GRENZGANG – „…weu’s weida geht…“ (CD-Review)

Die Band Grenzgang aus Oberösterreich erblickte 1991 das Bühnenlicht heimischer Stages und 1993 erschien das erste Album „total varrockt“, welches die Band zum fixen Bestandteil der Linzer Musikszene werden liess. Dann folgte irgendwann eine mehrjährige Pause – der Sänger Günter Katzinger war zwischenzeitlich traurigerweise verstorben – und als sich die vier verbliebenen Originalmitglieder Mario Puncec (Leadvocals, Bass), Robert Hofinger (Drums), Klaus Fitzinger (Guitar) und Reinhard Fitzinger (Keyboards, Organ) anno 2013 anlässlich des 20-Jahr-Jubiläums des Kulturzentrums „d‘ Zuckerfabrik“ in Enns wieder zusammenfanden, sprang der Funke sofort wieder über. Man spielte wieder fleissig Konzerte, begeisterte wie vor 26 Jahren das Publikum mit harten Riffs, satten Grooves, eingängigen Melodien und klassischen Hammond-Fills sowie kritischen Dialekt-Texten und was lag da näher, als ihren „Granit-Rock“ erneut auf CD zu bannen! Nun ist ihr Album „…weu’s weida geht…“ erschienen und knüpft nahtlos dort an, wo die Band vor über einem Vierteljahrhundert aufhörte!

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Das Album beginnt mit dem Titeltrack „Weu’s weida geht“ und liefert gleich mal eine satte Prog-Nummer mit Mühlviertler Mundart ab. Nach einem Keyboard-Intro folgen rockige Passagen und Sänger Mario Puncec erzählt singend die Geschichte der Band. Breaks, Riffs, Soli… alles da, was das Rocker-Herz höher schlagen lässt! Super arrangiert und immer mit einem Hauch Deep Purple versehen. So kennen und mögen ihre Fans die Band Grenzgang! Der zweite Track „Total varrockt“ war schon auf ihrem ersten Album zu finden und das Remake klingt natürlich heutzutage ausgereifter und fährt rockig und bockig ab, dass sogar Granit zersplittert! Dann wieder ein brandneuer Song: „Lasst’s mi aus“ hat alle Zutaten, die auch Uriah Heep oder besagte Deep Purple verwendeten, also 70er-Rock härterer Prägung und dazu zornige Vocals. Mystisch, floydig beginnt dann „Feind„. Ein zeitkritischer Song, der die Kreatur „Mensch“ in Frage stellt, Religionen zerpflückt und der Dummheit der Menschheit einen Spiegel vorhält. Ein Song im Midtempo, astrein arrangiert, lässig gespielt und ergreifend gesungen. „Guat oder schlecht“ ist ein fetziger Song mit frechen Riffs und geilen Drum-Breaks, abermals zeitkritisch und sozialkritisch. Ein lässiges Gitarrensolo setzt dem „i“ den Punkt drauf. Der Text ist ehrlich, provokant und offensiv, – aber das muss bei dieser Thematik wohl so sein. „Schlechte Zeit“ beginnt melancholisch, ruhig, balladesk und der Text ist nachdenklich gehalten. Der Song entwickelt sich zu einer schleppenden Rock-Ballade, ohne schwülstiges Liebes-Gesülze eben. Ein langes Gitarrensolo in der Mitte und ein sparsam instrumentiertes Ende machen diesen Song zu einem echten Highlight.

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Die „Braune Bruat hörte man ebenfalls bereits auf dem Debut-Album. Die 2017er-Version kracht wesentlich härter aus dem Geböxe und rechnet mit dem braunen Neonazi-Gesindel gnadenlos ab! „Hoit’s aus“ ist dann ein fetter Rocker, wieder mit fetzigen Riffs und der typischen Orgel. Textlich wieder mit Kritik versehen, mit Durchhalteparolen und Anprangerung diverser Mißstände. Es folgt ein Song, der mit Marschtrommeln und sparsamer Instrumentierung beginnt und spätestens im Refrain stark an „When A Blind Man Cries“ erinnert. Der Song heisst „Mei Freind“ und könnte durchaus ihrem verstorbenen Ur-Sänger gewidmet sein… Eine Hymne erster Güte und ein Song, der für Gänsehaut sorgt. Mit „Rotznfänger“ – im Original von Rainhard Fendrich und auf Hochdeutsch – endet dieses abwechslungsreiche und interessante Album. Und einmal mehr haben Grenzgang einen Song mit Prog-Elementen versehen, der sich mehr und mehr aufbaut und in einem schönen Chorus mündet. Abermals eine Hymne mit tollem Gitarrensolo und einem Text, der einmal mehr zum Nachdenken anregt. Keine Frage, Grenzgang haben hier ein zeitloses Werk abgeliefert, welches in keiner Plattensammlung fehlen dürfte. Und sie zeigen auch, dass Rock nicht altbacken klingen muss, verwenden nach Belieben Prog-Elemente und 80er-Anleihen und machen unterm Strich klar, dass man dazu auch in Mundart singen kann. Respekt, ein feines Album meine Herren!

Rating: 8 von 10 Punkten!

CD-Review by TOM PROLL

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