EDI FENZL BAND – „Planet Love“ (CD-Review)

Edi Fenzl wurde 1976 in Wien, Österreich, geboren. Er wuchs in einer musikalischen Familie mit viel Blues und Jazz auf. Im Alter von 12 Jahren, nahm sein Vater, der Gitarre in Country- und Jazzbands spielte, Edi mit ins Kino, um die „Blues Brothers“ zu sehen. Etwa 2 Jahre später spielte sein ausgeflippter Musiklehrer das Video von Jimi Hendrix bei Woodstock im Klassenzimmer und etwa zu dieser Zeit verkaufte ein Freund seine billige Fender Stratocaster-Kopie an Edi. Das alles zusammen klärte die Richtung des verwirrten 14-jährigen Jungen. Im Jahre 1995 wurde das Trio Fenzl Experience geboren. Diese Band wurde von Jimi Hendrix, Johnny Winter, Stevie Ray Vaughan und vielen mehr beeinflusst. Und zu den Acts, die der nunmehrigen EDI FENZL BAND gefallen, zählen auch Jimmy Vaughan und Mother’s Finest. Die Band besteht aus dem Mastermind Edi Fenzl (Vocals, Guitar), Klemens Cathcart (Bass, Voc.) und Paul Moder (Drums). Gefragt nach ihrem Genre, kriegt man „Hippiewestern“ zur Antwort. Aha.

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Nun hat die Edi Fenzl Band ein brandneues Album. „Panet Love“ begeistert gleich mal mit einem überaus gelungenen und originellen Cover-Artwork, fuckin‘ awesome done by Eduardo Roca. Und der mitgeschickte Bieruntersetzer im Edi Fenzl Band CD-Design stellt der Band ebenfalls ein sehr professionelles Zeugnis aus! Und was hört man so? Das Album beginnt mit dem „Intromental“. Eine coole Instrumental-Nummer und eine tolle Wort-Kreation. Man groovt sich erstmal locker weg, ehe ein witziger „Mittelteil“ mit allerlei Hintergrund-Stimmen einem geilen Solo weicht. Keine Frage, die Jungs können spielen und haben auch einen Sinn für witzige Ideen, innerhalb und ausserhalb der Musik. „Back In The Saddle“ gefällt mit seinem Hendrix/SRV-Flair und Meister Fenzl stellt gleich mal unter Beweis, dass er nicht nur ein hervorragender Gitarrist ist, sondern auch noch saugeil singt! Dass der Song ein lässiges Solo hat, muss ich wohl nicht extra erwähnen. Mehrstimmige Chor-Einlagen geben dem EFB-Sound noch eine spezielle Würze. „Real Deal“ kommt aus der R’n’B-Ecke und groovt wie die Sau. Hier verschmelzen sie frech Mother’s Finest und Texas-Blues, singen dazu einmal mehr mehrstimmig und Edi’s Gitarre setzt auch diesem Song das Sahnehäubchen auf. „Ri 559“ ist dann wiederum ein relaxter Blues im Laid Back-Modus mit sehr coolen Single Coil-Sounds. Ein ganz spezielles Flair hat dann „Looking For The Reason“. Der coole Song rockt schleppend im Mid-Tempo und bietet nebst einem Stop inklusive Schußgeräusch auch gleich noch ein Bass-Solo und ein Drum-Solo. Chillige Gitarren sowieso. Bravissimo!

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„Hippiewestern Outlaw“ hat dann was Country-ges, tönt irgendwie nach den alten Poco, bevor die ihre Hits hatten und stellt der EFB punkto tollen mehrstimmigen Vocals ein sehr gutes Zeugnis aus. Origineller Text inklusive. Geile Gitarren sowieso. Und wer jetzt glaubt, der Titelsong „Planet Love“ ist die obligate Ballade, dem knallen sie einen Hendrix-igen Song mit psychedelischen Elementen, samt weggespacten Fuzz-Solo um die Ohren, dass es nur so staubt. Hier wiedermal ein Mittelteil mit Geräuschen, Wortfetzen und der Feststellung „Houston, we have a drinking problem“. Witzige Kerlchen aber auch! Der nächste Song, „Ice Cube Stomp“, ist wahrscheinlich der 12.765-igste Blues-Song, der mit der Textzeile „Woke up this morning“ beginnt. Eine witzige Hymne auf Eiswürfeln mit der Akustikgitarre und dazu süffisante Vocals. Herrlich! Klingt, als ob Lowell George wieder auferstanden wäre! Es wird dann zum Schluss noch einmal instrumental: der „Strat Strut“ ist nicht nur ein weiteres Beispiel, zu  welch unglaublich kreative Wortkreationen die Jungs fähig sind, sondern zeigt einmal mehr, wie gut Edi Fenzl seine Stratocaster beherrscht und wie unglaublich tight die drei zusammenspielen!

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Tatsache ist, die Edi Fenzl Band hat mit „Planet Love“ ein amtliches Album abgeliefert, welches problemlos die ausgetretenen Pfade des Blues überschreitet. Und zwar so gerissen, dass das selbst Blues-Puristen erst im zweiten Anlauf merken. Man spürt, dass die Jungs auch jede Menge schwarze Musik mit der Muttermilch aufgesogen haben, denn Groove ist genauso ein Markenzeichen wie die ausnahmslos gute Gitarrenarbeit! Spielwitz gepaart mit solistischen Eskapaden, ein Gespür für Arrangements und für ein Trio eine Sound-Dichte, die ihresgleichen sucht! Dieses Wiener Blues-Trio wird seinen Weg machen und diese CD ist die beste Visitenkarte für einen kräftigen Karriere-Schub! Very well done!

Rating: 8 von 10 Punkten!

CD-Review by TOM PROLL

Weblinks: Offizielle Homepage, Facebook

Live Dates:

  • 24.3.2017, 21:30, Wien, A, Coco Bar
  • 3.4.2017, 18:00, Wien, A, Cooper’s No.1
  • 7.4.2017, 20:00, Wien, A, Local Bar