TOTO – „Live In Montreux“ 1991 (CD-/DVD-Review)

TOTO live in Montreux! Ich habe diese denkwürdige Show damals als Livemitschnitt im Schweizer TV gesehen und war hin und weg. Toto in Bestbesetzung und Bestform und noch dazu ein Programm, welches keine Wünsche offen ließ, obwohl es samt Zugabe nur 8 (!) Nummern waren, betrug die Spielzeit immerhin 70 Minuten! Und dann schrieb ich an das Schweizer Fernsehen, ob dieser Mitschnitt käuflich zu erwerben war und bekam eine klare Absage. Bootlegs von dieser Show erreichten absurde Höchstpreise und waren schwer zu bekommen. Dann kursierten Gerüchte, dass Toto diese Show selbst veröffentlichen werden, aber es gingen die Jahre ins Land und irgendwie hatte man schon darauf vergessen… Bis Anfang Oktober durchsickerte, dass Toto gegen Ende September 2016 dieses Live-Vermächtnis doch noch veröffentlichen werden, – nach immerhin 25 Jahren! Und es hat sich gelohnt, dieses unglaubliche Konzert für die Nachwelt zu erhalten!

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Das Konzert „Toto Live in Montreux 1991“ ist als CD, als Doppel-LP in einer Box inklusive T-Shirt, als DVD und als Blu-ray erschienen und hat in jeder Version die exakt gleiche Trackliste. Auf DVD und Blu-ray gibt es auch keine Extras. Aber was man bekommt ist erste Sahne! Erstaunlicherweise ist die Bildqualität nach all den Jahren immer noch gestochen scharf und Kameraführung, sowie Schnitt sind ebenfalls vom Feinsten! Optisch lässt das denkwürdige Konzert keine Wünsche offen und akustisch bekommt man ohnehin eine Super-Band in Bestform kredenzt! Toto, damals unterwegs auf ihrer „Kingdom Of Desire Tour“ machten also auf speziellen Wunsch von Montreux-Erfinder Claude Nobs (†) und Zampano Quincy Jones am Genfer-See zum 25-jährigen Montreux-Jubiläum Station und starteten ihr Live-Set gleich mal mit einem satten Rock-Kracher: „On The Run“, der Song, der eigentlich auf „Kingdom Of Desire“ hätte veröffentlicht werden sollen, letztendlich aber erst auf „XX“ (1998) zu finden war. Hier geht es gleich mal zur Sache und Steve Lukather glänzt beim Solo, dass es eine wahre Freude ist! Dann ein Monstertrack: der Titelsong des Albums „Kingdom Of Desire“ (1992), – hier stellten Toto gleich mal klar, dass sie künftig mehr Rock als Pop spielen würden und „Kingdom Of Desire“ ist nach wie vor das härteste Album der Band! Es folgt der Jahrhundert-Hit „I’ll Be Over You“, und zwar in der selben Version wie auch schon auf der VHS-Cassette „Live In Paris“ (1990), das Konzert, welches später als DVD wiederveröffentlicht wurde und dann „Toto Greatest Hits Live… And More“ (2002) hiess. Und das ist genau die Version, die noch elektrisch gespielt wurde und wo es ein unglaubliches End-Solo von Steve Lukather zu hören gibt! In den folgenden Jahren spielten Toto diese Traum-Ballade ja immer nur verstümmelt im Akustik-Set… Und gleich nach dieser göttlichen Version von „I’ll Be Over You“ kommt der nächste Monsterhit: „Africa“ in einer absolut lässigen Version, inklusive Drum-Solo, Percussion-Solo und Drum/Bass/Percussion-Session. Nachdem bei diesem Konzert ja noch der Ausnahme-Drummer Jeff Porcaro (†) trommelt und sein Bruder Mike Porcaro (†) den Bass amtlich spielt, muss man sicher nicht mehr extra gross dazu schreiben, dass das Ganze groovt wie die sprichwörtliche Sau! Dazu gesellt sich noch Chris Trujillo als profunder Percussionist, – was soll man sagen… alles eine Klasse für sich! Dann kommt der lange Instrumental-Titel „Jake To The Bone“, wo die Herren allesamt mal zeigen, was sie so drauf haben und das ist bis heute state of the art! Obwohl hier einmal mehr Steve Lukather glänzt bis zum Umfallen, spielen aber auch alle anderen auf einem Level, der gerade bei diesem Fusion-Zeugs unerreichbar ist! Wahnsinn! Es folgt eine Reminiszenz an den Gitarren-Gott Jimi Hendrix mit einer rotzig-frech rockigen Version von „Red House“. Steve Lukather singt diesen Song und spielt – no na – genial Gitarre! Überhaupt singt Lukather in dieser Besetzung 90% der Leadvocals. Chor-mässig unterstützt wird er dabei von Jenny Douglas, Jacci McGhee und Fred White.

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Den Abschluss des Konzerts bildet dann der Überhit „Rosanna“, wo ebenfalls jeder alle Register seines Könnens zieht! Neben „Africa“ singt hier David Paich gemeinsam mit Luke die Leadvocals. Das Publikum feiert Toto ab wie irre und die Band, die sowieso in absoluter Höchstform spielt, zelebriert einen ihrer grössten Hits, dass es einem die Gänsehaut aufzieht! Yeah, so muss Musikalität! Dann spielen sie als Zugabe den Funk-Hit von Sly Stone namens „I Want To Take You Higher“, wo sich nicht nur Claude Nobs himself auf der Bühne befindet, sondern auch zahlreiche andere prominente Musiker, die eben auch grade in Montreux waren. Und natürlich auch Quincy Jones! An den Keyboards unterstützte sie bei der Zugabe Greg Phillinganes, der damals noch nicht wissen konnte, dass er von 2006 bis 2008 Keyboarder der Band werden sollte! Nach dem Konzert sitzt man fassungslos vorm Fernseher und muss zur Kenntnis nehmen, dass Toto schon damals Musik machten, die auch heute noch ihren extrem hohen Stellenwert hat. Die unerreicht beste Rhythm Section aller Zeiten groovt alles in Grund uns Boden, Gitarre und Keys sind ebenso erste Sahne und die Chöre smashen sowas von! Schade, dass dieser Konzertmitschnitt so lange zurück gehalten wurde und schön, dass er jetzt zu haben ist. Gewidmet hat Produzent Lukather „Live In Montreux“ den Porcaro-Brüdern Jeff und Mike, sowie dem Montreux-Gründern Nobs. Toto haben schon einige lässige Konzertmitschnitte veröffentlicht, aber das ist zusätzlich ein Stück verewigter Musikgeschichte!

Rating: über alle Massen sensationell!

CD-/DVD-/Blu-ray-Review by TOM PROLL

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Weblinks: Toto Official, Toto facebook

Tracklist:

  • 1.  „On The Run“ (7:17)
  • 2.  „Kingdom Of Desire“ (8:50)
  • 3.  „I’ll Be Over You“ (5:29)
  • 4.  „Africa“ (8:51)
  • 5.  „Jake To The Bone“ (8:27)
  • 6.  „Red House“ (8:31)
  • 7.  „Rosanna“ (8:25)
  • 8.  „I Want To Take You Higher“ (5:54)