TOTO – „XIV“ (CD-Review)

Die neue von TOTO übertrifft alle Erwartungen und setzt vollkommen neue Maßstäbe im Rock! „XIV“ ist ein echtes Masterpiece geworden und zeigt eine Band in absoluter Höchstform!

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Es wurde schon einiges über das neue Toto-Album geschrieben und immer wieder tauchten Vergleiche mit dem „Grammy-Award“-überschütteten Album „IV“ von 1982 auf. Nun, zum einen haben Toto selbst in diversen Interviews immer wieder betont, an dieses legendäre Album anschliessen zu wollen und zum anderen wollen scheinbar einige Musikjournalisten genau das raushören… Das stimmt so aber nicht, denn während „IV“ ganz klare Tendenzen in Richtung Pop aufwies und wohl auch deswegen so unglaublich erfolgreich war, ist „XIV“ ein Album ohne Kompromisse und Zugeständnisse geworden, die Band scheisst sich nix mehr um die Charts und es diktierte sie auch keine Plattenfirma in irgendeine Richtung. Und was dabei herausgekommen ist, klingt befreit, emotional und ehrlich!

Den Beginn macht „Running Out Of Time“, ein straighter Uptempo-Kracher, der sofort in die Beine und ins Gehör fährt. Steve Lukather’s Gitarre glänzt wie ein Diamant und punkto Keyboards merkt man ganz klar, dass die Rückkehr des Ur-Mitglieds Steve Porcaro (Keyboards) ein Glücksfall war, denn sein Sound-Design prägte von Anbeginn an den markanten Toto-Sound. Und das zieht sich auch hier durchs ganze Album! Saugeile Sounds, alle Achtung! Joseph Williams singt genial und die Chöre sind auch nicht von schlechten Eltern. Die Instrumental-Section ziert ein sehr emotionales Gitarren-Solo vom Luke und die sphärischen Keyboards machen gestandene Toto-Fans rundum happy. Grandioser Song gleich zu Beginn. Pianoklänge vom Toto-Ur-Gestein David Paich eröffnen „Burn“, welches erst mal ruhig durch den ersten Verse geht, ehe beim Chorus die ganze Band einsteigt. Eine geniale Komposition, genial arrangiert und einmal mehr lässige Gitarren, sphärische Keyboards und astreine Vocals! Sehr emotionaler und dennoch eingängiger Song und fernab jedweder Anbiederung an Hitparade oder Formatradio. Luke beginnt dann „Holy War“ mit einem einfachen, aber coolen Riff. Der Song weist dann diese typischen Toto-Arrangements auf und der Chorus knallt einem sowieso straight in die Birne, dass es eine wahre Freude ist! Die Solo-Section ist wieder was für echte Freaks, Luke spielt genial und virtuos, ehe ein Acappella-Chorus das Finale des Songs einläutet. Für mich einer der absoluten Highlights auf diesem rundum genialen Album. Der „21st Century Blues ist dann nicht nur der erste Song mit Steve Lukather an den Leadvocals, sondern auch ein Track, der deutlich Luke’s Handschrift trägt und auch aus einem seiner Solo-Alben hätte stammen können. Tief im Blues verwurzelt, groovig und immer pulsierend und dann mit einem typischen Toto-Refrain mit unsagbar schönen Chören! Das Gitarrensolo zeigt einmal mehr, warum Luke als einer der besten Gitarristen der Welt gilt. Zu Recht! Ein bluesiger Song im Toto-Soundkleid und ein Text, der sich weit fernab und tiefgründiger von früheren Lyrics wie „Pamela“ oder „Melanie“ bewegt… „Orphan“ beginnt balladesk, ehe fette Riffs durch die Boxen schneiden und abermals einen astreinen Chorus einleiten. Geiles Solo sowieso. Hut ab! Feine Komposition mit Hitpotential, wenn es noch wen interessieren würde, wer in den Charts wo steht… Aber wie gesagt, Toto spielten schon immer in einer eigenen Liga und das zementieren sie auf diesem Album mehr als deutlich!

