RAY SHAMES – „Zirkus des Lebens“ (CD-Review)

Ray Shames ist ein Künstlername und ein Bandprojekt aus Österreich, genauer gesagt aus Gießhübl und um bzw. aus Wien. Dahinter steckt ein gewisser Rainer Schamberger, der sich ein Pseudonym zugelegt hat, welches gleichzeitig als „…virtueller Mensch“ einen ganz normalen Wahnsinn erlebt, das sich in seinen musikalischen Darbietungen widerspiegelt, in welchen sich Jede und Jeder von uns selbst erkennt: Im Zirkus des Lebens!“ So steht’s zumindest teilweise im Info. Und weiter: „Von himmelhoch jauchzend bis hin zu Tode betrübt. Ray Shames lebt seine Emotionen untermalt von elektronischer Pop/Rock Musik, deutschen Texten gemischt mit englischen Einwürfen und kunterbunten Visuals aus, während er mit einem Koffer voller Geld durch die Welt reist, welche er hinter sich lassen möchte. Der Job, die Frauen, das Geld – all dies hat bei ihm Spuren hinterlassen. Aber er kann nicht anders! Und damit dreht sich schon wieder alles um ihn! Tja, sehen sie selbst! Treten sie ein in den Zirkus des Lebens von Ray Shames! (und erkennen sie sich selbst…)“ Und genau das werde ich jetzt tun, CD rein in den Player und ab die Post!

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Das irgendwie als Konzeptalbum angelegte Werk hat ein lässiges Cover und mit „Traum“ auch sowas wie ein Intro. Der grösstenteils elektronische Song ist ein Mischmasch aus Techno für Arme und Rammstein für noch Ärmere. Also, dass ausgerechnet der schwächste Song des Albums als Intro herhalten musste, ist schon irgendwie seltsam. Es geht weiter mit „Leb Dein Leben“, einem sehr guten Pop-Song und hier glänzt gleich die Sängerin Deniz Malatyali, die man als Frontfrau von Cil City kennt. Und da ist der Hund begraben: Deniz singt den Hauptakteur nach Belieben in Grund und Boden, ohne sich grossartig anstrengen zu müssen. Hat das niemand ge-checkt? Der Star lässt sich freiwillig von seiner Sängerin niedersingen??? Sachen gibt’s! Mit „Toll“ kommt dann ein Scooter-ähnlicher Song und auch der zweitschlechteste Song des Albums. Na wenn das so weitergeht, bleibt nur Deniz Malatyali positiv in Erinnerung… Doch dann kommt „Baby“ und hier ist der Song, der die Wende bringt. Ab hier ist songtechnisch alles in trockenen Tüchern. „Baby“ ist ein wunderbares Duett und hier singt Schamberger erstmals fast auf Augenhöhe. Aber nur fast. Malatyali ist einfach ein paar Nummern zu gut für den Hauptdarsteller. Und endlich ein ehrliches, geiles Gitarrensolo. Sicher, Rupert Träxler ist kein Gitarrengott, aber er spielt lässig, mit Eiern und hat die nötige Portion Rock’n’Roll intus! Dann kommt „Wir sind da“, eine Art „Neue Deutsche Welle“-Song mit ab und an ganz leichtem „Falco-Flair“, aber sicher tanzbar und irgendwie cool und die weiblichen Vocals sind sowieso wieder der Ober-Hammer!

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Mit „Warum“ geht’s in die zweite Halbzeit, ein sehr guter Midtempo-Song mit lässigen Gitarren und schönen Background-Chören. Interessant arrangiert ist „Alles“, wo es fette Riffs und einmal mehr gesangliche Meisterleistungen von Deniz Malatyali zu hören gibt! Geiler Song mit coolen Licks und ein rotziges Gitarren-Solo! Yeah, this fuckin‘ rocks! Dann kommt einer der witzigeren Tracks: „Rückruf“ ist wieder so ein Rammstein lassen grüssen“-Song. Hierauf singt Ray Shames (Schamberger) am Glaubwürdigsten. Textlich wieder ganz klar NDW, kompositorisch einer der geileren Tracks! „Das Schöne“ beginnt schon mal mit einem Heavy-Riff, dann singt sich Deniz in die Herzen der Zuhörer und auch Herr Schamberger bietet saubere Vocals. Ein geiles Duett mit lässigen Vocals! Ein erstklassiger Song, der glasklar rüberkommt und auch meisterhaft arrangiert wurde. Die Leadgitarre ist auch einmal mehr erste Sahne, Herr Träxler! Also für mich ist das der beste Song des Albums! Und dann gleich der zweitbeste Song des Albums: die Traum-Ballade „Denn Du weißt es“ mit einer unglaublich genial singenden Deniz Malatyali, der eindeutigen Winnerin dieses Albums! Und mit dieser wunderschönen Ballade ist dieses doch sehr interessante Album zu Ende. Für ein richtiges Konzeptalbum spannt sich der Bogen zu wenig, sind die Songs zu willkürlich aneinandergereiht. Aber von 10 Songs sind 8 absolut geil und das ist ja schon mal nicht schlecht. Die Programmierereien und elektronischen Spielereien sind Schrott, Drums und Bass gehen so la la, die Keyboards und Ray himself sind Durchschnitt, aber Gitarrist Träxler und Sängerin Malatyali reissen die Partie heraus und machen dieses Album wert, es sofort zu kaufen!

Rating: 7 von 10 Punkten!

Review by TOM PROLL

Weblinks: Offizielle Homepage, facebook

Discographie:

  • „In meiner Welt“ 2007
  • „Kiss The Muse“ 2010
  • „Alleskönner“ 2014
  • „Zirkus des Lebens“ 2016

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Ray Shames live:

  • 13.10.2016, 20:00, Linz, OÖ, Tabakfabrik
  • 21.10.2016, 20:30, Wien, Chaya Fuera
  • 25.11.2016, 20:00, Salzburg, Rockhouse
  • 26.11.2016, 20:00, Simbach/Inn, D, LOKschuppen

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