FRANK PANÉ – „Six String Tales“ (CD-Review)

Es ist vollbracht! Der Allgäuer Ausnahme-Gitarrist FRANK PANÉ hat sein neues Solo-Album „Six String Tales“ veröffentlicht und eines gleich vorweg: er hat nochmals ein paar Schäuferl nachgelegt und sein bislang bestes Album veröffentlicht! Er hat die hohen Standards seiner bisherigen Veröffentlichungen nicht nur halten können, sondern setzt fast mühelos noch einen drauf und ist damit fraglos in der Liga „Thomas Blug – Steve Lukather – Joe Satriani & Co.“ angekommen!

Artwork, Booklet und Fotos sind schon mal erstklassig geworden und setzen dem Künstler und seinem neuesten Werk „Six String Tales“ auch gleich mal optisch das Sahne-Häubchen auf! Dann rein damit in den Player und schon denke ich: „Scheisse, die CD ist kaputt…“, – doch halt! Frank Pané hat sich ein nettes Scherzchen erlaubt und man hört quasi als Intro wie jemand am Radio einen Sender sucht und zwischen den Geräuschen immer wieder Snippets, die ebenfalls von Frank sind. Coole Idee! Letztlich mündet das „Gesuche“ im Song „Skydancer“, der gleich mal abgeht, dass man glaubt, in einem Ferrari auf der Überholspur mit Vollgas unterwegs zu sein, – also musikalisch gesehen. Der Song ist ein straighter Up-Tempo-Kracher, der mit einer geilen Hookline aufwartet. Die Solos sind natürlich auch nicht von schlechten Eltern. Mein lieber Schwan, der spielt sich den sprichwörtlichen Arsch ab! Und hier ist zu bemerken, dass er absolut eigenständig klingt. Na logisch – für alle Besserwisser – sind Reminiszenzen an seine Vorbilder wie Vai, Satriani, Malmsteen, Blackmore und, und, und, – dort und da rauszuhören, aber zerpflücken kann man alles, wenn man will. Also er hat fraglos seinen Stil gefunden und dosiert seine High Speed-Attacken sehr gut, lässt Raum für geile Melodien und gegen Ende des Songs spielt er wunderbare Twin Lead-Guitars, die Freunden von Thin Lizzy, Wishbone Ash, Night Ranger & Co. die Tränen in die Augen treiben werden! Weiter geht es mit dem etwas langsameren, dafür groovigerem Track „Green Man On Mars“, der ebenfalls mit einem coolen Thema begeistert. Hier spielt er sich relaxt durch sein eigenes Sound-Universum und hat Harmonie-Abfolgen kreiert, die einfach nur obermelodisch und endgeil sind! In der Mitte des Songs dann ein stampfender Beat, Frank schaltet einen Gang höher und freakt sich lässig weg, ehe der Song zurückgeht, die Melodien nur so sprudeln und seine Musiker ebenfalls nix anbrennen lassen und einen supergeilen Track ablieferten. Mit „Merlin’s Shuffle“ gehts wieder saftig und kantig zur Sache, allein schon das geniale Haupt-Riff wird schon bald in den Gehirnen festsitzen und tausende Gitarristen werden sich schon bald daran versuchen. Aber auch das Thema des Songs ist sowas von super und auch die Soloteile sind der Hammer, da dreht er derart relaxt auf, dass man gar nicht merkt, dass die Jazz-Polizei schon lange massive Geschwindigkeitsübertretungen feststellen würde. Das ist kein „schaut her, wie schnell ich frickeln kann“, das ist Virtuosität auf allerhöchstem Niveau und wenn jemand wissen will, wie sich das anhört, wenn ein Gitarrist shreddert und dabei dennoch eine satte Portion Feeling ins Spiel bringt: also bitte, dies wäre der Referenz-Track dazu!

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Und Frank Pané ist ein alter Fuchs, er weiss worauf es bei einem Instrumental-Album ankommt, er kennt die Zutaten. Und darum kommt jetzt, – richtig! – die erste Instrumental-Ballade: „Light And Shade“ bietet natürlich alles, was eine Hammerballade braucht, besticht mit einer Hookline, die schlicht atemberaubend ist, im Chorus dann Twin Lead-Guitars und im Soloteil alles, was cool und schnell ist. Und dabei passen diese Speed-Attacken super zur Nummer an sich! Klar, verzückt er die Hörer abermals mit seinen starken Melodien und wieder Double Lead-Guitars… einfach nur herrlich! „A Night In Outer Space“ ist dann ein Midtempo-Track mit Jungle-Drums, spacigen Soundeffekten, R2D2 „singt“ im Mittelteil und entfesselte Gitarren mit freakigen Effekten und geil gespielt sowieso. Diesen Song hätte Herr Vai auch gerne geschrieben. Hat er aber nicht. Sondern Herr Pané! Dann folgt mit „Sunset“ ein absoluter Hit, sensationelle Melodien, mit extra viel Gefühl und Hingabe gespielt, dazu ein mediterranes chill out Flair. Hier zeigt er mal so richtig eindrucksvoll, dass weniger viel mehr ist, das Zusammenspiel zwischen E-Gitarre, Keyboards und Akustikgitarre ist erste Sahne! Und mit diesem Song müsste er locker die Grenzen zwischen Wacken-Fans und Ibiza-Chiller einreissen! „Live It Up“ ist dann dafür wieder ein stadiontauglicher Losgeh-Rocker. So würden vermutlich AC/DC klingen, wenn sie mal die Handbremse lösen würden… Der Track ist natürlich einmal mehr astrein arrangiert, wartet im letzten Drittel mit orientalisch anmutenden Klängen und vor allem mit Tapping-Lawinen auf, die auch Steve Stevens nicht besser hinkriegt und das sagt mittlerweile alles über die Klasse / Liga aus, in der Frank Pané mittlerweile locker mitspielt!

