PHAROTY – „Point Of View“: Interview zum neuen Album der Tiroler Rockband

X-ACT: Vor kurzem erschien euer Debütalbum „Point Of View“. Könntet ihr euch unseren Lesern kurz vorstellen?

Sehr gern! Wir sind die Rockband „pharoty“ aus Tirol und stehen für melodischen und modernen Rock. Wer auf handgemachte Rockmusik steht, der ist bei uns richtig. Wir kennen uns seit gemeinsamen Kindheitstagen und das Außergewöhnliche an uns ist, dass unser Sänger Mario und unser Drummer Alex Brüder sind, sowie dass Gitarrist Gernot und ich am exakt selben Tag geboren sind. Diese Konstellation in einer Band ist wohl weltweit einmalig und wir sind definitiv nicht „zusammengecastet“ (lacht)…

X-ACT: Wie lange spielt ihr schon gemeinsam?

In dieser Besetzung seit 2003. Mario und Gernot starteten als typische Garagenband im Jugend-Alter mit einem Faible für Punkrock. Ich war Fan und übernahm dann den Bass. Alex war vorher bei anderen Bands live und im Studio aktiv. Wir schrieben von Anfang an eigene Songs. Zudem hatten wir ein Rock-Cover-Projekt am Start mit dem wir über viele Jahre Bühnenerfahrung gesammelt haben.

X-ACT: Was bedeutet euer Bandname pharoty?

Es war uns wichtig, einen unverwechselbaren Namen zu haben der nur für uns steht. Zugleich soll damit das Gefühl ausgedrückt werden, das wir für die Band empfinden. Da man dies schwer mit Worten beschreiben kann und mehr hören/fühlen/sehen oder vielleicht auch einmal anfassen muss haben wir uns für einen eigenständigen, kreativen Namen entschieden: pharoty

X-ACT: Wer ist bei euch für das Schreiben der Songs zuständig?

Das sind wir alle, da wir die Songs jeweils erjammen. Wir treffen uns im Proberaum, einer startet mit einer Idee und die anderen steigen mit ein. Die heutigen technischen Möglichkeiten erlauben uns alles was Potential hat gleich im Proberaum aufzunehmen. Die große Herausforderung ist in der Folge aus einer guten Idee auch einen guten Song zu machen. Dies machen wir ebenfalls gemeinsam hinsichtlich Arrangement, etc. Zum Schluss finalisieren die Gitarristen die Solos, der Drummer die Fills und Mario und ich kümmern uns um die Texte.

X-ACT: Was sind eure musikalischen Vorbilder?

Da gibt es viele aus dem Rock- und Metalbereich. Neben den üblichen Verdächtigen wie Metallica und Green Day sind es auch Biffy Clyro, Sentenced oder Blue October. Es mag abgedroschen klingen, aber das Spektrum unseres Geschmacks ist wirklich sehr breit. Was alle vereint ist aber die Tatsache, dass die Gitarre immer ein wesentliches Instrument ist. Wir hören also wenig Schlager (lacht)…

X-ACT: Ihr habt ja vor eurem Debüt die EP „Trapped“ veröffentlicht. Wie war da das Feedback bei den Rockfans?

Sehr gut. Wir waren damals primär als Cover-Band unterwegs und wollten dennoch die besten Songs, die bis dahin in Eigenregie entstanden sind, veröffentlichen. Das hat viele überrascht und begeistert, dass wir auch eigene Songs schreiben. Es gab eine tolle CD-Release Party als Guerilla-Konzert in einem großen Bauernhof mit einer feuchtfröhlichen Feier im Anschluss. Ich bin heute noch froh, dass die Hütte damals nur im sprichwörtlichen Sinn gebrannt hat (lacht). Die CD hat sich dann im Anschluss gut auf Konzerten verkauft und wir haben auch ausgezeichnete Reviews erhalten. Sie hat uns sicher weitergebracht. Für einen Deal bei einem Label hat es leider nicht gereicht. Vielleicht klappt dies ja mit unserem Debüt-Album „Point of View“.

X-ACT: Wo und mit wem habt ihr euer Debütalbum aufgenommen?

Im Newport-Studio von Werner Costabiei in St. Lorenzen/Südtirol. Aufgenommen, produziert und gemixed hat uns Armin Rainer aus Sterzing. Das Mastering entstand bei HP Mastering in Hamburg. Das ganze Team und die Arbeit im Studio war wunderbar. Die Stimmung ausgezeichnet, die Arbeit professionell. Wir waren mit unserer EP „Trapped“ schon im Newport Studio, damals hat uns Alex Lysjakow produziert (heute der Produzent von Frei.Wild.) Aufgrund der sehr guten Erfahrungen war uns sofort klar, dass wir wieder dorthin gehen.

