RENS NEWLAND RENEW QTET – „Listen To Your Ears“ (CD-Review)

Rens Newland, geboren am 18. September 1953 in Amersfoort, NL, als Rens Nieuwland, – ist ein holländischer Musiker, Gitarrist, Komponist…, der vor allem in Österreich tätig ist. Stilistisch bewegt er sich im Bereich Jazz, Fusion und Funk. Wer jetzt seine komplette Biografie lesen möchte, dem sei der Wikipedia-Artikel über ihn wärmstens empfohlen! Wir aber wollen uns mit seiner neuesten CD „Listen To Your Ears“ seines neuesten Projektes Rens Newland Renew Qtet etwas näher befassen. Das gefühlt 150. Album dieses Tausendsassas oder „Rens-Dampf-in allen-Bands“ ist einmal mehr ein Dokument seiner Qualitäten als Komponist und Gitarrist. Alle Achtung, dass dem nach all den zig Alben noch immer neue Songs, Themen, Licks und Hooks einfallen, das ist schon ein Wahnsinn… Der grösste Rest der solistischen Arbeit ist sowieso genauso frei wie exzellent improvisiert!

Hat man die CD dann im Player, dann verstört erstmal ein seltsames Intro namens „Renew Intro Tune“, das man sich ob der nervösen Machart und der mässigen Qualität ruhig hätte sparen können. Es folgen Blues To Move“ und „The Vain Search For Easy Solutions“, wo sich die profund spielende Band easy und relaxed gibt, manche sagen Smooth Jazz, die anderen wiederum würden das Kaufhaus-Jazz mit Hintergrund-Charakter nennen, ich würde es eher mit Lee Ritenour und Konsorten vergleichen, also unanstrengender Jazz der virtuoseren Art. Rens Newland spielt hier klarerweise superb und mit einem unglaublich schönen Ton, aber er ist ja auch kein Anfänger, der weiss in jeder Hinsicht, was er tut! Besonders der Saxophonist Herb Berger sollte für sein brillantes Sax-Solo im 3. Track hervorgehoben werden. „This Is Souljazz“ beginnt mit einem bluesrockigen Gitarrenriff, gefolgt von einem tollen Unisono-Thema. Als erster soliert sich Newland gekonnt über die Blueskadenzen und dass er dabei kilometerweit von pentatonischer Allerwelts-Soliererei enfernt ist, versteht sich von selbst. Berger im zweiten Part dann eher jazziger, bevor sie sich abwechseln und mit dem Unisono-Part enden. „About City Blues“ hat dann mit Blues aber rein gar nix zu tun, hier wird nervös und schräg herumgenudelt. Trotz geilem Piano-Solo kommt mir der Track als reine Session vor… „About Light“ ist dann ein beschwingter Titel, der gleich mal in die Halftime geht und hier spielt er wieder ein erstklassiges Solo, Larry Coryell und Danny Toan klingen leicht durch, zumindest scheint er Platten von denen zu haben. Dann das Sax-Solo und wieder das speedige Anfangsthema mit ein paar Schluss-Breaks… „Let’s Get Musiphysical“ gehört dann wieder zu den Songs, die man landläufig als Füller bezeichnet. Nerviges, chromatisches Akkordverschieben und null Konzept. Jeder spielt irgendwas… Free Jazz ist es auch nicht, dazu spielt die Rhythm Section zu solide… Dafür reisst dann „Cue Cumber Sand“ mit seinem obergeilen Riff und dem coolen Groove wieder alles raus! Und dann noch dieses sehr lässige Thema, wo Sax und Gitarre nahezu verschmelzen. Herrlich! Virtuose Soloarbeit von Sax und Gitarre runden den steilen Track ab. Dann kommt der Titeltrack „Listen To Your Ears“, der wieder wie die Tracks 2 und 3 easy und relaxed aus den Boxen tönt. Tolles Thema einmal mehr und sehr schöne Gitarrenarbeit, dann ein herrliches Bass-Solo von Andy Mayerl und abermals Gitarrenklänge de Luxe! Einer der wirklich allerbesten Tracks auf diesem Album! „Blues Booster“ ist dann auch noch in diesem Strickmuster gehalten, kann aber mit dem Titeltrack niemals mithalten. Auch das könnte ein Überbleibsel oder Füller sein, wer weiss… „Turboline“ ist sehr nervös, dennoch am Punkt und genau gespielt. Vielleicht muss  man für Songs dieser Art in Stimmung sein. Aber ich frage mich nur in welcher? Dafür versöhnt er mit „About Tears“ wieder ganz  und gar! Atemberaubende Instrumental-Ballade jazzig/grooviger Prägung mit Melodien zum Niederknien! Hier zeigt die ganze Band, welch ungeheueres Gefühl sie drauf haben und liefern ein Lehrstück für gefühlsbetonten Slow-Jazz ab! Alle Achtung! Danach besuchen wir den „Venetian Carnival“, ebenfalls ein qualitativ ansprechender Titel im schaumgebremsten Rhythmus und mit unglaublichen Melodien und Solos. Hier treffen Smooth Jazz europäischer Prägung und Soft-Latin-Jazz aufeinander ohne sich gegenseitig weh zu tun. Hervorragender Mix und höchste Musikalität! Als letzter Song kommt dann noch einmal „This Is Souljazz“, nur in der „Vocal Edit“-Version. Die Stimmen kommen von Rens Newland und Maggie Faltin und das kann sich auch hören lassen!

In Summe ein hervorragendes Album, das einige Spielarten des Jazz bravourös abdeckt und speziell, wenn es in Richtung Benson/Ritenour/McLaughlin geht, ist alles im grünen Bereich. Wenn die Band allerdings sessionartige Jazz-Nudlereien abfackelt, dann ist es mit dem Hörgenuss schnell mal vorbei. Das können andere definitiv besser. Rens Newland ist aber dennoch ein begnadeter  Gitarrist, der fraglos alle Spielarten des Jazz virtuos beherrscht. Er hat einen tollen Klang auf seinem Instrument und man hört ihm gerne zu, wenn er sich in gefühlvollen Klangwelten verliert. Ein Album mit ein paar Durchhängern aber mit hauptsächlich qualitativ hochwertigen Songs! Man sollte ihm eine Chance geben, allein schon deswegen,  weil er ein unheimlich netter Zeitgenosse ist, der ja schon längst österreichische Jazz-Geschichte mitgeschrieben hat!

Rating: 7 von 10 Punkten!

CD-Review by TOM PROLL

Line Up: Rens Newland – Guitar, Vocals on Track 14, Andy Mayerl – Upright Bass, Herb Berger – Tenor Sax, Martin Wöss – Keyboards, Wolfi RainerDrums, und special guest Maggie Faltin – Vocals on Track 14

Weblinks: Official Homepage  myspace

Tom
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X-ACT Music Magazine - Gründer, Erfinder, Herausgeber, Medieninhaber, Chefredakteur, Design, Logo-Creator. Sonst noch: Gitarrist, Composer, Arranger, Producer, Bandleader.