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Und Frank ist ein Stratocaster-Freak und kann auch mit Single Coils und Vintage-Tremolos meisterhaft umgehen. Und was bis jetzt lediglich Herren wie Eric Johnson, Danny Toan, Jeff Beck und „Mr. Stratocaster“ Thomas Blug in dieser schwierigen Disziplin zustande brachten, zeigt er meisterhaft auf dem Track „Fortune / Wings Of Life“. Allein schon dieser Track reicht aus, um von Satriani mal zu einem G3-Konzert eingeladen zu werden! Auf die Bühne als Gastgitarrist, versteht sich! Mit 7:15 ist er der längste Track des Albums und die ersten 5 Minuten bauen den Song richtig sphärisch und emotionsgeladen auf, was dann in einem fetten Riff mündet, Frank geigt auf, was das Zeug hält, die Hammond von Ferdy Doernberg röhrt und ein Feedback faded den Song aus. Absolut geil! „In The Castle Of The Purple King“ könnte eine Hommage an Ritchie Blackmore sein. Während das Akustikgitarren-Intro Blackmore’s Night gewidmet sein könnte, gehts dann in Richtung Deep Purple weiter, ehe sich diese Reminiszenzen verlieren und Pané einfach er selber ist und abdüst, dass es eine wahre Freude ist. Mit der Akustikgitarre beschliesst er diesen grandiosen Song. Und dann kommt mit „Little Lion“, eine Nummer, die er einer Laura Juliette Pané († 2011) gewidmet hat. Wie eine Lullabye-Ballade, nur anmutiger, lyrischer, trauriger, mit fein gesponnenen Melodien und minimalistischer Begleitung. Man spürt Wehmut in jedem Ton und wenn man Tränen hören könnte, dann würden sie so klingen. Handwerklich natürlich sowieso 1A, – punkto Feeling und Herzblut in einer Klasse für sich! Und der letzte Track „Dragon’s Tale“ ist dann dem grossartigen und leider 2010 verstorbenen Ronnie James Dio gewidmet. Selbstredend natürlich auch eine Klasse für sich, Akustik-Intro stampfender Rhythmus und Licks und Riffs, die auch Mr. Dio gefallen hätten! Dazu Gitarrenarbeit vom Feinsten, abermals Twin Lead-Guitars und ein Arrangement zum Niederknien! Ein absoluter Weltklasse-Track, der sich mit Akustikgitarren verabschiedet.

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Halleluja! Nachdem man schon glaubte, dass Gitarren-Instrumental-Alben langsam aber sicher alles geboten haben, was man spielen kann, wird man mit „Six String Tales“ (Borila ReKords/H’Art) von Frank Pané eines Besseren belehrt. Aber das ist eine Qualitätsfrage und dass er Gitarrist bei der deutschen Rock-Legende Bonfire ist und auch mit der Deep Purple Tribute Band Purpend.icular regelmässig europaweit auf den Bühnen steht, unterstreicht ja ohnehin den hohen Qualitätsstandard seines Gitarrenspiels! Er hat auf diesem Album alles gegeben, zieht alle Register seines Könnens und hat da Kompositionen aus dem Hut gezaubert, die sich hören lassen können. Abwechslungsreichtum gepaart mit Ideenreichtum und profundem Können. Dazu eine Spielfreude und ein Feeling, dass es eine wahre Freude ist! Alle Mitstreiter lieferten Bestleistungen ab und alle soundtechnisch involvierten Menschen haben auch alles gegeben. Für mich eines der zwei besten Alben des Jahres 2015! Das andere lieferte David Gilmour ab. Nun, damit ist Frank Pané ja in allerbester Gesellschaft und darf endlich den Platz am Gitarren-Olymp einnehmen, der ihm auch zusteht!

Rating: fraglos und völlig verdiente 10 von 10 Punkten!

Review by TOM PROLL

Weblinks: Official Homepage, facebook, Bonfire, Purpend.icular

FACTS:

  • Artist: Frank Pané
  • Album: Six String Tales
  • Produced by: Frank Pané
  • Frank Pané: all Guitars
  • Ferdy Doernberg: Keyboards
  • Ralf Gromer: Bass
  • Axel Knöll: Drums (1 – 10)
  • Harry Reischmann: Drums (11)
  • Recording & Mixing by Andreas Kindermann
  • Lead Guitars on tracks 1,2,5,6,7,8 recorded by Robbie Hochwind
  • Keyboards recorded by Ferdy Doernberg
  • Bass recorded by Ralf Gromer
  • Drums on track 11 recorded by Harry Reischmann
  • All songs written & arranged by Frank Pané
  • Executive Producer: Andreas Kindermann
  • Mastering: Andi Mistele