X-ACT: Ihr habt „Point of View“ am 10. April veröffentlicht. Aufgrund der aktuellen Situation war es bis heute nicht möglich, die Songs den Fans live vorzustellen. Ist es da nicht schwierig das Album entsprechend zu promoten?

Ja, das Timing müssen wir beim nächsten Album unbedingt verbessern (lacht). Das war aber natürlich alles nicht vorherzusehen und in Anbetracht dessen was da auf die Menschheit zugekommen ist, ist es auch kein großes Problem. Die Promotion ist jedoch stark eingeschränkt, da mit den Live-Auftritten eine wesentliche Säule weggefallen ist. Wir haben dies durch verstärkte Online-Kampagnen, zum Beispiel über Spotify und Instagramm, versucht zu kompensieren sowie mit einer verstärkten Zusammenarbeit mit den regulären Medien. Dafür sind wir auch sehr dankbar und wir haben es damit sogar auf Platz 5 in die österreichischen Album-Download- Charts bei iTunes geschafft. Das war dahingehend unser bisher größter Erfolg. Wenn Konzerte wieder möglich sind, wollen wir die Promotion auch nochmals aufgreifen.

X-ACT: Könnt ihr unseren Lesern, einige eurer Songs vom Debütalbum näher vorstellen?

Selbstverständlich! Der Opener „So Come On“ beginnt mit einem knackigen Drum-Intro, gefolgt von einem stampfenden Beat und einem mitreißenden Refrain. Wir haben diesen Song gewählt, weil er einen passenden Vorgeschmack auf die anderen Songs bietet. Das folgende „You“ ist die Vorab-Single und wirklich ein klassisches Liebeslied. Allerdings nicht in der üblichen „Schnulzen“-Form sondern es soll die positiven Emotionen wiedergeben, die man hat wenn man frisch verliebt ist und den oder die Richtige gefunden hat. Als Pendant dazu folgt mit „Respect“ ein richtiger Rock-Hammer mit markantem Gitarrenriff und einem langen, innovativen Gitarrensolo. Mit dem ruhigeren „Leaving This Stage“ hat Sänger Mario eine herausfordernde Phase seines Lebens musikalisch verarbeitet. Dieser Song ist daher etwas ganz besonderes. Es ist geplant, dass dies auch die nächste Single wird. „Every Single Day“ hat eine Gitarrenmelodie, die jeden im Ohr bleiben wird und der Song baut sich darum herum auf. Ein besonderes Highlight ist „It’s me“. Hier hat Drummer Alex einen in seiner Schlichtheit genialen Drumbeat gefunden, der das Lied trägt und dem Song einen unbeschwerten Touch gibt.

X-ACT: Mit „Steh auf“ findet sich auch ein deutscher Song auf dem Album, wie kam es dazu?

Wir hatten vor ein paar Jahren eine kreative Phase in der wir uns auch in unserer Muttersprache ausdrücken wollten. „Steh auf“ ist in dieser Zeit entstanden und kam live immer sehr gut an. Daher wollten wir diesen Song unbedingt auch am Album haben und entschieden den Song in 2 Sprachen zu veröffentlichen („Steh auf“ und „Stay here“).

X-ACT: Welche Möglichkeiten seht ihr besonders für Fans der härteren Mucke, ihre Musik und die Musiker und Bands in dieser Zeit zu unterstützen?

Aus finanzieller Hinsicht lautet die Antwort: Die Musik und das Merchandising kaufen. Bei kleineren Bands wie uns, am besten direkt bei den Bands. Sobald es wieder geht Konzerte besuchen, auch im Underground. Insbesondere im härteren Bereich gibt es viele ausgezeichnete Bands die nicht über große Label-Verträge und Einkommen verfügen. Die meisten leben ohnehin von den Touren. Wer hier seinen Hauptjob für den Musiker-Traum aufgab, erlebt derzeit sehr schwere Zeiten. Da ist eine Unterstützung notwendig. Kultur hat einen Wert!

X-ACT: Wie steht ihr zu den neuen sozialen Medien und in welchem Ausmaß nutzt ihr sie?

Sie sind Fluch und Segen zugleich. Die sozialen Medien ermöglichen auch kleineren Bands überall auf der Welt in Kontakt mit ihren Fans zu stehen und sich und ihre Musik zu bekannt zu machen. Das wäre zB Mitte der 90er ohne ein Label im Hintergrund überhaupt nicht möglich gewesen. Das ist natürlich ein großer Vorteil. Auf der anderen Seite ist es sehr schwer sich aus der Masse hervorzuheben und es ist normal geworden, dass die Musik an sich im Internet ein nahezu kostenloses Gut geworden ist (zB Youtube) Oder man diese zu einem sehr günstigen Preis konsumieren kann (zB Spotify). Für kleine Bands ist es damit unmöglich die Kosten einer Studio-Produktion rein aus den Musikeinnahmen zu finanzieren. Wir nutzen die sozialen Medien als Kommunikationsplattform mit den Fans und zum Promoten von Konzerten.

