STEVE HACKETT – „Wolflight“ (CD-Review)

Vier Jahre musste man auf dieses Album warten und dann wusste man ja auch nicht einmal, in welche Richtung sich der Ex-Genesis-Gitarrist STEVE HACKETT diesmal bewegen würde. Aber eines gleich mal vorweg: Hackett ist von seinen seltsamen Trips wieder runtergekommen, macht wieder hauptsächlich elektrische Musik und ist sozusagen „back to the roots“!

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Mit Schaudern denke ich an Alben wie „Sketches Of Satie“ (2000), „Bay Of Kings“ (1983) oder „Momentum“ (1988) zurück, die weder seiner Klasse als Gitarrist, noch seinem künstlerischen Anspruch gerecht wurden. Aber egal, er wollte halt auf biegen und brechen Klassik und Prog mit der Wandergitarre verheiraten, was allerdings unweigerlich zur Scheidung führen musste. Ein gutes, weitgehend unbekanntes Blues-Album und dann orientierungslos auf der Suche nach der Qualität seiner ersten 6 Solo-Alben, wobei schon sehr gute Songs auf mittelmässigen Alben waren, aber das reichte seinen Fans nicht. Finanziell schlitterte er auch immer mehr Richtung Fiasko. Dann entdeckte er das grandiose Songmaterial seiner langjährigen Band Genesis, was zu 3 „Genesis Revisited“-Alben und 2 Live-DVDs führte und die Kasse wieder kräftig klingeln liess. Nach seinem Album „Beyound The Shrouded Horizon“ (2011) war es erstmal ruhig um neue Songs aus eigener Feder, „Genesis Revisited“ wurde  nochmals hervorgekramt… Nun ist ganz aktuell „Wolflight“ (Inside Out) am Start und siehe da: Steve Hackett hat zu seinen Wurzeln zurückgefunden und tatsächlich wieder ein Album hingekriegt, welches sich durchaus an seinen ersten Solo-Album messen kann!

Tom und Steve Hackett
Tom Proll meeting Steve Hackett (Wien, im März 2001)

Mit „Out Of The Body“ geht es gleich mal im gehobenerem Midtempo ab, gleich mal ein schönes Intro-Solo mit einer seiner unsterblichen Melodien! Er hats nicht verlernt. Der Song ist sehr theatralisch arrangiert, ein instrumentales Progressiv-Lehrstück, welches dieses Album schon mal amtlich einleitet! Nahtlos geht es über in den Titeltrack „Wolflight“, der mit Akustikgitarren und tollem Gesang beginnt, ehe ein Chor den Meister unterstützt. Dann wieder schwer theatralisch, fast schon wie ein Horror-Movie-Soundtrack mit jeder Menge Orchester und Gitarren, – zurück zu feinen Satz-Gesängen und dann in der Mitte des 8-Minutenstückes ein längeres Gitarrensolo und derart abwechslungsreich geht es weiter. Ein Song der auch von Genesis aus der Gabriel-Ära hätte stammen können. Dann folgt das mit 9:18 Minuten längste Stück des Albums: „Love Song For A Vampire“ beginnt episch mit spanish guitar, Vocals und Keyboardsphären, ehe ein wunderschöner Chor gemeinsam mit Prog-Bombast das Ruder übernimmt. Herrlich arrangiert und niemals langweilig, Hackett singt amtlich und spielt ab der Hälfte des Songs ein Gitarren-Solo mit einer Melodie, die er wunderbar komponiert hat und mit sagenhaft viel Gefühl spielt. Herrlich! So stellt man sich Prog-Rock vor, noch dazu von einem mit einer derartigen Reputation. Im letzten Drittel nimmt der Song noch eine Wendung, es wir heavy, die Gitarre aggressiv, dann wieder Orchester und Piano, ehe Akustik-Gitarrenklänge den Song beenden. „The Wheel’s Turning“ beginnt dann mit Soundcollagen, ehe sich der Song entfaltet. Und zwar mit tollem Verse und noch besserem Chorus. Selbstredend spielt er auch in diesem Song ein obergeiles Solo, zuerst melodiös a la Genesis und dann drückend forsch a la Robert Fripp, also mit jeder Menge experimenteller An- und Ausflüge, Wah Wah-Gitarre (!), dann zu eine Shuffle-Groove ein Harmonika-Solo (mit Verzerrung und Chorus) ehe er wieder seine schöne Hookline aufnimmt, klassische Parts, Chor-Parts… – heiliger Srohsack, da geht’s zu, wie damals in den „good ol‘ prog days“! In Summe 7:24 Minuten feinster Prog mit einer sowas von geilen Gitarrenarbeit und: er spielt moderner und virtuoser als jemals zuvor! Klangcollagen beenden den Song. „Corycian Fire“ klingt anfangs wie eine arabische Ausgabe von Pink Floyd, im Verse dann wieder wie Camel zu ihrer besten Zeit, die Unisono-Hookline klingt wie von Gentle Giant und die verfremdeten Vocals sind neuzeitlicher Prägung. Der Mittelteil wieder orientalisch, dann wieder die vorhingenannten Teile, ehe er im Solo vollkommen aufdreht! Steve Hackett mit Harmonizer a la Brian May, dann Gregorianische Chöre! Supersteile Komposition und das Arrangement ist auch ein Hammer.

