MAGIC NIGHT in Zofingen mit TOTO, Roger Hodgson, Philipp Fankhauser und Stiller Has, 9.8.2017, Live-Review

Der „Heitere Platz“ in Zofingen liegt auf einem Hügel oberhalb der historischen Stadt und ist ein Hammer-Open Air-Gelände. Normalerweise mit wunderschöner Aussicht… Nur, die Aussichten an diesem Tag standen eher auf Regen und der kam auch pünktlich zum Auftritt von Philipp Fankhauser und dessen Auftritt war ja auch eher zum Weinen… Aber dazu später! Die „Magic Night“ im Rahmen der „Heitere Open Airs“ stand 2017 ganz unter dem Motto „Music History Live“ und das kam grösstenteils hin! Den Anfang machten STILLER HAS mit ihrem Song „Märli“. Dann kamen „Chätschgummi“ und „Zwärg“, gefolgt von „Flieder“ und „Spoken Word“. Ein bis dahin beschaulicher Gig, das Publikum noch nicht wirklich auf Betriebstemperatur… Daran konnten auch die lässigen Songs „Julia“ und der „Chlyne Tod“ nicht recht viel ändern, zu sehr waren die Leute noch mit Pizza und Bier beschäftigt… Stiller Has beendeten das reguläre Set mit „Tequila Halleluja“ und „Hung“. Und siehe da, nun wurde frenetisch geklatscht und eine Zugabe gefordert! Mit dem Fred Buscaglione-Cover „Guarda che luna“ verabschiedete sich diese grossartige Band für den heutigen Tag. Mir persönlich fehlte allerdings ihr Jahrhundertsong „Maudi“… Und wer die letzten Gelegenheiten, Stiller Has live zu sehen, nicht nützt, ist selber schuld, denn der charismatische Sänger und Mastermind Endo Anaconda hat unlängst in einem TV-Interview das Ende der Band schon mal angekündigt…

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STILLER HAS live on stage: eine sehr solide Live-Show!

Es ging weiter mit dem laut Eigenaussage „besten Blues-Gitarristen und besten Blues-Sänger der Schweiz“, PHILIPP FANKHAUSER. Er spielte eigene Songs und jede Menge Covers aus der Bluesgeschichte, konnte auf eine solide groovende und erstklassig spielende Band zurückgreifen und singt auch gar nicht mal so schlecht. Vom besten Blues-Sänger der Schweiz ist er aber kilometerweit entfernt. Und er hat scheinbar noch nie Marc Amacher gehört… Und dann sein Gitarrespiel: pünktlich zum ersten „Solo“ musste sogar der Himmel weinen, es schüttete in Strömen und hörte erst wieder auf, als Fankhauser die Bühne verliess. Was für eine Strafe des Himmels! Dieser Typ kann einfach nicht wirklich Gitarre spielen, das klingt alles so dilettantisch, dass man meinen könnte, er verarscht sein Publikum. Aber nein, er kanns einfach nicht besser! Heilige Scheisse… welch Schmach bringende Niederlage!

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ROGER HODGSON bei der „Magic Night“ – nie klangen „Supertramp“ besser!

Glücklicherweise änderte sich das schlagartig beim äusserst sympathischen Ex-Supertramp-Mastermind ROGER HODGSON, der mit seiner neuen Band ein hervorragendes Konzert ablieferte. Hodgson, der ja all die grossen Supertramp-Hits komponiert hat und sie mit seiner Stimme, seinem Gitarrespiel und nicht zuletzt mit seinem so typischen E-Piano-Spiel entscheidend prägte, wurde seinerzeit ja bösartig von seinen Ex-Bandkumpels hintergangen und zahlt Rick Davis & Co. das jetzt auf seine Art zurück: er spielt die grössten Hits von Supertramp mit seiner grandiosen Band einfach um eine Klasse besser, als die Leute, die als „Supertramp“ um den Globus ziehen! Schon der Opener „Take The Long Way Home“ zeigte ganz klar seinen Stellenwert! Und mit seiner Ansage „Ich wollte eigentlich mit „It’s Raining Again“ anfangen, aber es hat ja glücklicherweise aufgehört…“ holte er sich gleich den Sympathie-Bonus auch noch. Dann ging es Schlag auf Schlag mit „School“, „In Jeopardy“ (- der einzige Song von seinen Solo-Alben, der Rest waren Supertramp-Songs!) und „Breakfast In America“. Dann spielte er mit „Lady“ einen der zwar unbekannteren, aber besseren Songs von Supertramp. Der Song stammt übrigens vom völlig zu Unrecht unterbewerteten Album „Crisis? What Crisi?“ von 1975. Mit dem „Logical Song“ und der Hymne „Lord Is It Mine“ ging es weiter. Das Publikum mittlerweile voll happy, alles „Roger“ sozusagen! Mit dem Monster-Song „Child Of Vision“ zeigte er eindrucksvoll seine progressive Seite und mit „Dreamer“ bediente er die Fans seiner poppigeren Ader, ehe er mit der „Fools Overture“ wieder seine Prog-Rock-Muskeln spielen liess! Dann erklärte er dem Publikum: „OK, ihr wisst, was jetzt kommt, ich gehe raus, ihr klatscht und schreit Zugabe, ich warte noch ein paar Minuten und komme dann nochmal raus und spiele eine Zugabe. Das dauert aber alles zu lange, stellen wir uns halt vor, das wäre alles schon passiert, wir bleiben einfach auf der Bühne und spielen dafür einen Song mehr!“ Tosender Applaus und tausende Lacher auf seiner Seite! Was für ein netter Mensch und begnadeter Entertainer, der wahrlich nicht abgehoben ist. Arroganz fehlt in seinem Weltbild! Und mit „Give A Little Bit“ und „It’s Raining Again“ spielte er dann noch zwei Welthits aus seiner Feder und im Original von und mit Supertramp. Ein echt tolles Konzert eines unglaublichen Künstlers, der sich über Jahre zurückkämpfen musste, – aber jetzt ist er wieder da! Und wie!

