PURPEND.ICULAR – „This Is The Thing“ (CD-Review)

Ab morgen, am 16.10.2015 wirds spannend für den deutschen Ausnahme-Gitarristen Frank Pané, denn morgen erscheint das Album „This Is The Thing“ der Band Purpend.icular, wo ja Frank amtlich die Gitarre bearbeitet und schon am 23.10.2015 erscheint sein neues Solo-Album „Six String Tales“ und ebenfalls am 23.10. erscheint das neue Bonfire-Album „Glörious“ auf Vinyl, wo Frank ebenfalls Gitarre spielt! Es darf abgerockt werden bis zum abwinken!

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Aber erstmal zu, Album „This Is The Thing“ von Purpend.icular: Genau genommen ist das die Wiederveröffentlichung dieses Albums, denn zuerst wurde es ja auf dem bandeigenen Label veröffentlicht und nun hat sich eine Plattenfirma der professionellen Veröffentlichung angenommen. Wermutstropfen am Rande: der Titel „Off My Trolley“ fehlt leider beim Re-Release, was umso mehr schade ist, weil auf diesem saugeilen Song Steve Morse, Don Airey und Neil Murray geile Gastbeiträge ablieferten… Aber was kann man machen, Hauptsache ist doch, dass dieses steile Album endlich überall erhältlich ist!

BORILA-COVER-PD-TITTDen Anfang macht „Somebody Done It“, ein rasanter Kracher ganz im Stile von Deep Purple, allerdings mit starken Unisono-Teilen, die selbst Deep Purple so geil nicht hingekriegt hätten! Natürlich ist ein tolles Gitarrensolo von Frank Pané der Höhepunkt dieser Nummer, bei der sich Robby Thomas Walsh amtlich die Seele aus dem Leib singt und Ian Paice als Gast-Drummer sowieso nix anbrennen lässt! Wer es nicht weiss, dem sei verraten, dass es sich bei Purpend.icular um die wohl beste und mit Sicherheit meistgebuchte Deep Purple Tribute Band der Welt handelt. Der Linzer Top-Gitarrist Joe Doblhofer spielte ja da auch mal mit und war der Vorgänger von Frank Pané, der „hauptberuflich“ bei der deutschen Kult-Rockband Bonfire spielt. Auf dieser CD trommelt noch Bernhard Welz, der ja mittlerweile im Line-Line Up ersetzt wurde. Welz spielt jetzt bei der österreichischen Metal-Legende No Bros und wird auch schon auf deren Comeback-Album „Metal Marines“ und bei den Comeback-Konzerten an der Seite von Klaus Schubert zu hören sein! Nun gut, weiter gehts mit dem Song „Dancing In A Cage“, ebenfalls in der Purple-Sparte angesiedelt aber ohne die Vorbilder plump zu kopieren! Überhaupt sind die eigenen Songs der Band nur angelehnt an die Überband, der sie live so kompetent huldigen. Man merkt der Band an, dass sie zwar auf ihre Vorbilder stehn, doch sie bringen ihre unterschiedlichen Einflüsse ein und gerade Frank Pané spielt dermassen sicher und kompetent durch alle Stile der Rock- und Metal-Geschichte, dass Purpend.icular gar nicht Gefahr laufen können, eine Kopie von Deep Purple zu werden. Dann muss leider noch festgehalten werden, dass Robby Thomas Walsh wesentlich besser singt als Ian Gillan und das will was heissen! „Only To Laugh At“ begeistert mit einem coolen Riff und einem laidback groove. Ein lässiger Song, die Hammond röhrt wie back in the 70ies und ein griffiges Gitarrensolo, dazu Walsh, der diesmal klingt wie der junge David Coverdale, abermals in Bestform. „Rain Is Gone“ beginnt verhalten und relaxt, ein Song fast wie früher Lindisfarne oder Gentle Giant… Ein balladesker Song, der wiederum von einem coolen Riff zehrt, dazu eine feine Slide-Gitarre und am Bass ist als Gastmusiker Roger Glover mit dabei! In der zweiten Hälfte lockert der Song auf, die mystischen Elemente weichen einer unbeschwerten Heavyness, die zu gefallen weiss, dann ein Hammond-Solo… herrlich! „If It’s Possible“ klingt am Anfang nach Jethro Tull, diesmal sind die balladesken Töne melodischer als auf der vorgehenden Nummer. Im Pre-Chorus zieht der Song an, fällt im Chorus wieder zusammen… mal eine etwas andere Arrangement-Idee! Walsh singt amtlich und Pané spielt sowas von lässig, sein Solo platzt in ein Break und windet sich in die Gehörgänge, steigert sich immer mehr und zementiert seinen Stellenwert als Ausnahme-Gitarrist ganz deutlich! Yes! Der Song fällt gegen Schluss noch mal zusammen, reduziert auf Rhythmusgitarre, Klavier und einer sensationellen Gesangsleistung von Walsh. Grossartig!

