LUNA RISE – „Dark Days & Bright Nights“ (CD-Review)

Die österreichische Rock-Band LUNA RISE hat ihr erstes full length Album am Start! Gut Ding braucht Weile, sagt man, – und da Luna Rise über 2 Jahre an ihrem Debut-Album bastelten, wollen wir die nigelnagelneue CD „Dark Days & Bright Nights“ (NRT Records) doch mal etwas genauer unter die Lupe nehmen!

Wenn man den Ort kennt, wo alles seinen Ausgang nahm, kann man sich nur schwer vorstellen, dass ein derartig feines Produkt wie das vorliegende Album das Endergebnis ist: Niederösterreich, Strengberg, besser gesagt ein kleiner Nebenort, keine Strassenschilder, ein Bauernhaus dort, ein Bauernhaus da, inmitten ein Zweifamilienhaus mit Anbau und genau dort, wo sich nicht mal mehr Fuchs und Henne „Gute Nacht“ sagen, genau dort hat Chris Lindner (alias Chris Divine) in jenem Anbau seinen Proberaum mit integriertem Tonstudio. Und genau dort sind diese 12 Songs entstanden. Chris Divine ist Sänger und Frontman seiner Band Luna Rise und er ist auch die Kindergartentante und der Psychiater seiner Truppe, – während der langen Dauer der Aufnahmen verbrauchte die Band 2 Gitarristen, einen Bassisten, einen Manager, 200 Liter Benzin und geschätzte 700 Liter Kaffee – und letztendes spielen in der aktuellen Live-Besetzung nur mehr 3 Members jener Luna Rise, die dieses Album einspielten. Schade, traurig und irgendwie auch unprofessionell, –  aber, das ist der Stand der Dinge und so müssen eine neue Bassistin und ein neuer Gitarrist ein Album promoten, auf dem sie gar nicht mitspielen. Aber das soll auch schon weltbekannten Acts passiert sein…

DDBN-CD-Cover 1440 x 1440

Nun denn, als ich das Luftpolster-Kuvert der deutschen Plattenfirma NRT Records öffne, fällt mir ein absolut amtliches und multiprofessionelles PR-Kit in die Hände, alles sauber gestaltet und sehr informativ gehalten, tolle Fotos inklusive, dazu eine CD-ROM für PC & Mac, wo man alles nochmals digital findet und schliesslich das Album „Dark Days & Bright Nights“. Man ist in Zeiten wie diesen, wo das meiste nur mehr mittels Internet-Link zwar billig aber dafür lieblos promotet wird, schon angetan von einem dermassen geilen PR-Kit. Hier hat sich jemand, nämlich Philipp Gottfried, der Boss von NRT Records, richtig Mühe gegeben! Respekt!

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LUNA RISE Mk.1: v.l.n.r. Rob Rocket (Bass), Loup Garou (Drums), Chris Divine (Vocals), Luke Vegas (Guitar, Komponist der Album-Tracks 1, 5, 8 und 11), L.X. (Keyboards).

Also dann rein damit in den Player! Mit „Demons Inside“ beginnt das Album schon mal fetzig, die Gitarren rotzen ab wie nur was, die Keyboard-Tupfer setzen interessante Akzente und Chris Divine singt sehr gut, mit Leidenschaft und seiner ganz eigenen, unverwechselbaren Stimme. Das Gitarrensolo von Andy Earth ist schwer abgehoben und im obersten Speed-Bereich einzuordnen, natürlich virtuos gespielt und es hat sogar einen Anflug von „Eiern“! Ein kurzer Mittelteil nach dem Solo verführt in die versierte Soundküche des Keyboarders L.X., ehe es straight forward Refrain um Refrain zum Ende hingeht. Ein amtlicher Einstieg in dieses gelungene Album. Dann folgt „RZRKT“, also das ist die Abkürzung für „Razorcut“ und nicht etwa eine chemische Formel oder ein versteckt kryptischer Hinweis auf irgendwas Okkultes… Dieser Song geht so dermassen straight forward ab, dass es eine wahre Freude ist! Hier kommt eine der Vorlieben der Band, nämlich für straighten Hardrock, zur Geltung. Hier stimmt einfach alles und für mich sowieso einer der besten Songs dieser Band ever! Zum Song „Valentine“ wurde ja schon ein tolles Video veröffentlicht, der Song an sich ist abwechslungsreich geworden, verfügt über eine tolle Hookline und ist kompetent arrangiert. Der Chorus beisst sich rein in die Gehörgänge und insgesamt lebt der Song von seinen vielen kleinen Teilen,wie z.B. dem melodiösen Gitarrensolo, den oft unvermutet eingebauten Breaks und dann immer wieder diese Chöre, Keyboardparts und die geile Hookline! Auch dieser Song zählt zu den besten Luna Rise-Songs und ist wirklich eine tolle Komposition.