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Akustikgitarren am Beginn von „Earthshine“, einer Instrumentalnummer, bei der er alleine brilliert. Und wie! Er zieht alle Register seines Könnens, ehe der Track nahtlos in „Loving Sea“ übergeht, welches gleich mal von satten Chören dominiert wird. Geniale Chöre und Akustikgitarre, dazu später ein paar Soundeffekte, im Schlussteil noch spärlich Keyboardstrings und ein langes Fade out. Cooler Song, wunderschön gemacht. Keltisch beginnt Black Thunder“, das aber schnell ein Heavy-Riff bekommt und stampft wie ein richtiger, typisch britischer Rocksong! Dazwischen immer wieder Breaks mit Chören und so weiter, aber generell eher düster von der Stimmung her. Auch hier spielt er ein amtliches und virtuoses Solo, modern und catchy! Teilweise verwendet er Effekte wie Oktaver, Harmonizer oder Phaser, in einer Art und Weise, wie man das bis dato von ihm so noch nicht kannte. Mit siebeneinhalb Minuten auch einer der längeren Songs, wieder mit einem Harp-Part, diesmal übers Wah Wah (!) gespielt. Steile heavy Breaks so gegen Schluss, ehe eine Klarinette (!) zu String-Synthies soliert und den Song auf diese Art unvermutet beendet. „Dust And Dreams“ beginnt orientalisch, dann ein starke, groovige Bass-Line, Drums und Percussions, Streicher… Ein Instrumentalstück wie aus einem arabischen Abenteuerfilm mit musikalisch angedeuteter Liebesgeschichte mit vollkommen unsicherem Ausgang… Irgendwie eigen, aber lässig. Erst nach zweieinhalb Minuten steigt Hackett dann mit der E-Gitarre ein, dann aber dafür so intensiv, als wolle er das progressive Gegenstück zu Eddie Van Halen’s „Eruption“ abliefern. Erst nach einem Zwischenspiel kredenzt er eine seiner unsterblichen Melodien. Ein vertrackter, mit Breaks garnierter Schluss-Teil, der nahtlos in den „Heart Song“ übergeht, der als wunderschöner Prog-Pop mit rockigem Gitarren-Solo durchgeht noch ganz am Ende mit hymnischen Vocals verkündet: „Gone are the chains, run free on the sand, Soaring through the air, the world in our hands…“ Sein Wort in Gottes Ohr!

Rating: 9 von 10 Punkten! Zählt man alle seine Alben inkl. Compilationen und Live-Alben zusammen, so ist das seine 36. Veröffentlichung seit seinem Ausstieg bei Genesis im Oktober 1977, nur eine Woche vor der Veröffentlichung des legendären Genesis-Live-Doppel-Albums „Seconds Out“! Und es ist eine sehr gutes, abwechslungsreiches und interessantes Album geworden! Genesis-, Hackett- und Prog-Fans kommen da eh nicht dran vorbei und Freunde guter Gitarren-orientierter progressiver Rockmusik sollten da auch mal unvoreingenommen reinhören! Fact am Rande: auf Track 3 spielt noch der leider mittlerweile verstorbene Chris Squire (Yes) Bass und somit ist das die letzte Aufnahme des legendären Bassisten!

