MOTHER’S CAKE – „Love The Filth“ (CD Review)

Mother’s Cake ist eine der Bands, die es aus eigener Kraft geschafft hat, Fans und Kritiker zu begeistern. Sie sind fleissig unterwegs und bereits mit ihrem ersten Album „Creation’s Finest“ (2012) machten die Tiroler mächtig Eindruck. Das aktuelle Album hört auf den Namen „Love The Filth“ und kommt in einer aufwändigen Digi-Pack-Version daher…

Der erste Tack heisst „Prelude“ (00:26) und ist sozusagen das Intro. Und es klingt wie ein paar Mitglieder eines russischen Balalaika-Ensembles, die eindeutig zuviel Vodka gesoffen haben. Glücklicherweise ist der Spuk nach 26 Sekunden vorbei. Es geht nahtlos über in den Track „Love The Filth“ (04:37) der mit einem schwermütigen 60er Riff abhebt, Hendrix lässt grüssen. Dazu zornige Vocals, Bass und Drums spielen irgendwas dazu, also um ehrlich zu sein, nach Komposition hört sich das nicht wirklich an, eher nach Session. Aber es gefällt irgendwie, speziell als der Song etwas anzieht und der Gitarrist eine Kostprobe seines fraglos vorhandenen Könnens gibt. Dann ein Break, es wir sphärisch, viele Effekte, dann erneut ein Gesangsteil, also zumindest sowas ähnliches wie ein Chorus. Das Finale bestreitet wieder die Leadgitarre über ein fettes Riff. „Ecstasy“ (04:32) beginnt dann mit einer Akustikgitarre, dann eine Single Coil-Strat und zum ersten Mal so etwas wie eine Songstruktur, im Chorus dann sogar eine geile Hookline! Mehrstimmige Vocals und ein heavy Groove und dann wieder diese rotzig, dreckige crunchige Gitarre, Chorus, dann ein zwar lässiges Gitarrensolo, welches allerdings im Mix etwas untergeht. Entweder Orgel, oder eher extreme Phaser-Gitarre versuchen einen spacigen Sound hinzukriegen, was auch teilweise klappt, dann im brachialen Chorus tatsächlich eine wimmernde Hammond im Hintergrund. Cooler Song irgendwie! Mit „Void“ (06:04) starten sie erneut einen Angriff a la Space-Rock, die Stimmen verfremdet wie einst bei Van der Graf Generator, natürlich ein fettes Riff und ein wirklich lässiger Chorus, der irgendwo im psychedelischen Genre herumschwebt, im Mittelteil ein hektisches Soundgewitter, Wah Wah-Attacken, dann wieder ein funkiger Part und alles mit Effekten massiv überladen, was dem Song aber gut passt. Der nächste Gesangsteil ist wieder etwas anders, dafür kommt dann ein Instrumentalteil, der zwar wirr, aber geil ist! Abermals etwas funky, dazu ein heavy Riff und nach einer Feedbackorgie gehts saftig, deftig ins Finale.

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Der nächste Song „Solar Wind“ (04:07) beginnt mit einer seltsamen Clean-Gitarre, darüber ein Gitarren-Solo im Sound und im Stil von Steve Hillage, 1:1 abgekupfert, klingt aber gut und den Herrn Hillage kennen Menschen unter 30 Jahren eh nimmer. Die Rhythm Section ist minimalistisch angelegt, dafür wird das Gitarrensolo immer besser und klingt ab der Hälfte nun schon mehr nach Syd Barrett, wenn dieser mal geübt hatte, hatte der aber selten bis nie. Cooles Instrumentalstück mit einem entfesselten Gitarristen und einer einminütigen Soundkollage zum Ausklang. Dann gehts in Richtung Muse, und zwar mit dem Song „Gojira“ (04:19), der düster, atmosphärisch daherkommt. Der Mittelteil ist leicht progig, eine düstere Stimme spricht irgendein Kauderwelsch, dann ein sattes Unisono-Riff, dazwischen immer wieder Geräusche, das Riff brettert dann ziemlich ab und als man schon denkt „Ja! jetzt kommt das Solo seines Lebens!“, ist der Song abrupt aus. Aha. Mit „Insanity“ (10:57) kommt dann der längste Song des Albums und zugleich auch der letzte. Anfangs wieder 70ies, dann wieder riffig und frech, leichte Hendrix-Anleihen, wieder zig Geräusche, der Sänger macht seine Sache aber gut und dann wurde das Riff von Jackson’s „Beat It“ frech abgekupfert, wehe wenn das Steve Lukather hört! Der Song geht in seine psychedelische Phase, Geräusche, dann wieder hendrixig, die Vocals laut und schrill, dann wieder konrollierter Lärm, langsam baut sich wieder so etwas wie eine Songstruktur auf, spacige Vocals und dann ein cooler Chorus, mittlerweile aber schon alles wieder satt überladen, dazu kommt dann auch noch eine wildgewordene Wah-Leadgitarre, ehe alles zusammenbricht und ein Chor dahinsummt. Einsatz: alle voll druff, dann ein cooles Riff, also wieder das „Beat It“-Thema, etwas sehr leicht abgewandelt halt, aber durchaus erkennbar und das nicht nur für Gitarristen. Es folgt eine Art Schluss, der doch keiner ist, der Song nimmt eine Wendung ins chillige Ibiza-Flair, also sphärische Keyboards, weit nach hinten gemischte Delay-Gitarren, der Groove smoothig und ambient. Die Chill Out-Freaks werden diesen Part lieben. Die Gitarre wird immer frecher, das Fundament lauter und etwas grooviger, dann fällt wieder alles zusammen, nur mehr Phaser-Piano, sehr leise Gitarre und… aus.