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LUNA RISE Mk.2: v.l.n.r. Andy Earth (Guitar), Chris Divine (Vocals), Loup Garou (Drums), Rob Rocket (Bass) und L.X. (Keyboards). Diese Besetzung spielte das aktuelle Album ein.

Kirchen-Orgeln eröffnen dann theatralisch die einzige Cover-Version dieses Albums: „Dancing With Tears In My Eyes“ – im Original von Ultravox – wurde sagenhaft umgesetzt, also saugeil zu neuem Leben erweckt! Da stimmt einfach alles, der Groove, die Instrumente, die Leadvocals, die Chöre, das neue Arrangement, die härtere cutting edge und das etwas schnellere Tempo als im Original. Das Keyboardsolo mit dem anschliessenden Acappella-Teil samt Breakdown setzen dem Ganzen noch das Sahnehäubchen auf. Unterm Strich eine mehr als gelungene Neuversion eines zeitlosen Klassikers und wenn ich wüsste, wer den Jungs die Idee dazu gab, würde ich demjenigen glatt ein Bier zahlen! Es wird zartbitter, wenn Chris & Band „For A Reason“ anstimmen. Der Song schleppt sich im Midtempo dahin und schwächelt an gewissen Stellen, aber das Gitarrensolo mit den nachfolgenden Pizziccato-Strings und Chris‘ flehendem Gesang reissen die Nummer dann doch grad noch raus! Gegen Ende schieben die Gitarren wieder an und das melodiöse Solo wiederholt sich noch mal, ehe ein lässiges Piano den Song beendet. „The Secret In You“ beendet den „Dark Days“-Teil ruhig mit Piano und sensiblen Vocals und gerade als der Song beginnt, Langeweile zu versprühen, schlagen einem die Schlingel ein Schnippchen und steigen feste druff, Drums und Gitarren drücken mächtig an, steile Chöre und Chris Divine in Bestform! Dann eröffnen squeezing guitars den „Bright Nights“-Teil und der Song Nummer 7, „Silent Screams“, geht dann wieder ab auf die Überholspur und das mit Vollgas! Halftime-Parts markieren einmal mehr profundes Können in Sachen Arrangements, die Gitarrenarbeit ist hier wiedermal vom Allerfeinsten! Alle Achtung! „Worshippin‘ Shadows“ greift gleich mit einem geilen Riff an, während sich der Verse zieht wie ein Strudelteig, weiss der Chorus umsomehr zu gefallen, speziell die Vocal- und Gitarren-Arrangements wissen auf der ganzen Linie zu überzeugen. Das Gitarren-Solo sowieso! Sphärische Keyboards eröffnen den nächsten Song „Until The Stars Have Come“, der zwar schaumgebremst beginnt, sich aber als Wolf (was für ein Unwort in Tagen wie diesen…) im Schafspelz entpuppt und sehr gut abgeht, dazu kommt noch, dass mit der bis dato unbekannten Melanie Hirner eine stimmgewaltige Duett-Partnerin gefunden werden konnte, die dazu passt wie die vielzitierte Faust aufs Auge. Und dieses Uptempo-Duett überzeugt voll und ganz, diese beiden Stimmen ergänzen sich phänomenal! Musikalisch bietet der Song auch wiederum alles, was das Herz des Melodic Rockers begehrt, – alles ist sauber und klug arrangiert und speziell bei dieser Nummer zieht „Sound-Magier“ L.X. (Alex) alle Register seines Könnens. Hut ab! „In Your Arms“ beginnt mit verfremdeten Vocals a la  Science Fiction-Soundtrack und reift zu einem veritablen Rocker mit Soundeffekten und rassigen Gitarren. Mit Sicherheit einer der ausgereiftesten und überzeugendsten Songs diese Albums!

