BONFIRE – „Byte The Bullet“ (CD Review)

Man schrieb das Jahr 1987, als ich in einer niederösterreichischen Bauerndisco (- in der grundsätzlich musikalischer Sondermüll gespielt wurde, aber eine angebetete Blondine verkehrte -) meinen Bonfire-Erstkontakt hatte: Zwischen all den Hits und Hitchen fetzte plötzlich „Sweet Obsession“ aus dem Geböxe! Ich zum DJ, fragte, wer das denn sei… er reichte mir die LP „Fireworks“ und meinte, dass das sein Privat-Exemplar sei… Ich besorgte mir umgehend die LP und mochte den Bonfire-Rock von Anbeginn an. Jahre später verglich ein holländischer Musikjournalist meine Band King Size mit Bonfire, was mich sogar ein bißchen richtig stolz machte. Irgendwann Anfang 2000 oder so, verlor ich Bonfire aus den  Augen und aus den Ohren. Ich bekam zwar den Kindergarten-Sreit rund um den Ausstieg/Rauswurf des Sängers Claus Lessmann anno 2014 mit und registrierte die zahllosen Musikerwechsel dann und wann… Mit David Reece hatte die Band von 2014 bis 2016 zwar wieder einen amtlichen Sänger, – doch warum der wiederum gefeuert wurde, das wissen die Götter und selbst die schütteln bis heute den Kopf… Jedenfalls sollte dann der Ex-Bonfire-Sänger Michael Bormann (1993-1994) erneut das Mikrofon übernehmen, aufgrund diverser Verpflichtungen wurde der vokale Geisterfahrer Bormann aber vorerst von Alexx Stahl ersetzt. Stahl erwies sich als echter Glücksgriff, viel zu gut, als nur Übergangs-Sänger zu sein und Bormann wurde wieder rausgeschmissen, noch bevor er einen Ton gesungen hatte. Bonfire’s Transfer-Karussell as we know it… Anyway, Bonfire anno 2017 sind jetzt also Gründer, Mastermind, Komponist und Gitarrist Hans Ziller, Ausnahme-Gitarrist Frank Pané (seit 2014), Alexx Stahl (seit 2016, Lead Vocals), sowie die absolut mörderische Rhythm Section Ronnie Parkes (seit 2014, Bass) und Tim Breideband (seit 2015, Drums). Und sie haben ein nagelneues Album: „Byte The Bullet“ überzeugt mit starken Songs und fettem Sound!

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Bonfire starten ihr 2017-er Album „Byte The Bullet“ mit einem geilen Intro, welches auch gleichzeitig der Anfang des siebenminütigen Songs „Power Train“ ist. Speediger Metal mit glasklaren Vocals, smashigen Chören und rotzigen Riffs, geilen Twin Lead-Guitars und geilen Gitarren-Solos sowieso. „Stand Up 4 Rock schlägt in die selbe Kerbe, ebenfalls speedig unterwegs und wunderbar arrangiert. Und wieder diese göttlichen Chöre! „Praying 4 A Miracle“ ist dann einen Gang runtergeschalten, gefällt aber vor allem mit seinem hymnenhaften Charakter. Ein schwerer, schleppender Groove beim Track Nr. 4: „Some Kinda Evil“ ist ein Song, der auch von Dio hätte sein können. Gut gemacht allemal, vor allem das Gitarren-Solo ist Klasse und das tonnenschwere Riff bleibt einfach hängen.„Lonely Nights“ ist dann eine jener Balladen, wie sie für Bonfire so typisch sind. Lässiger Song mit Klasse-Chorus! So muss Rock-Ballade! Der Titeltrack „Byte The Bullet“ ist dann ein durchschnittlicher Rocksong, der mich jetzt nicht wirklich umhaut… Der nächste Song ist eine Cover-Version des Jethro Tull-Klassikers „Locomotive Breath“. Das Intro zu diesem Song ist voll in die Hose gegangen, hier übt scheinbar ein Klavierschüler… und als ich mir schon denke, dass das was Seltsames werden kann, präsentieren sie eine coole Version mit amtlichem Groove und stampfendem Riffing. Geil gespielt, geil gesungen und fetter als das Original und das geile Gitarren-Solo setzt dem Song noch die Krone auf! Insider wissen, dass auf einer deutschen Lokalbahnstrecke eine Diesel-Lok im Bonfire-Design herumkurvt!

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„Reach For The Sky“ ist wieder ein typischer Bonfire-Song im oberen Tempo-Bereich. Super-Komposition mit einmal mehr erstklassigen Vocals und stadion-mitsing-tauglichem Refrain. „Sweet Surrender“ ist dann ein geiler Midtempo-Song a la Autograph, Icon oder Europe. Und diese herrlichen mehrstimmigen Vocals im Chorus! Dann kommt eine Minute lang blödeln: der Amerikaner Ronnie Parkes muss Wörter wie „Friedensreich Hundertwasser“, „Oachkatzlschwoaf“ oder „zefix“ sagen und verhaspelt sich auf lustige Art und Weise und „Hundertwasser“ wird so unfreiwilig zum „Hodenfasser“. Ein netter Gag! Dann hat Gitarrist und Arrangeur Frank Pané einige Klassiker zu einem Medley vermischt. Mit dabei Beethoven, Mozart’s „Nr. 40“, die „Kleine Nachtmusik“ usw., – gut gemacht und geil gespielt sowieso! Das Stück nennt sich „InstruMetal“ und ist eine gelungene Wort-Kreation und ein gelungenes Medley sowieso. „Too Far From Heaven“ ist wieder ein speediger Knaller mit allem Drum und Dran, inklusive Akustik-Gitarren-Solo (!) und Twin-Lead-Guitars! Und dann die Über-Ballade „Without You“, die Erinnerungen an Warrant, Ratt und Poison wach werden lässt! Was für ein Song! Einfach nur geil! Und als Bonus Track zum Abschluss ihr unsterblicher Über-Hit „Sweet Obsession“ in der x-ten Version, aber immer wieder gut! Und so schliesst sich der Kreis. Von „Sweet Obsession“ zu „Sweet Obsession“ sozusagen… Mit 30 Jahren dazwischen…

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Mit diesem neuen Album schliessen Bonfire nahtlos an ihre Alben „Glörious“ (2015) und „Pearls“ (2016) an. Die Songs sind erstklassige Rocker und die Balladen sowieso wie immer saugut! Gitarrist Frank Pané war das Beste, was dieser Band hinsichtlich Gitarre und Songwriting/Arrangement passieren konnte und der neue Sänger Alexx Stahl hat eine Hammerstimme, die im Gehör hängen bleibt, wie schon lange keine Stimme mehr! Keine Frage, der könnte jederzeit Klaus Meine bei den Scorpions ersetzen und es ist nur eine Frage der Zeit, bis der ein Angebot einer internationalen Über-Band aus der 1. Liga bekommt. Also wenn „Ober-Freudenfeurer“ Hans Ziller diese beiden Top-Musiker auch wieder austauschen sollte, dann ist ihm nicht mehr zu helfen und Bonfire wird dem Untergang geweiht sein! Aber das steht ja nicht zur Diskussion und erstmal dürfen wir uns an „Byte The Bullet“ erfreuen!

Rating: 8 von 10 Punkten!

CD-Review by TOM PROLL

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