden die Radios statt Gabalier, Seer und Goiserer auch mal einem neuen Act eine Chance geben!

Review by TOM PROLL

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