BETH HART – „Fire On The Floor“ (CD Review)

Nach ihrem fabelhaften Album „Better Than Home“ vom Vorjahr, kommt diese aussergewöhnliche Künstlerin aus Los Angeles jetzt schon wieder mit einem unglaublich grandiosen Album daher: „Fire On The Floor“ ist ein Album wie die Künstlerin selbst: fragil, rau, ehrlich, ironisch, autobiografisch, knallhart und immer selbstkritisch. Das Leben dieser stimmgewaltigen Frau war früher alles andere als ein Honigschlecken, Drogen, Alkohol und der tiefe Fall einer Sängerin, deren Karriere ausgerechnet bei der US-Casting Show „Star Search“ begann. Aber sie landete glücklicherweise mit beiden Füssen am Boden und konnte eine solide Karriere starten, die mit Sicherheit in der Zusammenarbeit mit Joe Bonamassa gipfelte. Aber sie kanns auch alleine und das beweist sie uns gerade mit diesem Album!

Beth Hart ist eine begnadete Rocksängerin, die endlich die Lücke schließt, die eine Janis Joplin so schmerzlich hinterlassen hat! Dieses Album geht etwas mehr in Richtung Jazz und Blues und gleich der Opener „Jazz Man“ gibt auch schon die Grundrichtung vor: avantgardistisch Jazziges mit allem, was Beth Hart so ausmacht, also plus erdigem Blues und räudigem Rock. Ihre Stimme ist absolut on top! Wahnsinn wie diese Frau singt! Der nächste Song „Love Gangster ist ein relaxter Shuffle mit einer Beth, die streckenweise wie Tina Turner klingt und dann wieder wie Ella Fitzgerald… Irre! Und immer eine satte Portion Blues und dann ein Gitarrensolo vom Feinsten, gespielt von Maestro Michael Landau! Danach besingt sie groovig und relaxt den bekanntesten Softdrink der Welt: „Coca Cola“ ist ein lässiger Song mit einem Feeling wie in einer alten Bluesbar in Chicago, wieder mit einem coolen Gitarrensolo und diesmal singt Beth wie eine abgetakelte Jahrmarkt-Nutte, lasziv und rotzig räudig. Beschwingt nimmt „Let’s Get Together“ dann Fahrt auf und es kommt freudig ein Happy-Feeling auf und die Band groovt dazu, dass es eine wahre Freude ist! Coole Bläsersätze, lässige Chöre, ein Chorus zum Niederknien und Beth Hart in Höchstform!

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Mit „Love Is A Lie“ kommt der rockigste Titel des Albums, fette Riffs treffen auf bluesige Elemente und einmal mehr stellt Michael Landau sein Können eindrucksvoll unter Beweis! Was für ein Solo! Und Beth singt sich fast die Seele aus dem Leib und so knallhart wie der Text, ist auch das Video zum Song. „Fat Man“ kommt mit einem Boogie-artigen Riff und im Chorus wird der blues-rockige Song zum Shuffle. Hier hört man auch gediegene Southern Rock-Parts heraus und dass die sehr verehrte Frau Hart hierauf auch wieder absolut göttlich singt, muss ja hoffentlich nicht extra erwähnt werden,  – oder? Der Titelsong „Fire On The Floor“ ist dagegen schwermütig und tief im Mississippi-Blues verwurzelt. Zumindest, was die Musik betrifft, denn der Gesang ist eher jazzig ausgerichtet. Beth singt souverän und macht einer Aretha Franklin oder einer Nina Simone alle Ehre! Ein grandioser Song, bei dem sie sich zum Schluß hin immer mehr steigerte und singt, als ginge es ums nackte Leben! Balladeske Töne werden dann bei „Woman You’ve Been Dreaming Of“ angeschlagen, sie singt zu laid back Jazz äußerst gefühlvoll und mit einer Hingabe, die die vielzitierte Gänsehaut heraufbeschwört. Und das eindringliche Piano spielt sie selbst! Dann wird es groovig a la Little Feat, wenn sie den Song „Baby Shot Me Down“ anstimmt. Der Song nimmt in der Mitte eine Wendung zum Slow-Blues, ehe sich die Band wieder amtlich weggroovt. Sie singt bei diesem Song sehr theatralisch und setzt dem Song zu jeder Zeit die Tüpfelchen auf die „i’s“… Auf „Good Day To Cry“ stimmt sie intensive Töne zu einem Slow-Blues an und hier singt sie einmal mehr wie die seelige Janis Joplin! Ein herzergreifender Song mit soviel Gefühl, wie man überhaupt in einen Song hineinlegen kann! Man möchte sie am liebsten umarmen und trösten, aber im richtigen Leben ist sie ja schon seit Jahren glücklich verheiratet. „Picture In A Frame“ ist wieder eine gefühlvolle Ballade, eindrucksvoll gesungen und mit leicht bluesigen Elementen und dezenten Gitarren. Herrlich! Den Abschluss dieses genialen Albums bildet die Ballade „No Place Like Home“, die sparsam instrumentiert ist und von ihrer Stimme und einem Piano  – gespielt von ihr selbst – getragen wird. Was für ein eindringlicher Song, voller Tiefgang und Seele! Was für eine Stimme! Was für ein Album!

Keine Frage, Beth Hart zählt zu den besten Sängerinnen dieses Planeten und wenn demnächst weitere bewohnte Kugeln entdeckt werden, dann wird auch nicht leicht eine Sängerin wie sie zu finden sein! Was bleibt also übrig, als eine klare Kaufempfehlung auszusprechen!

Rating: 10 von 10 Punkten!

CD Review by TOM PROLL

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