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Gitarrist Steve Lukather (links) und Sänger Joseph Williams

TOTO liessen dann gleich von Anbeginn an nix anbrennen: Mit „Only The Children“ fegten sie weg, was der Kasten hergibt und hängten sofort ohne Pause den Welthit „Hold The Line“ an. Was für ein Konzertstart! „Afraid Of Love“, „Lovers In The Night“ und dann das unsterblich schöne „Pamela“, Herz was willst du mehr? „I“ll Be Over You“ in der elektrischen Version so wie auf dem legendären Konzertmitschnitt „Live In Paris“! Und tatsächlich, sie haben diesen grossartigen Song in dieser grossartigen Version endlich nach langen Jahren wieder ins Live-Programm aufgenommen. Der Autor dieser Zeilen konnte seine Freudentränen nicht mehr halten! Und Steve Lukather spielte wie üblich gottgleich! Was für ein Gitarrist und was für ein Sänger! Dann kündigte David Paich den nächsten Song an: „Great Expectations“ vom letzten Studio-Album, eine Prog-Perle ersten Ranges! Es folgte „Red House“, eine Cover-Version des Jimi Hendrix-Klassikers, gewidmet den beiden verstorbenen Porcaro-Brüdern Jeff und Mike, sowie dem jüngst verstorbenen Glen Campbell. Nach „Stop Loving You“ folgte die Band Introduction: Warren Ham an Saxophon und Vocals, Lenny Castro an den Percussions, Shannon Forrest am Schlagzeug, Shem Von Schroeck an der Bassgitarre und Vocals, sowie die Toto-Stamm-Crew Joseph Williams (Leadvocals), Steve Porcaro (Keyboards), David Paich (Piano, Keyboards) und unser aller Steve „Luke“ Lukather (Leadguitar, Lead- &  Backing Vocals). Was für eine Traumbesetzung!

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v.l.n.r.: Steve Lukather (Guitar), Shannon Forrest (Drums) & Joseph Williams (Vocals)

Mit „Home Of The Brave“ folgte einer der progressivsten Songs von Toto und mit „Rosanna“ einer der absoluten Welt-Hits! Dann folgte mit „I’ll Supply The Love“ der hammermässige Schluss-Song und ohne Abgang (aus Zeitgründen) die Zugabe „Africa“, der weltweit wohl bekannteste Toto-Song und Grammy-prämiiert auch noch dazu! Toto sind noch bis Ende 2018 auf ihrer 40-Jahre-Toto-Jubiläums-Tour unterwegs, und da werden sie sicher noch einen Haufen Konzerte in Europa und weltweit spielen. Im Februar 2018 kommt ihr neues Album „40 Trips Around The Sun“ auf den Markt und im April 2018 erscheinen Steve Lukather’s Memoiren. Da kommen ja tolle Zeiten auf Toto-Fans zu! Und mit diesem Konzert am Heitere Platz in Zofingen haben sie einmal mehr bewiesen, dass sie die wahrscheinlich beste Live-Band der Welt sind!

Live Review by TOM PROLL

Fotos by Sylvia Tschopp-Beccarelli

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TOTO live on stage!