Review by TOM PROLL

Weblinks: Official Homepage, facebook

STEVE HACKETT  –  „Acolyte to Wolflight With Genesis Revisited – The Total Experience“ – Tour 2015

  • 2 September – ZeltFestival, Bochum, Germany
  • 4 September – Debaser Medis, Stockholm, Sweden
  • 6 September – Rockefeller, Oslo, Norway
  • 7 September – Trädgårn, Gothenburg, Sweden
  • 8 September – Kulturbolaget, Malmö, Sweden
  • 9 September – Amager Bio, Copenhagen, Denmark
  • 11 September – Laeiszhalle, Hamburg, Germany
  • 12 September – Haus Auensee, Leipzig, Germany
  • 13 September – UDK, Berlin, Germany
  • 15 September – E-Work, Cologne, Germany
  • 17 September – Den Atelier, Luxembourg City, Luxembourg
  • 18 September – L’Olympia, Paris, France
  • 19 September – Opera Garnier, Monaco, France
  • 21 September – Estathe Market Sound, Milan, Italy
  • 22 September – Teatro Obihall, Florence, Italy
  • 23 September – Teatro Brancaccio, Rome, Italy
  • 25 September – Gran Teatro Geox, Padua, Italy
  • 26 September – Circus Krone, Munich, Germany
  • 27 September – Forum am Schlosspark, Ludwigsburg, Germany
  • 29 September – Theater am Aegi, Hannover, Germany
  • 30 September – Kurhaus, Wiesbaden, Germany
  • 2 October – Boerderij, Zoetermeer, Netherlands
  • 3 October – Boerderij, Zoetermeer, Netherlands
  • 4 October – Ancienne Belgique, Brussels, Belgium
  • 6 October – GLive, Guildford, UK
  • 7 October – O2 Shepherds Bush Empire, London, UK
  • 9 October – Derngate, Northampton, UK
  • 10 October – St David’s Hall, Cardiff, UK
  • 11 October – O2 Guildhall, Southampton, UK
  • 13 October – The Anvil, Basingstoke, UK
  • 14 October – Barbican, York, UK
  • 16 October – Music Hall, Aberdeen, UK
  • 17 October – The Sage, Gateshead, UK
  • 18 October – Royal Concert Hall, Glasgow, UK
  • 20 October – Town Hall, Leeds, UK
  • 21 October – Venue Cymru, Llandudno, UK
  • 23 October – Philharmonic, Liverpool, UK
  • 24 October – de Montfort Hall, Leicester, UK
  • 25 October – The Lowry, Salford, UK
  • 27 October – Regent Theatre, Ipswich, UK
  • 28 October – Colston Hall, Bristol, UK
  • 30 October – Symphony Hall, Birmingham, UK
  • 31 October – Cliffs Pavilion, Southend, UK
  • 8 November – Westhampton Beach Performing Arts Center, NY, USA
  • 10 November – Hart Theatre, Albany, NY, USA
  • 11 November – The Space at Westbury, Westbury, NY, USA
  • 12 November – Tarrytown Music Hall, Tarrytown, NY, USA
  • 13 November – Lincoln Theatre, Washington, DC, USA
  • 14 November – FM Kirby Center, Wilkes Barre, PA, USA
  • 15 November – The Newton Theatre, Newton, NJ, USA
  • 18 November – Grand Opera House, Wilmington, DE, USA
  • 19 November – Lynn Auditorium, Lynn, MA, USA
  • 20 November – Keswick Theatre, Glenside, PA, USA
  • 21 November – Scottish Rite Auditorium, Collingswood, NJ, USA
  • 22 November – The Warehouse, Fairfield, CT, USA
  • 23 November – Count Basie Theatre, Red Bank, NJ, USA
  • 26 November – Academy Theatre, Lindsay, ON, CANADA
  • 27 November – Academy Theatre, Lindsay, ON, CANADA
  • 28 November – RBC Theatre Budweiser Gardens, ON, London, CANADA
  • 30 November – Oakville Centre, Oakville, ON, Canada
  • 1 December – Oakville Centre, Oakville, ON, Canada
  • 3 December – Riviera Theatre, North Tonowanda, NY, USA
  • 4 December – Hard Rock Live, Northfield, OH, USA
  • 5 December – Carnegie Music Hall of Homestead, Munhall, PA, USA
  • 9 December – South Milwaukee Performing Arts Center, Milwaukee, WI, USA
  • 10 December – Arcada Theatre, St. Charles, IL, USA
  • 11 December – The Portage Theater, Chicago, IL, USA