X-ACT: Wir alle hoffen, dass Live-Auftritte wieder möglich sein werden. Mit wem würdet ihr gerne gemeinsam die Bühne teilen?

Unser realistischer Traum ist eine Klub-Tour als Vorband einer bekannteren Band. Hier sind wir sehr flexibel was die Bands und Geografie betrifft. Hauptsache es passt. Es geht uns darum in diesen „Rock ‚n‘ Roll Way of Life“ auf Tour einzutauchen und eine geile Zeit mit anderen Bands und den Fans zu erleben. Bei mir selbst ist die Sehnsucht nach Konzerten insbesondere nach Corona sehr groß. Sogar das übliche Gemisch aus Bier- und Schweißgeruch in der glücklichen Ruhe nach einem Konzert fehlt mir (lacht). Unser Wunschtraum wäre eine Tour mit unseren Jugend-Idolen, wie Green Day, Metallica oder Iron Maiden. Das wäre natürlich das Höchste.

X-ACT: Die Covers zu eurer EP und auch zum Debütalbum sind sehr außergewöhnlich und einprägsam. Wer ist da für die Gestaltung verantwortlich?

Hier wollen wir ein großes Lob und Danke aussprechen: Die Covers kommen von unserem Südtiroler Freund Dani mit seiner Firma „Archetype Design“. Dani ist sehr kreativ, professionell und ein überaus netter und unkomplizierter Typ. Wir können ihn getrost weiterempfehlen und werden ihn sicher auch für weitere Covers zu Rate ziehen.

X-ACT: Wie seht ihr die größer werdende Nachfrage nach Vinyl und die damit verbundenen Sonderauflagen in farbigem Vinyl, Splatter oder Picture-LP und ähnlichem?

Das ist eine äußerst positive Entwicklung, da sie zeigt, dass sich Leute noch richtig mit einer Band beschäftigen. Sie nehmen ein Album als Kunst wahr und hören nicht nur einzelne Songs. Damit sind solche Hörer das wohltuende Gegenteil zur großen Masse, die oft nur einzelne Singles hört. Wir haben sogar überlegt ob wir eine Vinyl-Version von „Point of View“ rausbringen sollen. Allerdings war das bisher aufgrund hoher Kosten bei noch geringer Auflage nicht rentabel. Aber was nicht ist, kann noch werden.

X-ACT: Viele Bands bieten in der derzeitigen Situation ihre aktuellen Alben auf ihrer Homepage an und verschicken auf Anfrage signierte Exemplare. Ist das für euch auch ein Weg, die Fans direkt anzusprechen?

Ja, absolut. Jeder darf uns gern diesbezüglich kontaktieren und wir schicken signierte Exemplare zu. Wir nehmen uns hierfür wirklich gern die Zeit, da man so interessante Leute kennenlernt und einen persönlichen Draht zu den Fans bekommt. Das ist uns sehr wichtig und freut uns sehr. Wir wussten zum Beispiel gar nicht, dass wir in Süddeutschland schon eine glühende Fan-Familie haben, die unsere Songs rauf- und runterhört. Oder dass uns in Frankreich jemand laufend weiterempfiehlt.

X-ACT: Auch wenn man aufgrund der derzeitigen Situation nicht all zuviel sagen kann, würden wir doch ganz gerne wissen – was steht denn so als nächstes auf eurer To-do Liste?

Würde es Corona nicht geben, wäre die Antwort: Live, live, live. Wir können es kaum erwarten die Bühne zu entern und endlich die neuen Songs live zu präsentieren. Aufgrund der fehlenden Planbarkeit konzentrieren wir uns aber derzeit auf das Schreiben neuer Songs. Hier darf ich verraten, dass es schon wieder einige interessante Ideen gibt. Zudem hat jeder von uns privat einige sehr positive Dinge erledigen können. Also hat alles auch seine guten Seiten.

X-ACT: Danke, dass ihr euch die Zeit genommen habt, unsere Fragen zu beantworten. Wir wünschen euch viel Erfolg und hoffen, dass wir noch viel von euch hören.

Vielen Dank auch von uns, es war uns eine Freude! Wir wünschen euch und allen Lesern alles Gute in dieser besonderen Zeit und freuen uns darauf dann wieder gemeinsam rocken und feiern zu können!

Interview by MICHAEL STECHER

Tom
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X-ACT Music Magazine - Gründer, Erfinder, Herausgeber, Medieninhaber, Chefredakteur, Design, Logo-Creator. Sonst noch: Gitarrist, Composer, Arranger, Producer, Bandleader.