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Mit „Business Is Business“ haben sie einen Midtempokracher an Bord, der anfangs eher aus dem Westcoast-Bereich kommt, sich aber vor dem Chorus zu einem Rocksong typisch britischer Prägung verändert, dann wieder zurück… auch ein cooler Song mit satten Riffs, die dir gekonnt einen Mittelscheitel ziehen, dann dieser herrliche Refrain. Also ehrlich, bis jetzt taugt das Album mehr, als der letzte offizielle Deep Purple-Output! „Broken Bones“ kommt daher wie ein verloren geglaubter Song von Jimi Hendrix und stellt nochmals Pané’s Klasse unter Beweis. Gibt es eigentlich was, was der nicht überzeugend spielt? Ich glaube kaum! Robby Thomas Walsh bringt auf diesem Song wieder eine vokale Glanzleistung, auch dieser Knabe ist vielseitig und wandlungsfähig, alle Achtung! Auch das Hammond-Solo ist ein Hammer und braucht sich vor nix und niemand zu verstecken, sogar die schrägen Töne, die früher Jon Lord so gerne verwendete, sind hier gekonnt eingeflochten! Aber das spielt ja auch der Gastmusiker Ferdy Doernberg, – ja dann ist alles klar! Well done, Ferdy! „Crazy“ ist dann wieder im Midtempo, verfügt über ein lässiges Riff, geile Breaks und lässige Vocals, die man aber suchen muss, denn hier hat meines Erachtens der Tontechniker die Stimme zu weit nach hinten gemischt, was schade ist, weil Walsh hookig und rotzig frech singt. Aber was solls, ich fordere ja schon seit Jahrzehnten ungehört die Wiedereinführung der Prügelstrafe für Tontechniker… Dafür glänzt einmal mehr die Hammond und die Leadgitarre. „Keep Me Away“ ist wieder very british, könnte von The Who sein. Rifflastig gehts zu Werke, folkige Elemente und perkussive Drums und souveräne Vocals mit lässigen Screams machen diesen Song zu einem Juwel.

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Mit marching drums beginnt „Samara“, die Gitarre und die Orgel begleiten locker flockig, die Leadgitarre streut ein paar Melodien ein, ehe der Song Fahrt aufnimmt und orientalische Tonabfolgen die Ohren fordern, Erinnerungen an „Gates Of Babylon“ werden wach. Das Gitarrensolo ist einmal mehr ein echtes Highlight, auch die Hammond einmal mehr steil und dann erst dieses Duell zwischen Orgel und Leadgitarre, so wie einst Lord und Blackmore! Oh mein Gott, lang lang ist’s her. Ein interessanter Song, der mal sowas von ganz anders ist und dennoch der Band auf den Leib geschrieben ist. Apropos Songs schreiben: hier hat ebenfalls Pané den Löwenanteil geleistet, auch Welz hat bei vier Songs mitkomponiert, von Walsh stammen nicht nur die Texte, sondern auch die interessanten Effekte und Soundcollagen, die jeweils zwischen den Songs viel Platz bekommen haben, dieses Album aber vielleicht genau deswegen noch interessanter machen und auf alle Fälle von Deep Purple abheben. Effekte dieser Art fand man früher am ehesten bei Pink Floyd. Unterm Strich bleibt ein bemerkenswert abwechslungsreiches Album einer sackstarken Band mit einem  aussergewöhnlichen Sänger und einem der besten Gitarristen überhaupt! Man darf sich getrost auf Frank Pané’s neues Solo-Album freuen, welches wir euch schon demnäxt mal vorstellen werden, darüberhinaus haben wir den Gitarrero einen Haufen Fragen gestellt und schon bald wirds auf X-ACT online Interviews mit ihm zu seiner Karriere und seinem Equipment geben. Und wer den Saitenhexer live erleben möchte, der hat ja dazu auch reichlich Gelegenheit: mit Purpend.icular und Bonfire ist er ja massiv unterwegs und vielleicht gibts ja auch noch ein paar Konzerte zum Release seines Soloalbums „Six String Tales“!

Rating: 9 von 10 Punkten!

Review by TOM PROLL

Weblinks: Official Purpend.icular, Facebook

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