WOLFGANG LUDESCHER – Sein erstes Buch „Quintology“ ist erschienen und wird die Welt der Schlagzeuger revolutionieren!

Wolfgang Ludescher veröffentlichte dieser Tage ein Lehr-Buch unter dem Titel „Quintology“. Dieses Buch wird fraglos Geschichte schreiben und die Welt der Schlagzeuger auf den Kopf stellen bzw. revolutionieren! Wir haben den sympathischen Vorarlberger in seinem Shop „Drumo“ in Feldkirch getroffen und ihm ein paar Fragen zu seinem sensationellen Buch gestellt!

Wolfgang Ludescher ist nicht nur ein hervorragender Schlagzeuger, der Vorarlberger schrieb Mitte der 80er auch österreichische Musikgeschichte! Und zwar mit seiner Heavy Metal-Band Voltage, die eine der ersten österreichischen Metal-Bands war, die eine LP aufnahmen und noch auf Vinyl veröffentlichten. Heute ist diese LP eine gesuchte Rarität und wird im Internet und auf Schallplatten-Börsen zu astronomischen Preisen gehandelt. Wolfgang Ludescher absolvierte die Jazzschule in St. Gallen, Schweiz, und hat mit Diplom abgeschlossen. Er arbeitet als Schlagzeug-Lehrer, Profi-Musiker, Komponist und Arrangeur in vielen musikalischen Bereichen. Wolfgang Ludescher spielt DW Drums, LM Snares (massive, gebürstete Edelstahl-Snare „skull-splitter“ und Maple-Snare „fingerprint“ in der Grösse 14×6,5″), Zildjian Cymbals, Evans Drumheads und SIOP Sticks.

In seinem Vorwort zu seinem Buch „Quintology“ schreibt er: „Der Zweck dieses Buches ist es, sowohl dem fortgeschrittenen als auch dem ungeübten Drummer Einblicke in quintolen-gerasterte Grooves zu vermitteln. Jedem Musiker, der die herkömmlichen Rhythmen und Musikstile grundsätzlich (zumindest rudimentär) beherrscht, sind die zehn Basis-Unterteilungen in „Fleisch und Blut“ übergegangen. Wer sich mit dem „Quintology“-System beschäftigt, ist gefordert, und muss sich ein neues rhythmisches Gefüge erarbeiten, was nur mit konsequentem und kontinuierlichem Üben zu erreichen ist. Es handelt sich bei diesem Werk um ein „Arbeitsbuch“, mit dessen Hilfe und konsequenter Anwendung die auf Quintolen basierenden Rhythmen systematisch und mit allen existierenden Möglichkeiten eingeübt werden können.“

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Aber wie kommt man auf Quintolen und darüber ein Buch zu schreiben? Im Vorwort holt er tief aus: Ein neues Rhythmus-System, ein neues Groove-System – jeder Künstler, der sich mit der Musik der letzten 600 Jahre (Beginn der Neuzeit, Renaissance) beschäftigt, muss sich zwangsläufig fragen, was es noch Neues bzw. noch nicht Komponiertes oder Gespieltes gibt. Künstler wie Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart, Hector Berlioz, Richard Wagner, der Kreis der Wiener Komponisten um Arnold Schönberg wie Alban Berg und Anton von Webern, Igor Strawinsky, Carl Orff, aber natürlich auch Jazz-Größen wie Louis Armstrong, Dizzy Gillespie, Charly Parker, Miles Davis, John Coltrane, Herbie Hancock, Chick Corea uvm. haben jeder für sich – aufbauend auf Erfahrungen vorangegangener Kompositionen und Improvisationen – die Musik und Spieltechnik revolutioniert. Beim Studium eines englischen Artikels über „Groove“, „Mikrostrukturen“ und den sogenannten „ten holy subdivisions“, aus denen jeder Rhythmus, jeder Groove und überhaupt jede Art von Musik aufgebaut ist, stellte sich mir die Frage: warum eigentlich nur diese zehn Unterteilungen und nicht mehr? In mir reifte die Idee, diese zehn rhythmischen Basisfiguren zu erweitern. Das war im März 2004 und seit diesem Zeitpunkt beschäftigte ich mich mit Quintolen als neuem Rhythmuskonzept. Die uns geläufige Musik ist in ihrer Grundstruktur entweder binär (Rock, Pop, viele Latin-Styles, Funk, uva.), ternär (Jazz, Blues, Reggae u.a.) aufgebaut, oder in einigen speziellen Fällen eine Mischung aus beiden „Groove-Geschlechtern“ – sogenannte Hybrid-Rhythmen (manche Samba-Styles, Hip Hop-Grooves u.a.). Die zehn „Subdivisions“ zur Erklärung: Ganze Note, Halbe Note, Viertel Note, Achtel Note, Sechzehntel Note, Zweiunddreissigstel Note, Halbe Triole, Viertel Triole, Achtel Triole und Sechzehntel Triole. Aus diesen zehn Unterteilungen ist im Grossen und Ganzen die gesamte Musik rhythmisch zusammengesetzt. Natürlich werden in Kompositionen und Improvisationen sogenannte n-tolen (Allgemeinbegriff für Duolen, Triolen, Quintolen, Septolen usw.) eingesetzt, aus vorwiegend harmonisch-melodischen Aspekten bzw. um Anfangs- und Endtöne von melodischen Linien harmonisch richtig zu setzen. Sozusagen, um eine gewisse Anzahl von Tönen oder Text-Silben zeitlich richtig unterzubringen!