Nun, die Eigendefinition der Band, nämlich Rock, Psychedelic und Space stimmt nur bedingt. Rock ist irgendwie schon immer dabei, aber nie dominant, Space Rock spielten Hawkwind wesentlich besser und ehrlicher, Psychedelic ist das teilweise, – klar, an Bands wie Pink Floyd oder Moby Grape, Budgie oder Gong kommen die an sich sympathischen Jungs aus Tirol niemals im Leben heran, aber sie machen ihre Mucke anständig. Die von der Plattenfirma angepriesenen Prog-Elemente höre ich auch nur ansatzweise heraus und damit wir uns richtig verstehen: wenn ein Song lange dauert und zerstückelt ist, Tempiwechsel hat… ist das noch lange nicht Prog! Die Kompositionen sind teilweise zu skelettiert, man merkt, dass die Band ihren Stil noch lange nicht gefunden hat. Aber sie sind auf dem richtigen Weg, es sind sehr gute Ansätze vorhanden und wenn das ganze jetzt ein richtig guter internationaler Producer in die Hände genommen hätte, dann wären die Jungs längst mit Muse auf Welttournee. Sind sie aber nicht. Aber das kommt noch, die Jungs sind gute Musiker, sie schwimmen gegen den Strom, – halt noch wie junge, ungestüme Fische, aber ich denke mir, dass Mother’s Cake auf alle Fälle das Zeug zu einer grossen Karriere haben. Wenn sie zusammenbleiben und durchhalten, was in Österreich ja so eine Sache ist…

Rating Musik: 7 von 10 Punkten.

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Kommen wir zum Digi-Büchlein, wo auch die CD drinnensteckt. Also schon das Frontcover ist sowas von Scheisse und das Booklet hätte man kindischer und dilettantischer nicht machen können, ein derartig wirres Kritzelkratzel hab ich noch nie gesehn. Es ist schon erstaunlich, was die beiden deutschen „Künstler“ Thomas und Martin Poschauko da verbrochen haben! Nun, das wäre ja alles ziemlich wurscht, denn jeder wie er will… ABER: da zahlt eine Plattenfirma einer jungen, aufstrebenden Band schon mal ein tolles Digi-Pack-Büchlein und dann liefern die so einen Scheissdreck ab! Die Folge wird sein, dass die nächste heimische Band, die bei diesem Label anklopft, nur mehr ein Standard Jewel Case mit Standard Booklet bezahlt bekommt. Ja liebe Band, so kann man der Szene auch nachhaltig schaden! Wenn ihr schon auf Space/Prog/Psychedelic-Rock machen möchtet, dann schaut euch an, wie Hipgnosis oder Roger Dean das Cover gemacht hätten… Und euren „Künstlern“ muss man ins Stammbuch schreiben, dass sie vom Werbewert eines Covers null und nix Ahnung haben, denn im Shop ist der erste Eindruck ein visueller, – und erst wenn diese Hürde geschafft ist und das Interesse geweckt wurde, erst dann hört jemand rein und entdeckt euch vielleicht…

Rating Müll-Cover: 0 Punkte.

Review by TOM PROLL

Line Up:

  • Yves Krismer: Guitar, Vocals
  • Benedikt Trenkwalder: Bass
  • Jan Haußels: Drums

Additional Musicians:

  • Georg Gabler: Organ on „Ecstasy“
  • Adelheid Erler: Vocals on „Insanity“, „Void“
  • Charly Maier: Persussion on „Void“, „Filth“, „Ecstasy“, „Insanity“
  • Andi Haslacher: Keyboards on „Filth“, „Insanity“

Weblinks: Homepage, facebook

Next Shows:

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