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LUNA RISE Mk.3: v.l.n.r. Clu Vasquez (Bass), Clarence Hell (Guitar) Chris Divine (Vocals), Loup Garou (Drums) und L.X. (Keyboards). Diese Besetzung steht aktuell auf der Bühne.

„The Storm“ beginnt wieder mit einem mächtigen Riff, satten Grooves und es wären nicht Luna Rise, hätten sie diesem Song nicht auch wieder ein geiles Arrangement auf den Leib geschrieben. Gefühlvolle Teile konkurrieren mit fetten Riffs und Chris singt, als ginge es ums Leben. Ein Song aus einem Guß mit einem atemberaubenden Gitarrensolo! Abwechslungsreichtum ist sowieso auf der ganzen CD garantiert, dieser Song jedoch gilt diesbezüglich fast schon als Referenz und lässt die meisten heimischen Komponisten blass aussehen. Mit dem schleppenden, doomig groovenden „The  Anthem Of  The Night“ beschliessen Luna Rise ihr Debut-Album. Noch einmal wühlen sie tief in der Arrangement-Kiste und lassen weder Klischees noch saugute Ideen aus, um zum krönenden Abschluss nicht noch einen steilen Song abzuliefern, hier sind sie wieder, die ohrwurmverdächtigen Hooklines, fette Gitarren, satte Grooves und Chris‘ mal andächtiger dann wieder flehender Gesang. Im Mittelteil fällt alles zusammen, um dann im Finale wieder mächtig anzuschieben. Ein wirklich gut gemachter und überzeugender Song! Womit wir auch schon bei der Zusammenfassung wären: „Dark Days & Bright Nights“ ist ein abwechslungsreiches und überaus interessant arrangiertes Album geworden, prall gefüllt mit wirklich guten Songs, die weit über das Mittelmass hinausgehen! Ich hätte zwar gerne aus privater und emotional begründeter Motivation einen Verriss geschrieben, aber ich kann nicht schlechtschreiben, was nicht schlecht ist. Luna Rise haben wirklich alles gegeben, allen voran Sänger, Komponist, Texter und Mastermind Chris Divine, der sich zwar ständig Vergleiche mit HIM und Konsorten gefallen lassen muss, aber diese Vergleiche erstens nicht zu scheuen braucht, weil sie zweitens nicht stimmen, weil er drittens längst seinen eigenen, unverkennbaren Stil gefunden hat. Bemerkenswert solide grooven und rocken der (Ex-)Bassist Rob Rocket und der Drummer Loup Garou durch alle Tracks und liefern so absolut feste Fundamente, auf denen sich der „Sound-Magier“ und Keyboarder L.X. und (Ex-)Gitarrist Andy Earth nach belieben austoben können und dies auch stets songdienlich machen! Die Produktion ist wirklich amtlich geworden, der Sound stimmt auf alle Fälle und kommt selbst im leisen Hören druckvoll rüber. Die Texte sind Geschmackssache und mir zum Teil zu morbid und zu negativ, aber dafür gibt’s ja diesbezüglich reichlich Zuspruch von den Fans. Es gibt an diesem Album nix zu meckern und wenn Luna Rise das jetzt auch mit den neuen Members Clu Vasquez (Bass) und Clarence Hell (Guitar) live umsetzen können und endlich mal eine stabile Besetzung auf die Reihe kriegen, dann sollte einer steilen Karriere nix mehr im Wege stehen!

Rating: 9 von 10 Punkten!

CD-Review by TOM PROLL

Weblinks: Official Homepage, facebook, NRT Records