Neue Stil- und Ausdrucksmöglichkeiten: Diese neue Groove-System ist auf Quintolen aufgebaut (quinär) und hat – in der jeweiligen Taktart – fünf Unterteilungen pro Viertelnote. Somit entstehen völlig neue Rhythmus-, Stil- und Ausdrucksmöglichkeiten. Die Optionen, die das Quintology-System eröffnet, sind nicht leicht zu überschauen und können deshalb in meinem Lehrbuch nur zum Teil genauer ausgearbeitet und aufgeführt werden. Die wichtigsten Themen sind sehr ausführlich behandelt, andere dagegen eher rudimentär.

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Und er erklärt „Quintology“: Den „10 heiligen Unterteilungen“ wird die Subdivision Quintole – in meinem Werk als „Quintology“ bezeichnet – hinzugefügt und somit werden aus den „10 Subdivisions“ nun „16 Subdivisions. Die sechs zusätzlichen Unterteilungen heissen: Viertel-Quintolen, Achtel-Quintolen, Sechzehntel-Quintolen, Zweiunddreißigstel-Quintolen, Achtel Quintriolen (Verdreifachung der Quintolenschläge – d.h. pro Quintolenschlag steht eine Triole) und Sechzehntel-Quintriolen. Das am einfachsten anzuwendende Quintolen-Gefüge ist sicherlich die Sechzehntel-Quintole, dann folgt die Zweiunddreißigstel- und Achtel-Quintole. Die beiden Quintriolen-Varianten sind bei sehr langsamen Tempi gut zu spielen. Nach intensiver Überlegung und Prüfung ist für mich einzig die Quintole aller möglichen n-tolen (natürlich mit Ausnahme der Triole) zur realistischen Auswahl gestanden, da bei höheren Unterteilungen (Septolen, „Nontolen“…) das Grundtempo zu langsam wird.

Warum ? Binär bzw. ternär bedeutet eine Verdoppelung bzw. eine Verdreifachung des Grundpulses. So werden beispielsweise aus einer Ganzen Note 16 Sechzehntel Noten (binär) oder aber 24 Sechzehntel Noten (ternär). Diese Strukturen lassen sich jeweils wiederum binär oder ternär erweitern. Wird beispielsweise in einem 4/4Takt die Viertel Note in Quintolen umgewandelt (1. Umwandlung), besteht der Takt schon aus 20 Schlägen. Wird hingegen im selben Takt die Viertel Note verdoppelt (1. binäre Umwandlung) entstehen 8tel-Noten. Bei nochmalige Verdopplung (2. binäre Umwandlung) entstehen 16tel-Noten und der Takt besteht aus 16 Schlägen. Bei Verdreifachung der Achtel-Noten (2. ternäre Umwandlung) enstehen Sechzahntel-Triolen, womit sich die Anzahl der Taktunterteilung auf 24 erhöht. Wird ein Groove beispielsweise auf einem Percussion-Instrument gespielt, bei dem alle „Subdivisions“ angespielt werden, so ist die Geschwindigkeit der Unterteilungen bei Quintolen, die 1,25 fache zu der eines 16tel-Rhythmus. Oder anders ausgedrückt: bei gleichschnell gespielten Subdivisions verringert sich der Grundpuls (4tel Noten) auf 80 bpm (Quintolen-Groove) im Vergleich zu 100 bpm (16tel-Groove). Bei der Septole verringert sich der Grundpuls auf 57 bpm und bei der „Nontole“ gar auf 44 bpm.