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„Unknown Soldier“ beginnt ruhig, Akustikgitarren, Piano und Luke’s Stimme, dann pinkyfloydige Sounds und Arrangements, im Grunde eine emotionale Powerballade mit vielen progigen Elementen und starkem Text. Ein ruhiger Song, der dennoch aufwühlt und mit sehr viel Gefühl interpretiert wurde. Luke singt absolut genial. Das macht auch Steve Porcaro auf dem nächsten Track „The Little Things“, eine typische Toto-Ballade, die früher mal locker die Hitparaden angeführt hätte. Und trotzdem ist dieser Song weit weg von einer Kommerz-Schnulze. Das feingesponnene Arrangement und die Chöre, sowie die Keyboard-Sounds sorgen für ein ungeheuer atmosphärisch dichtes Soundbild, welches sich einprägt und nicht mehr aus den Gehörgängen raus will. Es folgt „Chinatown“, worauf sich David Paich, Steve Lukather und Joseph Williams die Leadvocals teilen, ein Rezept, das ja auch schon mal auf „Rosanna“ blendend funktioniert hat und auch diesmal aufgeht. Musikalisch ist der Song aber eher in funkig, jazzigen Gefielden angesiedelt, erinnert stellenweise an Steely Dan und das wundert ja auch nicht sonderlich… Luke soliert sich jazzig-funky durch den Shuffle, die Chöre sind in schwierig zu singenden Harmonien aufgelöst und Paich liefert typische Piano-Klänge. Feine Sache allemal! Bei „All The Tears“ ist dann wieder David Paich als Leadvocalist zu hören. Der Song an sich ist eine Ballade allerfeinster Sorte, mit vollen Chören und pipifein instrumentiert, – was soll man sagen? Toto in Perfektion und diesmal keine Hitballade, sondern ein gefühlvoller Song, der für Gänsehaut garantiert und einfach immer wieder schön anzuhören ist! Im Midtempo kommt dann „Fortune“ und weiss auch zu begeistern, ist sehr solide arrangiert, gespickt voll mit tollen Synth-Sounds und lässigen Gitarren inklusive relaxtem Solo. Der Refrain samt den fetten Chören kommt sowas von gut, dass es eine wahre Freude ist und Luke soliert sich gegen Ende sehr jazzig relaxt weg. Der zweite Song, der auch zu Steely Dan gut passen würde. Und zum Abschluss folgt der absolute Höhepunkt dieses Albums: „Great Expectations“ ist mit fast sieben Minuten auch der längste und progigste Song, glänzt mit Tempi-Wechsel und ist derart durchstrukturiert und arrangiert, dass man aus dem staunen gar nicht mehr rauskommt. Luke, Joseph und David teilen sich einmal mehr die Leadvocals, tolle Sounds, geile Chöre, Breakdown, floydige Elemente, ein Gitarren-Solo der Extraklasse und dann eine Kirchenorgel (!), bombastischer Einstieg und dann wieder das sagenhafte Piano-Hook, ehe Luke ein fett rockendes Gitarren-Riff für ein paar Sekunden rausbrettert, aus dem eine andere Band einen ganzen Song gemacht hätte, Sythies, upbeat Drums und das Grande Finale! Was für ein Song, – scheiss mich an! Und was für ein Album! GREAT!

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Also, Toto haben hier ein Album gezaubert, das die kühnsten Erwartungen locker übertroffen hat und fraglos neue Maßstäbe setzt. Meiner Meinung nach ist es wesentlich besser als „IV“ und hat mit diesem vielzitierten Album nicht viel gemein, weil es besser, gradliniger und erdiger ist, weil hier weder Kompromisse gemacht wurden, noch auf Charts geschielt wurde. Diese Album vereint eher die besten Momente aus „Mindfields“ (1999) und „Falling In Between“ (2006) und lediglich die Rückkehr alter Toto-Recken wie David Hungate (Bass) und Steve Porcaro (Keyboard, Synthies) stellen für mich eine Verbindung zu „IV“ her. Der Hammer ist auf diesem Album neben den „üblichen Verdächtigen“ natürlich der neue Drummer Keith Carlock, der es mühelos schafft, die groovigen Elemente von Jeff Porcaro († 1992) und das pefekte Timing von Ex-Drummer Simon Phillips gekonnt zu vereinen. Da Carlock noch eine Verpflichtung als Tour-Drummer für Steely Dan (oho!) hat, wird er auf der kommenden Tour leider nicht mit dabei sein, aber auf diesem Album trommelt er, als ginge es ums Leben. Die Rückkehr von Sound-Magier Steve Porcaro hat Toto wieder dieses unverkennbare Trademark-Sound-Design verpasst und auch als Komponist leistete er auf „XIV“ sehr gute Arbeit. Alles in allem ein Album voller Überraschungen, ein Album in welches Toto ganz klar ihre unglaublichen Erfahrungen und ihr profundes Können einfliessen liessen und eine derartige Menge Herzblut investierten, die jede junge, erfolgshungrige Band alt und grau erscheinen lässt. Ein Jahrhundert-Album!!!

Rating: 11 out of 10 points!

Review by Tom Proll

FACTS:

  • Artist: TOTO
  • Album: „XIV“
  • Toto’s Album Nr.: 18
  • Label: Toto Records / Frontiers Records

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