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Diese vollkommen neue Technik wird das Schlagzeugspielen oder sogar die ganze Welt der Musik mit Sicherheit revolutionieren, deshalb haben wir mit dem Neo-Buchautor und Profi-Drummer, Musikfachgeschäft-Inhaber und Schlagzeug-Lehrer Wolfgang Ludescher ein ausführliches Gespräch geführt. Hier seine weiteren Antworten auf unsere Fragen:

X-ACT: Erzähle uns mal deinen musikalischen Werdegang von Voltage bis zu deiner aktuellen Band…

Wolfgang Ludescher: Ich wollte eigentlich immer Musik machen und schon mit zehn, elf Jahren hatte ich eine Band und die hiess Majestic Space. Wir fanden den Namen einfach cool und machten Pop-Musik. Wir spielten Songs nach, machten aber auch schon eigene Sachen. Es hat mich einfach gepackt und ich wollte nur mehr Musik machen. Aber da sowohl mein Vater als auch mein Opa Techniker waren, hat es erstmal geheissen, ich solle was „G’scheites“ lernen. Und so besuchte ich die HTL Bregenz, Fachrichtung Maschinenbau, und das war dann auch schon die Zeit mit Voltage. Wir waren damals altersmässig eine der jüngsten Bands des Landes und eine der wenigen, die damals Metal spielten. Das war natürlich eine ganz coole Zeit, man brauchte fast keine Werbung machen, verteilte einfach ein paar Zettel und die Konzertsäle waren voll!

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X-ACT: Wo ist eure legendäre LP entstanden?

Wolfgang Ludescher: Wir haben die Songs für die LP in Wien aufgenommen, im Studio von Ernie und Gitti Seuberth. Das war damals toll, weil wir für die Zeit der Aufnahmen schulfrei bekamen, – das wäre heute undenkbar, aber damals waren Recordings eben noch was Besonderes…

X-ACT: Wie ging alles weiter?

Ja und dann machte ich die Matura und begann mein Musikstudium, zwischenzeitlich war ich beim Militär, und zwar in Salzburg, und da war ich auch schon ausserordentlicher Hörer am Mozarteum. Nach meiner Militärzeit begann ich mit meinem Studium in der Jazzschule St. Gallen und hatte das Glück, dass ich an der Musikschule in Hohenems unterrichten durfte. Dann war ich bei einigen Tourneen dabei, wir spielten Johann Strauss-Musik, wir waren in Paris, in Russland, mehrmals in Budapest und in Amerika, wo wir durch Michigan eine Tournee spielten. Das war auch eine sehr coole Zeit. Also wir spielten da so ein Programm, ähnlich wie das „Neujahrskonzert“ und da war auch ein Stück dabei, das hiess „Amboß-Polka“ und unser Dirigent bestand darauf, dass ich ein Stück Eisenbahnschiene mitschleppen musste, also im Flieger und zu den Konzerten, alles nur, dass ich ein paar Schläge mit dem Hammer darauf machen konnte… Später bekam ich die Möglichkeit, in Buchs in der Musikschule zu arbeiten, 1991 etwa begann ich an der Musikschule Altstätten zu unterrichten. Nach dem Ende meines Studiums spielte ich in verschiedensten Formationen, oft bis zu 200 mal im Jahr, hauptsächlich Jazz-Musik.

X-ACT: Und die neue Band? Was darf man da erwarten?

Wolfgang Ludescher: Ich habe durch mein Buch ein Angebot bekommen, bei einem Jazz Festival auf Gozo, einer Nachbarinsel von Malta, aufzutreten, und dafür stelle ich derzeit eine Band zusammen. Ich weiss noch nicht genau, was wir da spielen werden, aber vielleicht arrangiere ich Standards mit meinen neuen Grooves… Aber vielleicht wird es auch eine Funk-Geschichte oder Rock-Funk und je nachdem wird sich die Besetzung ja auch verändern…

X-ACT: Und nun zu deinem Buch. Wie kam es dazu, die Quintology quasi zu erfinden bzw. zu erforschen und zu dokumentieren?

Wolfgang Ludescher: Ich habe da so ein Buch gelesen vor vielen Jahren und dabei ging es um die sogenannten „10 holy subdivisions“. Das sind die 10 Unterteilungen, aus denen fast alle Grooves und Rhythmen zusammengebaut sind. Und ich habe mir gedacht, wieso nur diese 10? Und habe die Idee gehabt, dass man das erweitern könnte. Aber es ist so, dass über Jahrzehnte alle mit diesen 10 Unterteilungen alles komponiert haben und jetzt denken sicher alle, jetzt kommt der Ludescher daher und will Geschichte schreiben und sagt, ich revolutioniere jetzt die ganze Musik und mache jetzt sechs neue Möglichkeiten… Und ich habe angefangen, das auszuprobieren, war auch am Anfang gar nicht wirklich überzeugt und hab immer probiert und probiert, habe Rhythmen aufgeschrieben und gespielt und habe mir am Anfang auch schwer getan, – aber es ist dann immer cooler und leichter geworden!

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X-ACT: Wann war dann der entscheidende Moment, wo du gesagt hast, du willst ein Buch veröffentlichen?

Wolfgang Ludescher: Ich habe zuerst einmal einen Haufen Musik geschrieben mit diesen Quintolen, so etwa an die 700  Seiten… Die Idee, daraus ein Buch zu machen war eigentlich schon sehr lange da, nur war es sehr schwer, einen Verlag zu finden. Ich habe vor sechs, sieben Jahren schon mal angefragt bei diversen Verlagen und die sagten mir zwar, dass das sehr interessant sei, sogar ein tolles Konzept sei, aber ich bekam leider nur Absagen. Einer sagte mir sogar, dass die Zeit dafür noch nicht reif sei… Und der alles entscheidende Moment war, als wir letzten Juli einen Workshop mit einer sehr bekannten Schlagzeugerin veranstalteten und die mir sagte, dass sie jetzt etwas Neues zeigen werde: Quintolen! Und da fiel ich fast in Ohnmacht… jetzt musste ich schnell sein, sollte die Arbeit von 12 Jahren nicht umsonst gewesen sein! Jetzt musste was passieren, sollten nicht tausende Stunden von Arbeit nicht „für d‘ Füx“ gewesen sein! Und dann bin ich zum Wolfgang Leupelt vom Leu-Verlag gekommen, der mir dann die Chance gab und der das Vertrauen hatte, das Ding durchzuziehen. Er sah auch das Potential. Das Buch sollte dann ursprünglich letzten September rauskommen, aber es hat schon so lange gedauert, dass die paar Monate bis zum Erscheinen Mitte März 2017 auch schon egal waren! Aber besser spät, als nie!

X-ACT: Dem Buch liegt auch eine CD mit Hörbeispielen bei…

Wolfgang Ludescher: Es ist so, dass ich das als Hör-Beispiele zu den jeweiligen Kapiteln aufgenommen habe, aber auch zum mitspielen. Und ich bin stolz, dass das nicht programmiert wurde, sondern alles von mir live eingespielt wurde.

X-ACT: Was ist das dann für ein Gefühl, wenn man dann endlich das druckfrische Buch in Händen hat, an dem man so lange gearbeitet und getüftelt hat?

Wolfgang Ludescher: Es ist ein ganz tolles Gefühl! Da geht es überhaupt nicht darum, ob ich was bekomme dafür oder wieviele Stunden ich daran gearbeitet habe, es ist einfach ein unglaublich saucooles Gefühl! Wenn man das Ergebnis in Händen hält, ist man einfach glücklich. Und ich bin froh, dass es nicht ein Drummer-Buch ist, wie es ja hunderte gibt, sondern es ist ein Arbeitsbuch, ein Work-Book, denn es sind von den Quintolen-Grooves alle Möglichkeiten drinnen!

X-ACT: Ist dein Buch eher für Anfänger, Fortgeschrittene oder Profis gedacht?

Wolfgang Ludescher: Prinzipiell kann jeder was damit anfangen, wenn man sich für eine neue Art von Musik interessiert. Quintolen – das klingt anfangs so hochstehend und so schwer und so hat  jeder schnell das Gefühl, dass das nur was für Profis sei, aber das ist nicht so und ich habe sogar das Gefühl, dass durch dieses Buch eine völlig neue Art von Musik entstehen könnte! Musik entsteht ja auch vor allem aus Rhythmen, und wenn das dementsprechend angenommen wird, hätte es auch das Potential, allgemein die Musik komplett zu verändern.

Auf alle Fälle hat hier ein sympathischer und kompetenter Zeitgenosse ein bahnbrechendes Buch geschrieben, welches durchaus eine Rhythmus-Revolution auslösen könnte. Wolfgang Ludescher ist ein bescheidener Mensch, ein Träumer und Idealist und ein Visionär, der sich getraute, die gängigen „10 holy subdivisions“ zu erweitern und nicht mehr als Maß aller (rhythmischen) Dinge hinzustellen! Also Drummer und Drummerinnen allen Alters, jetzt seid ihr dran: holt euch dieses Buch und spielt diese vollkommen neuen Pattern und Grooves und stellt mal eben die Musik auf den Kopf oder fügt bestehenden Denkschemen ganz einfach völlig neue Rhythmen hinzu. Wer weiss, was da alles entstehen wird? Man darf gespannt sein und danke Wolfgang Ludescher für deinen ungebrochenen Willen, Visionen und Träume in die Realität zu versetzen!

Story by TOM PROLL

Weblinks: Official Homepage, Facebook

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